AFP schickt Franzosen an SID-Spitze

Publishing Überraschung in Köln: Neuer Chefredakteur des Sport-Informations-Dienstes (SID) wird der Franzose Yacine Le Forestier, 47. Der SID, der zur französischen Agentur AFP gehört, hatte gleich drei Führungskräfte - Geschäftsführer, Chefredakteur und Vertriebschef - an die Konkurrenz von dapd verloren. Und eigentlich hatte es geheißen, zunächst solle der Managementposten besetzt werden, erst dann die Chefredaktion. Immerhin: Le Forestier spreche "perfekt Deutsch", heißt es in einer Mitteilung.

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In Köln, dem Sitz des SID, soll die Personalie dem Vernehmen nach mit Verwunderung aufgenommen worden sein. Obwohl eine AFP-Tochter, versteht sich der SID doch als sehr eigenständige Agentur. Die Besetzung der Redaktionsspitze mit einem Franzosen, der zudem nicht aus dem Sportfach kommt, lädt darum zu Spekulationen ein. Le Forestier war zuletzt Bürochef von AFP in Brüssel, zwischen 2000 und 2005 hatte er den Wirtschaftsdienst der Agentur in Frankfurt und Berlin geleitet.

Der Posten des Chefredakteurs ist vakant, weil Timon Saatmann zu dapd wechselt. Zeitgleich hatten auch Geschäftsführer Michael Cremer und Vertriebschef Oliver Hamann ihren Wechsel zur Konkurrenz verkündet. Die deutsche Agentur betreibt seit dem vergangenen Jahr einen eigenen Sportdienst, der vor allem den SID als Sportagentur angreift.

Dies hat beim SID spürbar einen Nerv getroffen. Mitte März hatte sich AFP-Chef Emmanuel Hoog in einem Brief über die Berichterstattung des Branchenmagazins Journalist beschwert. In einem Artikel seien die Kräfteverhältnisse von dapd und SID falsch dargestellt worden. So würden beispielsweise von Seiten des SID mehr Journalisten zu Sport-Großereignissen geschickt als von dapd. 

In der Mitteilung aus Paris heißt es nun, die Personalentscheidung "bekräftigt das Vorhaben von AFP, diese deutsche Tochter auf einem der am stärksten umkämpften Märkte insbesondere mit Multimedia- und Videoangeboten langfristig auszubauen". Der SID sei "seit mehr als 50 Jahren die unbestrittene Nummer Eins der Sportberichterstattung in Deutschland". 

Diese Töne kommen vermutlich nicht von ungefähr. Das Signal an die Kunden könnte lauten, dass nach den für das Image bei den SID-Kunden schädlichen Abgängen nun die Eigentümer das Heft in die Hand nehmen. Zumal in diesem Jahr mit Fußball-EM und Olympischen Spielen wichtige Sportereignisse anstehen. Andererseits fragt sich, warum nicht zunächst ein neuer Geschäftsführer benannt worden ist. Und schließlich wird die Besetzung vermutlich bei den Redaktionsleitern Angela Bern und Ralph Durry Befremden ausgelöst haben. Sie müssen es nun sportlich nehmen.

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