Kerngeschäft – das Lieblingswort bei Gruner

Publishing Gruner + Jahr Vorstandschef Bernd Buchholz sang bei der Präsentation der Bilanz 2011 das hohe Lied aufs Kerngeschäft. Im vergangenen Jahr konnte G+J Deutschland mit seinen Medienmarken operativ ein Rekordergebnis hinlegen. Blickt man über den heimischen Tellerrand hinaus, sieht es schwieriger aus. Teures Papier, teils schwierige Auslandsmärkte und Investitionen sorgten dafür, dass der operative Gewinn von 260 auf 233 Millionen Euro gesunken ist. Unterm Strich blieb das Ergebnis stabil.

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Im Ausland gab es neben viel Licht auch Schatten: In China, Holland und Südamerika glänzten die Units mit Rekorden. Demgegenüber schwächelte vor allem der spanische Markt aufgrund der makroökonomischen Einflüsse (u.a. rund 22 Prozent Arbeitslosigkeit) mit einem deutlich rückläufigen Ergebnis. Auch das Österreich-Geschäft meldete einen Umsatz- und Ergebnisrückgang. Das wichtige Frankreichgeschäft zeigte sich laut G+J-Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein stabil, China sei auf gutem Wachstumskurs und das Indien-Engagement ist wohl noch zu frisch, um um signifikante Ergebnisbeiträge zu liefern. Besonders stolz ist man bei Gruner auf die sehr gute Performance der niederländischen Bastion, die mit dem Frauenmagazin Vogue die erfolgreichste Neueinführung der Firmengeschichte schaffte.
Deutlich steigende Papierpreise und die lahmende Druckindustrie machten Gruner + Jahr vor allem in den USA zu schaffen. Auf die Beteiligung bei der US-Druckerei Brown Printing mussten 22 Mio. Euro abgeschrieben werden. Seine Anteile (37,45 Prozent) an dem Druck-Joint-Venture Prinovis hat Gruner mittlerweile an die Bertelsmann-Dienstleistungssparte Arvato verkauft.

Fröhlicher läuft das Geschäft mit Magazinen und Digital-Angeboten. Nicht umsonst ist “Kerngeschäft” wohl die Lieblingsvokabel Nummer eins der G+J Führungsriege. Weltweit seien über 20 neue Magazintitel und Erweiterungen gestartet worden. Besonders erfreulich entwickelten sich laut Vorstandschef Buchholz Gala, Brigitte Woman, View und Schöner Wohnen. Buchholz ließ keinen Zweifel daran, dass G+J auch künftig in erster Linie ein Zeitschriftenhaus sein wird: “Die Diskussion um und der Blick in die digitale Zukunft ist richtig und ohne Alternative. Wir dürfen dabei allerdings nicht vergessen, dass unser Printgeschäft die Basis unseres Erfolgs und unserer hohen Profitabilität ist und auf absehbare Zeit auch bleiben wird.”

Die Nummer eins bei G+J nutzte die Bilanz-Präsentation auch für eine kleine Abrechnung mit dem Digital-Hype. Es seit 2011 “relativ still geworden” um die “Applemania”. Die meisten würden zwar fleißig an neuen digitalen Produkten arbeiten, aber die “Bugwelle scheinbarer Erfolgsmeldungen, fantastischer Downloadzahlen und imposanter Innovationen” sei doch deutlich abgeflacht. (Was Bernd Buchholz freilich nicht daran hinderte, selbst allerlei Erfolgsmeldungen und fantastische Zahlen zu dem hauseigenen Vorzeige-Angebot Chefkoch.de mitzuteilen.)

Bei digitalem Content-Publishing würde man insgesamt aber “von sehr kleinen Umsätzen” sprechen. Und dann gab es noch einen kleinen Seitenhieb auf die Konkurrenz aus München (Burda), die gerade auch mit guten Zahlen geglänzt hatte: “Wir wollen mit digitalen Inhalten, digitaler Vermarktung und digitalem Vertrieb langfristig und substanziell Geld verdienen, nicht mit irgendwelchen uns artfremden, zugekauften Digitalaktivitäten. Und in diesem digitalen Inhaltegeschäft müssen wir uns vor niemanden verstecken. Hier haben wir mehr erreicht, als viele andere.” Burda hatte gerade eine Bilanz vorgelegt, bei der große Teile des Umsatzes mit E-Commerce-Geschäften wie Holidaycheck.de oder dem Haustier-Zubehör-Händler Zooplus.de gemacht wurden.

2011 erreichte Gruner + Jahr 2,29 Mrd. Euro Umsatz (Vorjahr: 2,26 Milliarden). Der operative Gewinn sank aus den genannten Gründen von 260 auf 233 Millionen Euro. Die Umsatzrendite ging leicht zurück von 11,5 Prozent auf 10,2 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter stieg leicht: von 11.637 im Dezember 2010 auf 11.822 im Dezember 2011. Unterm Strich blieb 2011 mit einem Konzernergebnis von 160 Millionen Euro genauso viel in der Kasse wie im Vorjahr.

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