„Tatort“: zwei Teams, ein Fall, null Spannung

Fernsehen Die Idee ist toll: Sonntag und Montag sendet die ARD eine „Tatort“-Doppelfolge bei der das Team aus Köln die Kollegen in Leipzig besucht. Zum Start fahren die Rheinländer in die Sachsen-Metropole. Was in US-Serien wie CSI die absoluten Staffel-Höhepunkte sind, funktioniert hierzulande mehr schlecht als recht. Trotzdem: Die beiden Mix-Folgen sind hoffentlich der Beginn einer wunderbaren Tradition, denn in diesen Konzept steckt ein riesiges Potential: sowohl in Sachen Unterhaltung, wie auch bei der Spannung.

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Die Story des Auftaktfilms aus Leipzig ist denkbar simple: es geht um Straßenmädchen. Ein Thema, dass mit möglichst einfachen Mitteln und der möglichst geringsten Aufwendung von dramaturgischer Kreativität bearbeitet wird. So wird die 15-jährige Anna als vermisst gemeldet und zeitgleich ein gleichaltriges Mädchen tot aufgefunden. Das Leipziger Team um die Kommissare Saalfeld (Simone Thomalla) und Keppler (Martin Wuttke) fangen also an, sich bei den einschlägigen Hilfseinrichtungen umzuhören. Zeitgleich wird auch in Köln ein 15-Jähriges totes Mädchen entdeckt, dessen Spur in die Sachsen-Metropole führt – und fertig ist die Verbindung zu den Kollegen.
Also beschießen die Kölner Ballauf und Schenk unter fadenscheinigen Argumenten in den Osten zu fahren und selbst zu ermitteln. Und schon steht das Treffen der Ermittler-Duos. Das Setting dabei: Thomalla gibt die Mutter die Kompanie, Schenk ist völlig angetan von der zupackenden Kommissarin und Ballauf und Keppler geben die Alpha-Männchen, die sich kappeln und beharken, wo es nur geht.
Um es vorweg zu nehmen: In Leipzig finden die vier keine echte Chemie. Alle gemeinsamen Szenen sind steif und bewegen sich stets am Rande des Fremdschämens. Aber man soll sich nicht zu viel beschweren, denn in diesem Fall zählt die Idee und der gute Wille mehr, als die tatsächliche Ausführung. Alleine die Idee, einmal die Teams zusammen zubringen ist gut und möglicherweise der Beginn einer schrittweisen Ausweitung des „Tatort“-Formates.
Wenn die ARD-Programm-Planer nicht völlig verschlafen sind, arbeiten die TV-Macher längst an Konzepten, dass beispielsweise Charaktere, die sich am Rande des „Tatort“-Kosmos bewegen, wie Gerichtsmediziner oder Staatsanwälte, in eigenen Serien größer in Szene gesetzt werden. Genau diese Typen könnten den schwächelnden ARD-Vorabend und den „Heiter bis Tötlich“-Filmen aus der chronischen Quotenschwäche befreien.
„Wichtig war uns allen – Redaktion, Produzenten und Schauspielern – aber, dass die Geschichten nicht bei dieser Idee alleine stehen bleiben, sondern dass diese beiden Filme mehr sind als die Summe zweier ‚Tatort’-Krimis“, erklärt die MDR-Programmchefin  Jana Brandt.
An diesen Vorsatz gemessen, scheitert der erste Teil des Doppel-Experimentes. Der zweite Film am Montag, wird jedoch vieles wieder wett machen. Alleine deshalb loht es sich die 90 Minuten in „Kinderland“ zu investieren.

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