Instagram & Co: die große Hype-Lotterie

Publishing Es war DIE Breaking News der Osterfeiertage: Facebook kauft für die Fabel-Summe von einer Mrd. Dollar die 12-Personen Klitsche Instagram, die null Dollar Umsatz macht. Wir stecken mitten in einer gewaltigen Hype-Lotterie. Den größten Gewinn machen dabei nicht jene Firmen, mit dem besten Geschäftsmodell, sondern jene, deren DNA am besten zu einem der großen, finanzstarken Spieler im Web passt. Und die einfach Glück haben. Dabei gibt es Gewinner, wie Instagram, aber auch Verlierer.

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Es mag nicht wenige traditionelle Medienmanager geben, die sich beim Namen Instagram verwundert die Augen gerieben haben: Insta…was!? Eine Milliarde, wofür!? Als nächstes kommt die Frage, man möge doch bitte mal das Geschäftsmodell des Shooting-Stars erläutern. Und da kommt man ein wenig ins Schleudern. Ja, also: Man kann da Fotos hochladen und Fotos von anderen angucken und so Filter drüberlegen, damit das alles altmodisch aussieht und kommentieren kann man auch… Da hat sich der Medienmanager schon abgewendet.

Das ist der Grund, warum nur eine Internetfirma wie Facebook bereit ist, derart viel Geld für eine Firma wie Instagram auf den Tisch zu legen. Der Hype gebiert den nächsten Hype. Während traditionelle Medienunternehmen nach Gewinnen fragen, nach Umsatz, nach Abozahlen, nach Geschäftsmodellen, zählt hier nur schnelles Wachstum. 30 Millionen Nutzer nach nicht einmal zwei Jahren, fünf Millionen Foto-Uploads täglich, über 72.000 Likes für ein (reichlich gekünsteltes) Justin-Bieber-Foto. Das gefällt Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Als Gründer und Chef einer Firma deren Existenzberechtigung von nicht wenigen klassischen Managern ebenfalls angezweifelt wird, stellt sich für ihn die Frage nach Erlösen nicht. Wachstum genießt als Selbstzweck höchste Priorität. Bei Facebook genauso wie bei Instagram.

Darum passt Instagram auch so gut zu Facebook. Bei solchen Social-Media-Startups geht es weniger darum, welches Geschäftsmodell dahintersteht und ob es einen ausgereiften Businessplan gibt. Es geht darum, welcher große Web-Spieler für wie viel Geld zugreifen könnte. Diese Hype-Lotterie kann für die Startups extrem lukrativ sein – siehe Instagram. Da können ein paar Anfang-Zwanziger in gut eineinhalb Jahren mal eben zu Multimillionären werden. Sie können aber auch verlieren.

Im Falle des ortsbasierten Social-Media-Startups Foursquare (man kann sich via Internet und Smartphones an echten Plätzen einloggen und dies der Community mitteilen), hat Facebook lieber einen eigenen ortsbasierten Dienst namens Places hochgezogen, statt die Brieftasche zu öffnen. Und erinnert sich noch jemand an 12seconds? Das Startup galt vor langer, langer Zeit (vor zwei Jahren) auch einmal als heißer Scheiß im Netz. Man konnte 12-sekündige Videoschnippsel online stellen und via Twitter teilen. Allerdings fand sich niemand, der 12seconds kaufen wollte und im Oktober 2010 wurde der Stecker gezogen.

Warum also wurde Instagram von Facebook gekauft und nicht etwa das thematisch verwandte Hipstamatic? Immerhin hat Hipstamatic mit dem Verkauf von virtuellen Kameras und Linsen wenigstens so etwas wie den Hauch einer Geschäftsidee. Instagram ist offener gestaltet, wirkt eher wie ein eigenes soziales Netzwerk. Hipstamatic wird dagegen als “virtuelle Kamera” App für Smartphones vermarktet. Das ist vergleichsweise altmodisch, geradezu beschränkt in der Logik der Link- und Like-Sammler. Und warum nicht gleich Pinterest? Auch da werden Fotos gemacht, gepostet und kommentiert. Und auch Pinterest weist sagenhafte Zuwachsraten und Nutzerzahlen auf. Das ist eben das Wesen der Lotterie: Man weiß nie vorher, wen es trifft.

Letztlich gibt es keine bestechende Logik hinter solch einer Wahnsinns-Akquisition wie Instagram. Ein Dutzend junger Typen mit einem coolen Web-Service und null Umsatz sind plötzlich eine Milliarde Dollar wert, weil die Finanzmärkte der Meinung sind, Facebook selbst sei 100 Milliarden wert. Genauso gut hätte Pinterest das große Los ziehen können. Oder vielleicht seinerzeit 12Seconds oder Foursquare. Aber die Macher von Pinterest, Foursquare und Hipstamatic müssen nicht verzagen. Es gibt ja noch Google+. Die nächste Ziehung in der großen Hype-Lotterie kommt bestimmt.

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