„Gucken wir bald nur noch Markus Lanz?“

Publishing In einem Punkt sind sich alle Kommentatoren einig: Mit dem Ende der „Harald Schmidt Show“ hat Sat.1 nicht nur eine Sendung, sondern das gesamt Late-Night-Format beerdigt. Ob SZ, Spiegel Online oder Welt: Alle trauern Schmidt schon jetzt hinterher, sparen aber auch nicht mit Kritik. So sagt der Ex-Sat.1-Chef Roger Schawinski über Schmidt: „Er sagte ja, er mache Late Night bis an sein Lebensende. Dumm gelaufen. Ich wüsste nicht, wo der noch hin kann – oder wer ihm noch eine Sendung gibt.“

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Hans Hoff, Süddeutsche Zeitung
"Es gibt Menschen, die sagen, Schmidt sei in seinen jüngsten Sat-1-Sendungen inhaltlich häufiger richtig gut gewesen. Er habe immer wieder mal, auch im Zusammenspiel mit wechselnden Sidekicks, so etwas wie Feuer und Begeisterung gezeigt. Es gibt mindestens ebenso viele Menschen, die genau das Gegenteil behaupten. Die Zeiten, in denen es möglich war, sich auf Schmidt als kleinsten gemeinsamen Nenner eines deutschen Humors zu einigen, sind auf jeden Fall vorbei. Schmidt ist die Generation abhanden gekommen, die es gewohnt war, seine Gags wie Bibelsprüche zu empfangen."

Roger Schawinski im Interview mit dem Tagesanzeiger
"Gottschalk und Schmidt haben beide eine geniale Seite, aber sie überschätzen sich und gehen deshalb Risiken ein, die man nicht eingehen darf – schon gar nicht in Deutschland, wo das Erfolgsrezept Durchschnittlichkeit heisst, was ja Angela Merkel oder Günther Jauch so schön vorexerzieren. Was andere Moderatoren angeht: Paradoxerweise gibts ausgerechnet beim Rentnersender ZDF Konkurrenz; die «heute-show» mit Oliver Welke, die ist sehr politisch, sehr rüde, aber perfekt gemacht – und die Quote steigt.“

Michael Hanfeld, FAZ
Dabei haben wir den Spötter vom Dienst als Stimme der Vernunft nötiger denn je, allein als Gegenpol zur Kakophonie der vor allem im Ersten nicht endenden Talkrunden, die längst ihr eigenes Paralleluniversum bilden. Wer dringt in diese Galaxien – im Fernsehen – nun vor?“ Weiter schreibt er: „Und auch im Studio war zu erkennen, dass Harald Schmidts Reife einen gewissen, auch historischen Bildungsgrad voraussetzt, der sich, um es vorsichtig zu sagen, mit dem Erfahrungskanon der Jüngeren aus der Generation Internet immer weniger deckt.“

Katharina Miklis, FTD
Und trotzdem: Sat.1 verliert mit Schmidt nicht nur eine Marke, sondern auch das letzte bisschen Profil. Wenn im kommenden Sommer nun auch noch die Champions League zum ZDF überwandert, dürfte das einstige Aufbäumen des Bällchensenders endgültig in absolute Bedeutungslosigkeit verpuffen. "Die Wanderhure" mag alle paar Jahre mit Rekordquoten begeistern, den qualitativen Verlust der selbst ernannten "Medien-Nutte" Schmidt wird sie nie auffangen können.
Iris Alanyali, Welt
„Jetzt fehlt nur noch, dass ‚die Medien’ beschimpft werden, die ‚in Deutschland‘ ihre Stars ‚immer erst hochschreiben‘, um sie dann ‚wieder fertigzumachen‘, da herrsche ‚in Amerika‘ doch ‚eine ganz andere Mentalität‘, da liebe man seine Stehaufmännchen.“ Weiter schreibt sie: „Aber das tun wir auch. Die Frage lautet ja nicht: Warum musste Schmidt aufhören? Oder: Wann wirft Gottschalk das Handtuch?“ Sondern: „Bei welchem Sender hatte Schmidt eigentlich noch kein Comeback? Wann bekommt Gottschalk eine eigene Sendung auf Bibel TV? Könnte er nicht, bitte, bitte, wieder ‚Wetten, dass..?‘ übernehmen, damit wir nicht von Herbst an Markus Lanz hoch- und runterschreiben müssen?“
Stefan Kuzmany, Spiegel Online
"Längst hat er jedes Tabu gebrochen, hat alles gemacht, was im deutschen Fernsehen zu machen war, und wir haben alles gesehen. Es gibt keine Fragen mehr."

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