Die Medien-Ignoranz gegenüber den Piraten

Fernsehen Der Erfolg der Piraten-Partei mit 7,4% bei der Landtagswahl im Saarland war am Sonntag eine politische Sensationsnachricht. Bei der Wahlberichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender konnte man zeitweise aber den Eindruck gewinnen, die neue politische Kraft in Orange würde gar nicht existieren. In der Elefanten-Runde der ARD diskutierten die etablierten Vertreter der Bundestags-Parteien. Bei “Günther Jauch” wurde in gediegener Langeweile über Stress im Job getalkt.

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Dass die FDP bei der Saarland-Wahl massiv vom Wähler abgestraft werden würde, war abzusehen. Ebenso wenig konnte überraschen, dass der Piraten-Partei zum zweiten mal nach Berlin der Einzug in ein Landesparlament gelingen würde. Einzig die Deutlichkeit der beiden gegenläufigen Trends war bemerkenswert. Der dramatische Niedergang der FDP und der kometenhafte Aufstieg der Piraten-Partei sind offenbar zwei Seiten derselben Medaille. Ein dauerhafter politischer Trend zeigt sich da.

Die Elefanten-Runde der ARD, in der Vertreter der Bundestags-Parteien den Wahlausgang diskutieren, pflegte gediegenes Business as usual. Mit Patrick Döring saß da ein Vertreter der 1,2%-Partei FDP und blies die Backen auf. Was dringend fehlte war dagegen ein Vertreter des politischen Shooting-Stars Piraten-Partei. Doch das ist in den Statuten des öffentlich-rechtlichen TVs nicht vorgesehen, da bei der Elefanten-Runde nur Bundestags-Parteien diskutieren dürfen. Selten wirkte dieses Ritual so hohl wie an diesem Wahlsonntag.

Nach dem “Tatort” sendete dann „Günther Jauch“ zum Larifari-Thema “Stress im Beruf” auf Einschlaf-Niveau tausendfach gehörte Thesen u.a. von Arbeitsministern Ursula von der Leyen (Power-Mutter und Ministerin) und BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (Schlaganfall). Lustigerweise hatte Jauch auch den schleswig-holsteinischen FDP-Politiker Wolfgang Kubicki zu Gast, der sich freuen durfte, dass der Untergang seiner Partei in dieser Runde nur am äußersten Rand mal ganz kurz gestreift wurde.

Es gehört schon eine gewisse redaktionelle Chuzpe dazu, an einem solchen Wahlabend eine angeblich politische Talkshow mit dem Thema “Gestresst – Arbeiten bis zum Umfallen” zu bestreiten. Allerdings sind die die großen TV-Sender im Ignorieren oder Bagatellisieren des Piraten-Trends nicht alleine. Zwar gibt es hier und da Berichte über die Piraten, in denen werden diese im Regelfall aber als lustige Internet-Chaotentruppe charakterisiert. Eine Art politische Treppenwitz. Eine eigene Titelgeschichte war die neue Partei weder Stern noch Spiegel wert.

Dem Erfolg der Piratenpartei hat diese mediale Ignoranz bislang freilich wenig geschadet. Vielleicht hat sie sogar eher genützt.
PS: Immerhin der Focus hat in seiner aktuellen Ausgabe den "Angriff der Piraten" auf die Titelseite gehoben. Wenigstens die Münchner haben den absehbaren Einzug der Piraten in den saarländischen Landtag zum großen Thema gemacht.

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