„Man hat mich damals falsch behandelt“

Publishing Wenige Tage, bevor sein Buch "Das neue Testament" erscheint, hat Axel Sven Springer ein Gespräch mit dem Spiegel geführt. Über seinen Großvater Axel Caesar Springer, der am 2. Mai 100 Jahre alt geworden wäre. Über dessen Erbe, wegen dem der Enkel des Verlegers seit sieben Jahren vor Gerichten prozessiert hat. Und über Friede Springer, die letzte Frau Springers, und Mathias Döpfner, der seit zehn Jahren das Medienunternehmen leitet. Es gehe nicht um Geld, sondern um Gerechtigkeit, sagt Axel Sven Springer.

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Der Hintergrund in Kürze: Nach dem Tod des Verlegers Axel Springer im Herbst 1985 hatte der Testamentsvollstrecker Bernhard Servatius den damals 19-Jährigen Enkel einbestellt. Er hatte ihm eröffnet, vor seinem Tod habe der Großvater seinen letzten Willen geändert, zu Gunsten von Friede Springer, die nun 70 statt wie ursprünglich vorgesehen 50 Prozent der Verlagsanteile bekommen sollte. Für Axel Sven blieben nach dieser neuen Verteilung nur fünf statt 25 Prozent. Der Enkel akzeptierte, obwohl das neue Testament nicht von Springer unterschrieben worden war. "Ich bekam den Eindruck, mein Großvater sei so krank gewesen, dass er es nicht mehr geschafft hatte, dieses Testament zu unterschreiben", sagt der Enkel heute gegenüber dem Spiegel.

2003 dann ging Axel Sven zunächst gegen Bernhard Servatius vor, dem er noch heute vorwirft, "einige wichtige Details weggelassen" zu haben, als er dem Enkel die neue Situation darlegte. Die Ermittlungen gegen den Springer-Vertrauten wurden aber rasch eingestellt. Axel Sven klagte weiter, erlitt aber 2008 vor dem Oberlandesgericht Hamburg eine Niederlage. Der Enkel habe die Erbregelung unterschrieben und seine Zustimmung viele Jahre nicht revidiert. Darum sei das ursprünglich nicht gültige neue Testament schließlich gültig geworden.

Als treibende Kraft hinter den "Machenschaften", wie der Enkel die Geschehnisse nennt, hat er Servatius im Blick. Je mehr Friede Springer vom Unternehmen bekam, "desto mächtiger war auch Servatius als ihr wichtigster Berater. Ich glaube nicht, dass Friede die treibende Kraft war. Aber die hat hingenommen, dass mir Unrecht angetan worden ist." Und dieses Unrecht, das ihm angetan worden sei, nennt Axel Sven Springer als seine Motivation – für die Klagen, und für das Buch, das am 19. April bei Haffmans & Tolkemitt erscheint. Um das Geld gehe es ihm nicht. Denn wie viel Prozent er am Konzern besitze, wisse er gar nicht, und wie viel diese wert seien, ebenfalls nicht.

Das Interview mit dem Spiegel ist das erste Interview, das Axel Sven Springer überhaupt gegeben hat. Er wirke nicht verbittert, notiert das Nachrichtenmagazin über den Enkel. Neben einiger Kritik über den Konzern und seine handelnden Personen ("einige sonnen sich lieber im eigenen Glanz", "so fromm ist Friede auch wieder nicht") mag der gelernte Kaufmann und Journalist keine bösen Pfeile gen Springer abschießen. Denn: "Ich bin ein Springer." Auch auf die Bild-Zeitung, für die er als Polizeireporter gearbeitet hat, lässt der Erbe nichts kommen ("da wurde nicht gelogen").

Dennoch wird die Veröffentlichung und vor allem das Spiegel-Interview für Unruhe im Vorfeld der Feierlichkeiten am 2. Mai, an dem der Verleger 100 Jahre geworden wäre, sorgen. Auch, wenn die Angelegenheit juristisch erledigt zu sein scheint: der Vorwurf, einen Springer-Enkel um einen Teil seines Erbes gebracht zu haben, wiegt moralisch gesehen schwer. Den Säulenheiligen Axel C. Springer lässt der Enkel nahezu unangetastet, doch dessen Umfeld bekommt zumindest Kratzer ab. "Ich hoffe aber, dass sich in ruhigen Momenten auch Friede mal überlegen wird, dass das nicht so toll gelaufen ist", sagt Axel Sven Springer. Das ist ein eigentlich bescheidener Wunsch – um so mehr Gewicht verleiht diese fast milde Aussage der Kränkung, die der Enkel empfinden mag.

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