The Economist: Das Facebook-Phänomen

Publishing Printmedien und die Generation Facebook: Prallen da zwei Welten aufeinander? Das muss nicht sein, wie der Economist beweist: Vorgestern knackte das 169 Jahre alte britische Wochenmagazin die Millionen-Fan-Grenze bei Facebook. Damit hängt der Economist die renommierte US-Konkurrenz ab: Rupert Murdochs Wall Street Journal und selbst das Time Magazine schaffen es lediglich auf die Hälfte an Facebook-Fans. Bei Twitter folgen den Briten sogar schon fast zwei Millionen Nutzer.

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Ein Meilenstein von eher unerwarteter Seite: Nicht Rupert Murdochs hoch dekoriertes Wall Street Journal, die Businessweek oder gar ein populäres Wochenmagazin wie Time oder Newsweek haben die Millionen-Fan-Grenze bei Facebook geknackt, sondern der britische Economist!

Eine Million Fans im weltgrößen Social Network sind eine Hausnummer – zumal für ein 1843 aus dem Manchesterliberalismus hervorgegangenes Wirtschaftsmagazin. Doch das Alter täuscht: Der Economist ist alles andere als ein angestaubtes  Relikt der Business-Elite. Tatsächlich erreicht der freitags erscheinende Economist 1,4 Millionen Leser in 200 Ländern der Erde – ein globales Magazin für eine immer vernetztere Welt.

"Facebook setzt den sozialen Wert unserer Inhalte frei"

"Unserer Meinung nach war The Economist immer schon eine soziale Marke bzw. so etwas wie eine soziale Währung, lange bevor Social Media existierte", reflektiert Digitalchef Nick Blunden gegenüber den britischen Branchenportal Folio über den globalen Erfolg.

"Die Leute sind immer schon gerne mit einer Ausgabe von The Economist unter dem Arm durch die Gegend  gelaufen, um zu signalisieren, dass sie ein Interesse an der Welt haben. Im Social Media-Zeitalter passiert das über Facebook und Twitter. Facebook hat uns so die Möglichkeit gegeben, den sozialen Wert unserer Inhalte freizusetzen", findet Blunden.   
Erfolgsgeheimnis Infografiken

Entsprechend offensiv bedienen die Briten den beliebtesten aller Social Media-Kanäle mit Postings, die auf Artikel der Online-Ausgabe verweisen. Fairerweise muss man einräumen, dass sich der Economist darin wenig von anderen Medien-Unternehmen auf Facebook unterscheidet.

Besonders gut angenommen werden Infografiken. "Wir haben herausgefunden, dass Charts oder Infografiken, die wir täglich erstellen, auf Facebook besonders beliebt sind", erklärt Blunden. "Facebook ist ein visuelles Medium, darauf setzen wir mit unseren schnell zu konsumierenden Grafiken."

Ein eigenes Social Media-Team bestückt die Facebook-Seite, aber auch den Twitter-Kanal, der es unterdessen sogar schon auf 1,7 Millionen Follower bringt,  fast stündlich mit neuen Inhalten. "Der Meilenstein der Marke von einer Million Fans unterstreicht, wie ein Medien-Unternehmen mit Hilfe von Social Media ein neues  Publikum gewinnen kann", kommentierte ein Sprecher des Wochenmagazins den Facebook-Erfolg.

Fanaktion und Timeline-Start zum einmillionsten Fan

Zur Feier über den einmillionsten Fan launchte der Economist diese Woche seine Timeline (Chronik), in der Nutzer nunmehr selbst in der 169-jährigen Geschichte des Traditionsmagazins stöbern können – von der Original-Gründungstitelseite über den Artikel zur Erschießung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand  in Sarajevo 1914, der im Ersten Weltkrieg mündete, bis zu einem nun prophetischen Leitartikel zu den Risiken der Euro-Einführungen. Zuvor hatten die Briten ihre Fans dazu aufgerufen, ein Leser-Foto mit einer Ausgabe hochzuladen, was wiederum im Hintergrund-Bild zur neuen Timeline einfloss.

Der Vollständigkeit halber sei allerdings erwähnt, dass dem britischen Wirtschaftsmagazin der Millionen-Facebook-Coup nicht als erstem Medium gelungen ist: Die New York Times kann sich bereits über 2,1 Millionen Facebook-Fans freuen. Und der National Geographic führt alle Print-Medien bei Facebook mit absolut bemerkenswerten 9,98 Millionen Fans an – mehr als Mariah Carey, Madonna oder die Rolling Stones aufweisen können!   

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