Die Satansbräute vom Saarland

Publishing Nach dem Erfolg der Piratenpartei bei der Saarlandwahl ist die anfängliche Ignoranz der Medien umgeschlagen in elektrisiertes Interesse. Vor allem an der Saar-Vorsitzenden der Piratenpartei, der 23-jährigen Jasmin Maurer, arbeiten sich derzeit einige Medienschaffende ab. Bei Cicero Online meinte man “verhängnisvolle Spuren” der Saar-Piratin im Netz gefunden zu haben. Die FAZ beschuldigte Cicero daraufhin der schlampigen Recherche. Eine Medienposse in drei Akten.

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1. Cicero und die SatansBraut89

Es klingt furchtbar investigativ, was Cicero Online da unter der Überschrift “Saarlands Oberpiratin Jasmin Maurer – Verhängnisvolle Spuren im Netz” aufgeschrieben hat. Im Text begibt man sich auf “Spurensuche im Netz” und raunt bereits im Vorspann von “digitalen Altlasten”, die die junge Parteichefin womöglich “verschwinden lassen” wolle. Und was Cicero da alles ausgegraben hat: das schröckliche Counterstrike soll sie gespielt, Erotikromane gelesen, “düstere Lyrik” verfasst und über Hamster und Pferde debattiert haben. Ach du liebes bisschen! Bis vor wenigen Tagen, so hat Cicero Online weiter ermittelt, sei auf der Profilseite Jasmin Maurers im Online-Wiki der Piraten-Partei auch noch eine ICQ-Nummer zu lesen gewesen, die Rückschlüsse auf die Pseudonyme SanguisDraconis, Bloodchild und SatansBraut89 zugelassen habe. Aber diese ICQ-Nummer ist nun weg! Und eine Nutzerin, die sich SatansBraut89 nannte, hat in dem Online-Forum Spin.de früher mal krudes Zeug in mangelhafter Rechtschreibung über deutsche Soldaten im Auslandseinsatz geschrieben. Die Rechercheure von Cicero Online entdeckten auch das Profilfoto der Satansbraut von Spin.de (die dort auch als DarkAngel89 firmiert). Und sieht diese SatansBraut der Piratin von der Saar nicht irgendwie ähnlich?

All dies wird in dem Cicero-Online-Artikel fleißig zusammengeschüttelt und gerührt. Tatsachenbehauptungen freilich fehlen. Das Dementi von Frau Maurer steht im Text: “Auf Anfrage von Cicero Online bestreitet Maurer, diese Einträge verfasst zu haben. Sie sei auf dem Portal nie angemeldet gewesen.” Hier könnte die Geschichte schon zu Ende sein. Könnte …

2. Auftritt des edlen FAZ-Ritters

Auftritt Nils Minkmar. Zur Verteidigung der jungen Piraten eilt der verantwortliche Redakteur für das Feuilleton bei der Zeitung für sehr kluge Köpfe heran. Ein gebürtiger Saarländer und darum wohl prädestiniert für diesen Job. Auch Herr Minkmar hat die Google-Maschine angeworfen und herausgefunden, dass es zwei Satansbräute gibt, die das Web vom Saarland aus unsicher machen. Und die Doofköppe von Cicero Online, die seien eben auf die falsche Satansbraut reingefallen. Die mit den komischen Soldaten-Postings bei Spin.de sei nämlich eine gewisse “Jasmine” mit “e” hintendran gewesen. Und die nenne sich eben “SatansBraut89” mit großem “B” und kommt nach eigenen, total unbestätigten Web-Angaben aus Friedrichsthal, was Herr Minkmar irritierenderweise als “Friedrichstal” ohne “h” nach dem “t” schreibt. Jasmin Maurer, die von den Piraten, schreibe sich aber ohne “e” am Ende und habe früher mal die E-Mailadresse “satansbraut89” mit kleinem “b” benutzt, so Minkmar weiter. Seltsam, wir dachten immer Groß- und Kleinschreibung sei bei Mailadressen egal. Außerdem kommt sie aus Blieskastel, was knapp 30 Kilometer entfernt von Friedrichsthal mit “h” liegt. Das ist aber auch vertrackt mit der Netzrecherche.


3. Die SatansBraut schlägt zurück

Bei Cicero Online ist in der Zwischenzeit eine gewisse Aufregung ausgebrochen. Dass der Artikel so eine Welle macht, hätte man nicht gedacht. Noch dazu hat Jasmin Maurer Cicero Online eine Gegendarstellung geschickt, die mittlerweile aber schon wieder zurückgezogen wurde. In der Gegendarstellung schreibt Frau Maurer, genau wie Herr Minkmar, dass sie den Namen “Satansbraut89” mit kleinem “b” 2004 nur mal kurz in einem Forum und als E-Mail-Adresse (ebenfalls mit kleinem “b”) benutzt habe. Was meint die Piratin damit? Bei Mailadressen ist die Groß- und Kleinschreibung doch egal! Und warum schrieb sie sich als “Satansbraut” mit großem “S”?

Dann ist da noch dieses Foto, dass sie bei Cicero bei Spin.de aus dem Netz gefischt haben. Nix dolles. Ein Mädel mit kurzem Haarschnitt und Augenbrauenpiercing. Das sei sie nicht, schreibt Jasmin Maurer bei Twitter. Denn, so die knallharte Beweisführung: Sie habe ja lange Haare und kein Augenbrauenpiercing. Mag sein, könnten die Argwöhner bei Cicero antworten, aber Haare können wachsen … Sie habe mit der “Jasmine” von Spin.de (die “SatansBraut” mit großem “B”) mittlerweile auch Kontakt aufgenommen, so Frau Maurer bei Twitter: “Bin gespannt, wie lange Cicero dann noch darauf pocht, es handele sich um mich.”

Bei Cicero hat in der Zwischenzeit sogar eine Frau mit saarländischem Akzent angerufen und behauptet sie sei die bewusste “Jasmine”. Aber da wisse man ja auch nicht, ob das stimme, sagt Cicero-Online-Ressortleiter Christoph Seils. Er will jetzt erst mal abwarten: “Wir gehen weiter davon aus, dass das, was wir geschrieben haben, stimmt”, sagte Seils gegenüber MEEDIA. Diese SatansBraten!
Update: Andreas Bogk von der Bundespressestelle der Piratenpartei erklärte gegenüber MEEDIA: "Das Gegendarstellungsbegehren wurde nicht zurückgezogen, sondern cicero hat die gesetzte Frist zur Gegendarstellung verstreichen lassen.
Wir haben cicero angeboten, auf die Durchsetzung der Gegendarstellung zu verzichten, wenn auf redaktionellem Wege eine Klarstellung der Fakten erfolgt. Bislang haben wir noch keine Entscheidung darüber von cicero vorliegen, dementsprechend gibt es auch noch keine Entscheidung über unser weiteres Vorgehen.
Des weiteren einige Klarstellungen zum Artikel. Es ist zwar sachlich richtig, dass Mail-Adressen case insensitive sind. Es geht aber hier vornehmlich um die Schreibweise, die bei der Angabe in Profilen genutzt wird. Jasmin Maurer hat stets die Kapitalisierung "Satansbraut89" verwendet, entsprechende Profile stammen von ihr. Der Nick "SatansBraut89" wurde hingegen von Jasmine X. aus Friedrichsthal verwendet. Dass Jasmin den Nick "SatansBraut89" verwenden würde, ist auf jeden Fall eine Tatsachenbehauptung. Dadurch wird der Eindruck erweckt, der Text über die Zuneigung zu glatzköpfigen Uniformträgern sei von Jasmin. Abgesehen davon, daß das sachlich nicht richtig ist, daß der Text von ihr stammt, sind wir natürlich auch verärgert darüber, daß eine Zeitung sich erdreistet, im Sexleben der Vorsitzenden eines Landesverbandes und Abgeordneten zu wühlen. Wir haben mittlerweile Kontakt zu Jasmine, diese ist sehr erbost über die Aufmerksamkeit, die ihrem Profil zukommt, und hat ihre Bereitschaft erklärt, den Vorfall aufzuklären. Das wird dann wohl auf eine eidesstattliche Versicherung hinauslaufen."
Update 2: Mittlerweile hat die bewusste Jasmine aus Friedrichsthal eine eidestattliche Erklärung gegenüber Cicero Online abgegeben und Cicero Online hat sich für die Verwechslung entschuldigt. Siehe hier.

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