„NvD“ – Burdas Botschafter und Netzwerker

Publishing Zum Sommer wechselt der Kommunikationschef von Burda seinen Job und übernimmt die Journalistenschule des Medienhauses. Mit Nikolaus von der Decken verlässt einer der großen PR-Strategen und Netzwerker die Sprecherszene der Branche. "NvD" war mehr als ein Sprachrohr eines Hauses, er wuchs über die Jahre beim Münchner Konzern in die Rolle des Chefdiplomaten wie in die des Botschafters seines Verlegers, der zu den umtriebigsten Unternehmenschefs der Medienwelt gehört.

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Bereits 1999 heuerte der Hamburger in der Kommunikationsabteilung an. Die meisten Medienjournalisten erinnern dort keinen anderen Chefsprecher als Niko von der Decken, der – stets in Sichtweite von Hubert Burda – die Außendarstellung von Verlag wie Verleger auch in unruhigen Zeiten geschickt steuerte. Das gelang ihm vor allem deshalb, weil er stets einen kurzen Draht zu den Medienjournalisten hatte. Der 49-Jährige hatte früh verstanden, dass ein erfolgreicher Kommunikator selbst kommunikativ sein muss. Deshalb suchte er immer wieder den offenen Dialog mit den Journalisten auf direktem Weg – auch dann, wenn er mit dem Geschriebenem überhaupt nicht einverstanden war. Mit ihm konnte man, manchmal lautstark, streiten. Aber nie blieb davon etwas hängen, was den künftigen Kontakt hätte beschädigen können, und das war immer auch sein Verdienst.
In jedem Medienhaus werden Fehler gemacht, gibt es hier und da Unruhe oder gelegentlich Top-Führungskräfte, die einander nicht grün sind. Burda machte da keine Ausnahme, aber von all dem drang über die Jahre erstaunlich wenig nach draußen. Die große Rivalität zwischen den Vorständen Helmut Markwort und Jürgen Todenhöfer war selten Thema, unschöne Maßnahmen wie etwa der Personalabbau beim Focus gingen in der externen Wahrnehmung praktisch geräuschlos über die Bühne.
Stattdessen festigte Hubert Burda seinen Ruf als Vordenker und Erneuerer der Medienszene, wurde das Unternehmen über Jahre wie kein zweites als Innovationsmotor der digitalen Zukunft angesehen. Die jährliche DLD-Konferenz der Münchner ist inzwischen Treffpunkt der digitalen Weltelite. Und während ein kühler Rechner wie der amtierende Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen als ehemaliger McKinsey-Mann abseits der großen Medienmarken des Hauses neue digitale Geschäftswelten etablierte, blieb Hubert Burda (auch in seiner Rolle als VDZ-Präsident) stets ein Mann der Inhalte und Agendasetter der Branche. Den Konzern in all diesen Felden wohldosiert zu positionieren, ist keine leichte Übung, sondern ein PR-Spagat, der bei Burda unter Ober-Kommunikator von der Decken aber über Jahre geradezu glänzend gelungen ist.
Ein Nachfolger für den scheidenden Chefsprecher, der seinen Arbeitsschwerpunkt künftig in Offenburg haben wird, soll in den nächsten Wochen benannt werden. Der Stil, den "NvD" geprägt hat, wird wohl noch lange zu spüren sein.

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