Angriff auf Facebook: Wird Google nervös?

Der Überraschungscoup ist Sergey Brin gelungen: Eine volle Breitseite feuerte der Google-Gründer gegen China und Iran im britischen Guardian mit seinen Bedenken um ein freies Internet ab. Allerdings schließt Brin auch die Rivalen Facebook und Apple, bei denen er "vermauerte Gärten" entdeckt haben will, in seine Kritik ein. Die ungewohnt deutlichen Worte kommen zu einer Zeit, in der Google selbst mauert: Der überraschende Aktiensplitt in A- und C-Aktien irritierte zuletzt sowohl die Tech-Welt als auch Wall Street.

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Der Überraschungscoup ist Sergey Brin gelungen: Eine volle Breitseite feuerte der Google-Gründer gegen China und Iran im britischen Guardian mit seinen Bedenken um ein freies Internet ab. Allerdings schließt Brin auch die Rivalen Facebook und Apple, bei denen er "vermauerte Gärten" entdeckt haben will, in seine Kritik ein. Die ungewohnt deutlichen Worte kommen zu einer Zeit, in der Google selbst mauert: Der überraschende  Aktiensplitt in A- und C-Aktien irritierte zuletzt sowohl die Tech-Welt als auch Wall Street. 
Ist Google angeschlagen? Mitbegründer Sergey Brin machte zumindest in seinem gestern veröffentlichten Interview mit dem britischen Guardian einen ungewohnt dünnhäutigen Eindruck.  "Ich bin besorgter denn je. Es ist beängstigend", war da zu lesen. 
Was treibt Brin um? Der 38-jährige Google-Gründer sorgt sich nicht weniger als um die Freiheit des Internet, die er gleich zweifach "von sehr mächtigen Kräften" unterwandert sieht – von staatlicher und von wirtschaftlicher Seite. Da sind einerseits Staaten wie China und der Iran, in denen Zensur an der Tagesordnung ist, andererseits sieht Brin die Bedrohung eines offnen Internets aber auch von den direkten Rivalen Facebook und Apple. 
Angebot von Apple und Facebook "vermauerte Gärten"?
Vom iPhone-Hersteller und dem weltgrößten Social Network, die Google auf ihren ureigenen Terrains mit Android und Google+ offensiv herausfordert? So sieht es zumindest der Google-Gründer. Die Angebot von Apple und Facebook würden  "vermauerten Gärten" ähneln – gemeint sind damit wohl die geschlossenen Systeme iTunes und Facebook selbst, die Nutzer in ihren Entscheidungsfreiheiten beschneiden würden. 
"Man muss nach ihren Regeln spielen, und die sind wirklich restriktiv", skizziert die Brin die Rahmenbedingungen für Nutzer bei Apple und Facebook. Unter diesen Umständen hätte er und Mitstudent Larry Page Google nie entwickeln können: "Das funktionierte nur, weil das Netz so offen war. Wenn es erst einmal zu viele Regeln gibt, wird jede Innovation erstickt."
Googles Microsoft-Moment?
Dass Google mit diesem Vorstoß Kritik ernten muss, erscheint vorhersehbar – zu eigennützig erscheint doch vielen Internet-Experten Googles Datenhunger und auch die nicht gerade dezente Vernetzung von neuen sozialen Netzwerk Google+ mit anderen Diensten. "Warum Googles Facebook-Kritik scheinheilig ist", kanzelt etwa Spiegel Online Brins Breitseite ab. 
Doch einige Beobachter ahnen hinter der ungewohnten Tirade mehr als den unberechtigten Wurf im Glashaus."Google befindet sich exakt dort, wo Microsoft 1999 war", wittert der Vermögensverwalter Eric Jackson in Forbes Googles neue Verletzlichkeit.

Zur Erinnerung: Der damals wertvollste Technologiekonzern der Welt sah kurz vor Jahrtausendwende ziemlich unangreifbar aus, wuchs wie ein Laufwerk zweistellig – und ähnelte Google verblüffend in der Unternehmensstruktur in Bezug auf die Mitarbeiterzahl und den Nettogewinn. 
Wall Street gefällt der Aktiensplit nicht
Der Rest ist bekannt: Wenige Monate später erreichte Microsoft ein Allzeithoch, das es bis heute nie wieder sehen sollte – die neue Konkurrenz in Gestalt von Google und Apple wurde verschlafen so wie Google nun ins Hintertreffen gegen Apple und Facebook zu geraten droht. 
Um sich zumindest in der Entscheidungsgewalt abzusichern, kündigte Google zur großen Überraschung vergangene Wochen einen Aktiensplit in verschiedene Anlageklasse an, der dem Führungstrio um Larry Page, Sergey Brin und Eric Schmidt uneingeschränkte Macht einräumt. 
"Diese paranoide neue Aktionärsstruktur macht Google weniger innovativ", wetterte Jackson. Die Wall Street teilte die Bedenken offenbar. Seit Verkündung des Aktiensplits am vergangenen Donnerstag hat die Google-Aktie sieben Prozent in zwei Handelstagen verloren. Anlegervertrauen sieht anders aus. 

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