Vorwurf: Weser-Kurier täuschte Presserat

Publishing Ein starkes Stück – leider nicht ihn einem journalistisch sauberen Sinne. Der Weser-Kurier wurde im März vom Presserat wegen eines Verstoßes gegen die Schleichwerbe-Regeln gerügt. Das ist zwar nicht gut fürs Image, doch eine Rüge haben schon viele Zeitungen kassiert. Ungewöhnlich an dem Vorgang ist allerdings, dass die Bremer in ihrer Stellungnahme die Medienwächter "faustdick gelogen" haben sollen, wie die taz schreibt. Auf Anfrage von MEEDIA hat sich der Weser-Kurier zur Sache noch nicht erklärt.

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Am 16. März veröffentlichte der Presserat in Berlin alle Rügen der vergangenen Monate. Mit dabei ist auch der Weser-Kurier, der gegen das Trennungsgesetz von Redaktion und Werbung verstoßen haben soll. Unter der Zeile "Am Bürgerpark entsteht etwas Neues" hatte die Zeitung über den Bau von Eigentumswohnungen berichtet. Laut Presserat wurde das Projekt ausführlich und positiv beschrieben. Zudem kamen auch noch die Geschäftsführer der Baugesellschaft "lobend zu Wort". Am Text-Ende erfolgte zudem noch ein Hinweis auf den Vertriebspartner des Bauträgers inklusive aller relevanten Kontaktdaten.

"Der Presserat sah hier die Grenze zur Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 Pressekodex überschritten", hieß es dann in der Erklärung der Beschwerdekammer. "Ein öffentliches Interesse an einer Berichterstattung in dieser detailliert-positiven Form in Verbindung mit der Nennung des Vertriebspartners war nicht erkennbar. Mit dem Beitrag wurden die kommerziellen Interessen des Anbieters gefördert."

In der entsprechende Richtlinie der freiwilligen Selbstkontrolle der Verleger- und Journalisten-Verbände heißt es dazu unter Punkt 7.2: "Redaktionelle Veröffentlichungen, die auf Unternehmen, ihre Erzeugnisse, Leistungen oder Veranstaltungen hinweisen, dürfen nicht die Grenze zur Schleichwerbung überschreiten. Eine Überschreitung liegt insbesondere nahe, wenn die Veröffentlichung über ein begründetes öffentliches Interesse oder das Informationsinteresse der Leser hinausgeht oder von dritter Seite bezahlt bzw. durch geldwerte Vorteile belohnt wird."

Bevor der Presserat die Hanseaten rügte, hatte auch die angegriffene Redaktion noch einmal die Möglichkeit, sich vor dem Gremium zu äußern. Das taten auch die Bremer. Laut Protokoll des Presserates, dass der taz vorliegt, teilten sie mit, dass die Auswahl der vorgestellten Objekte durch von der Zeitung beauftragten Redakteure erfolge. Auch hätten Individualinteressen wirtschaftlich Beteiligter auf die Auswahl keinen Einfluss. Zudem werde die Seite als "Verlagssonderseite" gekennzeichnet. "Die Erwähnung von Ansprechpartnern für die jeweiligen Objekte sei ebenfalls von Interesse für die Leser. Dadurch müssten sie nicht mühsam recherchieren, sofern sie eine Kontaktaufnahme wünschten", heißt es in dem Protokoll.

Klingt kompliziert und ist laut taz "faustdick gelogen". Denn der Tageszeitung liegt stattdessen ein Angebotsschreiben eines Anzeigen-Verkäufers vor, laut dem ein "Objekt der Woche" in der Tageszeitung für 2.850 Euro zu haben sei.

Beim Presserat selbst ist man mehr als erstaunt vom Verhalten des Weser-Kuriers in dieser Sache. "Sollten die Recherchen der taz sich als zutreffend erwiesen, wäre das ein Fall, wie wir ihn noch nie erlebt haben", sagte die Sprecherin des Presserates, Ursula Ernst, gegenüber MEEDIA.

Gegenüber MEEDIA war der Weser-Kurier bislang noch nicht bereit, sich zu dem Fall zu äußern. Überhaupt lassen sich die Hanseaten Zeit. So haben sie die Rüge noch nicht abgedruckt. Auch das beanstandete Format "Objekt der Woche" erscheint bislang weiter.

Sollte sich die Chefredaktion des Weser-Kuriers weiter auf stur stellen, dann würde dem Presserat in letzter Konsequenz eine rechtliche Handhabe fehlen, die Zeitung dazu zu zwingen, die Rüge abzudrucken und die beanstandete Rubrik umzubauen. Damit würden die Bremer allerdings gegen die Regeln verstoßen, denen sie sich selbst unterworfen haben. Über den Verlegerverband BDZV gehört auch die WK-Mutter, die Bremer Tageszeitungen AG, zu den Trägern der freiwilligen Presse-Selbstkontrolle.

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