„Quote trauriger Beleg unserer Unfairness“

Publishing Die Initiative Pro Quote, die sich für einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent in den Redaktionen der Medienhäuser einsetzt, hat neue Unterstützer gefunden - von männlicher Seite. Unter den Befürwortern einer Quotenregelung sind auch Medienpromis wie Ranga Yogeshwar, Jörg Schönenborn, Michael Jürgs oder Sascha Lobo. Auf einer am Dienstag online geschalteten Website sprechen sich insgesamt 32 Journalisten und Medienmacher zum Teil per Videobotschaft für eine Frauenquote aus.

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Bereits Ende Februar war die Initiative an die Öffentlichkeit gegangen. Hintergrund der Aktion: Bei den 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen sind nur 2 Prozent der Chefredakteure Frauen, und auch bei den Spitzenpositionen der Magazine sieht es nicht so aus, dass der von vielen Häusern oft kommunizierte Vorsatz, der Gleichberechtigung in den Chefetagen näher zu kommen, in der Realität in absehbarer Zeit erreicht wird.

Deshalb hat die Aktion "Pro Quote" quasi ein Ultimatum gesetzt: in 5 Jahren sollen 30 % der Topjobs mit Frauen besetzt sein. Hunderte von Journalistinnen unterzeichneten inzwischen den Aufruf.


32 Statements, davon 13 im Video – zum Abspielen aufs Bild klicken.
MEEDIA dokumentiert nun auszugsweise Stimmen der männlichen Unterstützer:
Manfred Ertel, Der Spiegel: "Führungsgruppen rekrutieren sich nach dem Prinzip der Gleichartigkeit. Das Ergebnis sehen wir: Männer rekrutieren Männer. Es kann doch aber schon nach reiner Logik keine Bestenauslese sein, wenn die Hälfte des Potenzials nach dem Qualifikationsmerkmal ‚Geschlecht‘ ausgeschlossen ist."
 
Peter Praschl, Autor: "Männer brauchen eine Frauenquote dringender als Frauen. Sonst lernen sie es ja doch nicht."

Wolfgang Höbel, Der Spiegel:
"Frauen an die Spitze heißt: nicht immer noch eine stellvertretende Stellvertreterin, noch eine halbmächtige Ressortleiterin. Ich wünsche mir eine Chefredakteurin. Sofort. Diese Revolution fängt von oben an."
 
Frank Ochmann, stern:
"Wo Männer allein entscheiden und dabei ungehindert ihre Machtspielchen ausfechten können, wird es einseitig, kurzsichtig und riskant — für alle. Wer aber machtvolle Privilegien erst einmal schätzen gelernt hat, gibt sie freiwillig nicht her. Darum müssen die Verhältnisse, müssen die Regeln im Interesse aller geändert werden."

Sascha Lobo, Autor und Blogger:
"Die Gesamtzahl der weiblichen Vorstandsvorsitzenden unter den 30 DAX-Konzernen beträgt null. Das macht umgerechnet null Prozent. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, um den Sinn einer Quote in Deutschland zu erkennen. Für die Medienlandschaft gilt das ebenso."
 
Jörg Schönenborn, Chefredakteur Fernsehen, WDR:
"Der Presseclub beweist jeden Sonntagmittag, wie viele kluge und profilierte Redakteurinnen es in Deutschland gibt — nur leider noch nicht auf der Führungsebene. Das muss sich ändern und kann sich ändern. Und nach 23 Jahren Frauenförderplan im WDR ist meine Erfahrung: Von selbst passiert das nicht."
 
Thomas Kerstan, Die Zeit, Ressortleiter:
"Frauen schreiben nicht besser, und Frauen führen nicht besser. Aber: Gleiches Recht für alle! Um das durchzusetzen, ist die Quote ein simples und wirksames Mittel."
Matthias Lohre, tageszeitung: "Die heutigen Job-Hierarchien sind nicht männlich. Sie sind schlecht. Sie hemmen die Entfaltung vieler begabter, vielseitig interessierter Frauen und Männer. Eine Frauenquote kann helfen, diese Strukturen zu ändern — mit Gewinn für beide Geschlechter."
 
Alan Posener, Welt, Korrespondent für Politik und Gesellschaft: "Ich kann es nicht besser sagen als meine Heldin Margaret Thatcher: ,If you want something said, ask a man. If you want something done, ask a woman.‘ Da wir in den Medien vor beispiellosen Herausforderungen stehen, brauchen wir sehr schnell mehr Leute, die etwas tun. Also mehr Frauen."

Ulli Tückmantel, Rheinische Post, Ressortleiter Report:
"Da es keinen einzigen sachlichen Grund für den faktischen Ausschluss von Frauen von den Führungsetagen gibt, ist mir heute klar, dass meine achtjährige Tochter ohne Quote auch noch in 20 Jahren vor die gleiche gläserne Decke der stillschweigenden Diskriminierung stoßen wird wie die Kolleginnen heute."

Ranga Yogeshwar, TV-Moderator: "Die Frauenquote ist ein trauriger Beleg unserer Unfairness. In einer aufgeklärten Gesellschaft sollte unser Handeln sie längst überflüssig gemacht machen!"

Sebastian Dörfler, Evangelische Journalistenschule: "Klar geht es auch ohne die Quote. Treffen wir uns in 20 Jahren wieder, hat sich die Anzahl der Chefredakteurinnen bestimmt schon von zwei auf vier Prozent verdoppelt!"
 
Michael Jürgs, Autor: "bekanntlich steht die gleichberechtigung von frau und mann in der verfassung. bekanntlich geht es also immer noch um die andere hälfte des himmels. deshalb ist die forderung einer 30-prozent-quote verfehlt. deshalb bin ich für eine quote  auf augenhöhe. deshalb 50 prozent für frauen und 50 prozent für männer, dann würden in zukunft nur noch die besten berufen und nicht immer nur die erstbesten."
Andreas Wolfers, Leiter Henri-Nannen-Schule: "Ich halte eine Frauenquote für den aussichtsreichsten Weg, in überschaubarer Zeit eine Frauenquote überflüssig zu machen. Außerdem werden die Konferenzen kürzer."
Wolfgang Michal, Autor: "Ich bin für die Quote, damit die Männer mehr Zeit zum Nachdenken haben."

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