Old-School Kabarett: Altes aus der Anstalt

Fernsehen Am Dienstag ging die 50. Ausgabe der Kabarett-Sendung “Neues aus der Anstalt” im ZDF über den Sender. Die klassische Kabarett-Show mit dem fränkischen Kabarettisten Urban Priol ist aus Quotensicht ein schöner Erfolg für den Sender. Im Gesamtpublikum liegt die Sendung meist zwischen 14 und 15% Marktanteil. Hinter ihrem lautstark vorgetragenen Weltverbesserer-Habitus der „Anstalt“ verbirgt sich allerdings erschreckend unlustiges Old-School Kampf-Kabarett.

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Anstalts-Leiter Urban Priol und viele seiner Gäste scheinen der Auffassung zu sein, dass ihre oft eher stumpfen Pointen (“Der Gauck im Wulffpelz”) lustiger werden, je lauter sie sie vortragen. Oft artet die Sendung dann in wüstes Geschreie aus. So auch bei der Jubiläums-Show am vergangenen Dienstag. Da rief Uwe Steimle in seiner Paraderolle als Jammer-Ossi Sätze wie: “Wenn man Kulturräume schließt, muss man sich nicht wundern, wenn dem rechtsradikalen Terror Tür und Tor geöffnet werden.” Das mag inhaltlich richtig und wichtig sein. Ebenso richtig und wichtig ist es, dass mehr für die armen Leute getan werden sollte, dass weniger Fleisch zu essen gut für die Umwelt und der Klimawandel eine blöde Sache ist. Leider werden diese gut gemeinten Anliegen bei “Neues aus der Anstalt” bestürzend unwitzig und allzu bierernst, dafür umso lauter vorgetragen.

Es beschleicht einen der Verdacht, dass das Publikum an der einen oder anderen Stelle eher aus Gründen der Political Correctness lacht und weniger, weil man das Geschrei sonderlich komisch findet. Anstalts-Leiter Urban Priol pflegt mit seinen lustig abstehenden Haaren und den bunten Hemden immerhin eine konsequentes Markenpflege. Ebenso wie sein Kompagnon Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig. Der hat statt wirrer Haare halt einen kleinen Hut auf. Das signalisiert der Zielgruppe: Diese zwei müssen ja irre “lustig” sein.

Die ulkigen Verkleidungen sind aber auch der einzige Unterschied zum Gesinnungs-Kabarett im Stile vom „Scheibenwischer“, das in den 80er Jahren seine Hoch-Zeit erlebte. “Neues aus der Anstalt” ist klassisches Kabarett „wie früher“. Da geht die korrekte, im Zweifel linke, Weltanschauung vor der gelungenen Pointe. Da werden nacheinander auswendig gelernte Monologe ins Publikum gebrüllt. Wahrscheinlich um die emotionale Involviertheit zu unterstreichen. Da lacht der Studienrat gepflegt in seinen gestutzten Vollbart und Mutti wackelt zustimmend mit dem Kopf, wenn Herr Priol mal wieder Tiraden gegen „die da oben“ abfeuert. Ja, die Welt ist hart und ungerecht. Aber muss man das denn so verkrampft aus der „Kleine-Mann-auf-der-Straße“-Perspektive rüberbringen? In den besten Momenten der Sendung wird konsequenterweise ganz auf bemühte Lustigkeit verzichtet und man pflegt den gediegenen Weltschmerz pur. In der Ausgabe vom Dienstag war dieser Punkt erreicht, als Hagen Rether am Flügel sein Stück über eine Öko-Diktatur erfreulich leise vortrug. Das war zwar auch nicht lustig aber wenigstens nicht so platt wie die meisten Merkel- und Wulff-Witze von Urban Priol.

Für “Neues aus der Anstalt” gilt der alte Spruch: “Gut gemeint, ist meistens schlecht gemacht.” Wie politischer Witz modern und tatsächlich lustig präsentiert werden kann, das zeigt im selben Sender Freitag abends die “heute show”.
Hier gibt es die 50. Ausgabe von "Neues aus der Anstalt" in der ZDF-Mediathek.

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