51 Hacker antworten 51 „Tatort“-Autoren

Publishing Jetzt haben die Drehbuch-Autoren die Debatte, die sie haben wollten. Am Donnerstagmittag hatten 51 "Tatort"-Autoren einen Offenen Brief zum Thema Urheberrecht geschrieben. Gegen Abend folgte postwendend nun die Antwort des Chaos Computer Clubs. "Das von Euch als gottgegeben hingestellte sogenannte 'geistige Eigentum' ist bei näherem Hinsehen eine Chimäre jüngeren Datums, gerne als unsachlicher Kampfbegriff angeführt, um gewisse grundsätzliche Diskussionen zu vermeiden."

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Bereits die Anrede dürfte die Hacker gereizt haben. Denn der Brief der TV-Kreativen beginnt mit "Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!". Gleich darauf ruft das Schreiben die Adressaten dazu auf, sich "von ein paar Lebenslügen" in Sachen Abmahnungen, Netzsperren und Vorratsdatenspeicherung "zu verabschieden". Die Autoren ärgern sich, welch "hohen Ton" der ganze Diskurs "anschlägt und damit die Banalität von Rechtsverstößen kaschiert oder gar zum Freiheitsakt hochjazzt."

Allerdings schimmert in dem Offenen Brief immer wieder die Hoffnung auf eine ernsthafte Debatte und einen möglichen Kompromiss durch. Dem erteilen die 51 Hacker aber gleich eine klare Absage. Denn für die CCC-Mitglieder stehen sich in der Diskussion "prädigitale Ignoranten mit Rechteverwertungsfetisch auf der einen Seite und wir auf der anderen, die wir deren Verträge aufgezwungen bekommen".

Für die Hacker sind beide Seiten "Opfer des Verwertungssystems". In dem CCC-Brief heißt es: "Ihr schuftet Euch seit Jahren für die Verwertungsindustrie ab und habt so viele Eurer Rechte weggegeben, dass weder Ihr noch Eure Nachfahren von der verlängerten Urheberrechtsschutzfrist etwas haben. Das ist bloß ein Verhandlungsmittel, mit dem Ihr zu reduzieren hofft, wie doll Euch die Verwertungsindustrie abzockt. Wir kämpfen eigentlich auf derselben Seite, aber Ihr merkt es nicht einmal."

Mit einer gehörigen Portion Häme vergleichen die Hacker, von denen ein großer Teil ihr Geld mit dem Entwerfen von Software verdient, die wirtschaftliche Entwicklung der Code-Schreiber mit denen der Drehbuch-Schreiber. "Software im kommerziellen Bereicht entsteht im Allgemeinen als Werksvertrag oder unter Anstellung, und sämtliche Verwertungsrechte gehen an die Auftraggeber", heißt in der CCC-Antwort. "Kommt Euch das bekannt vor? Nur dass bei uns niemand unsere Rechte zu vertreten versucht. Und wisst Ihr, welcher kreative Bereich stärker wächst und mehr Umsatz macht, Eurer oder unserer? Überraschung: Es stellt sich heraus, dass man auch ohne Verwertungsindustrie überleben kann."

In ihrem Offenen Brief fordern die Drehbuch-Autoren die "Grünen, Piraten, Netzpolitiker aller Parteien" auf, erst einmal mit ihren Kulturpolitikern zu sprechen, wenn sie es wirklich ernst meinen würden. "Die können Ihnen den Zusammenhang von Kunst/Kultur und materieller Absicherung sicher erläutern, Ihnen klar machen, dass die nachhaltige Produktion qualitativ hochwertiger Kunst und Kultur nicht amateurhaft, also wie Wikipedia, organisiert werden kann." Der Verband Deutscher Drehbuchautoren glaubt, dass man das Urhebervertragsrecht nur dann verbessern könne, wenn die Verhandlungspositionen der Urheber gegenüber den Verwertern gestärkt werden würde.

Anstatt sich an den Konsumenten gütlich zu tun, sollten die "Tatort"-Autoren lieber ihre Anstrengungen darauf konzentrieren, für ihre Werke direkt vom Auftraggeber ordentlich entlohnt zu werden. "Was Ihr braucht, ist eine den Namen verdienende, starke Gewerkschaft, kein Monster aus Verwertungsgesellschaften, die dann Youtube langjährig verklagen, weil sie kostenlos Werbung für Euch machen und Euch damit zukünftige Aufträge verschaffen."

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