Auch die Telekom schafft Presserabatt ab

Publishing Die schlechten Nachrichte für die Freunde des Presserabattes reißen nicht ab: Nach der Bahn und Air Berlin, schafft jetzt offenbar auch die Telekom die Vergünstigungen für Journalisten ab. Das berichtet der Spiegel. So sollen die Rabatte in kürze auslaufen. Heißt: Neue Mobilfunkverträge werden nicht mehr angeboten und die bestehenden können nach ihren Auslaufen nicht mehr verlängert werden. Der Telekom fällt dieser Schritt deshalb leicht, weil es längst für alle Online-Bucher einen ähnlichen Rabatt gibt.

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Denn wer heute einen Vertrag Online abschließt zahlt zehn Prozent weniger. Die Vergünstigung für Besitzer eines Presseausweises lag lediglich bei 15 Prozent.
Allerdings liegt der Schritt der Telekom im Trend. Denn zuvor hatte bereits die Bahn und Air Berlin die Vergünstigungen mit Hinweise auf die Wulff-Affäre gestrichen. „Selbst viele Journalisten haben uns durch eine Vielzahl von Anfragen in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass sie selbst am Sinn solcher Rabatte zweifeln“, heißt es in einer Pressemitteilung von Air Berlin. "Wir haben daher die bisherige Regelung auf den Prüfstand gestellt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass auch Journalistenkonditionen nicht mehr zeitgemäß sind", so Hartmut Mehdorn, Chef der Fluglinie.
Das will Sebastian Brinkmann, Betreiber des Info-Portals Pressekonditionen.de jedoch nicht glauben. „Die Begründung von Air Berlin klingt heldenhaft – aber ich zweifle an der Begründung Corporate Governance. Ich glaube vielmehr, dass das Unternehmen – wie schon die Deutsche Bahn – nach einem Grund gesucht hat, aus den Journalistenrabatten auszusteigen und das Herr Wulff eine tolle Gelegenheit bot.“
Die Stimmung haben auch die Chefredakteure der Axel Springer AG erspürt und in der vergangenen Woche einen freiwilligen Verzicht auf die Vergünstigungen bekanntgegeben. In der Erklärung der Springer-Redaktionen heißt es dazu: „Wer zu Recht hohe ethische Maßstäbe an andere stellt, sollte auch sein eigenes Verhalten überprüfen und eine klare Haltung hinsichtlich der Annahme persönlicher Vorteile haben“. Die aktuelle Debatte habe alle noch einmal besonders sensibilisiert und viele Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen im Haus hätten gezeigt, dass im Interesse eines glaubwürdigen und unabhängigen Journalismus ein Verzicht auf Vergünstigungen ein wichtiges Signal sei.
In der Springer-Idee sieht der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken einen "überzeugenden Schritt hin zu noch mehr Glaubwürdigkeit der Journalistinnen und Journalisten". Für den Verband sei es wichtig darauf hinzuweisen, dass der Presseausweis „ein Werkzeug für die Recherche ist, das etwa an Einsatzorten von Polizei und Feuerwehr Profi-Journalisten von Schaulustigen unterscheidet."
Trotzdem haftet der Plastikkarte, die von der Berufs- und Verlegerverbänden ausgegeben wird, immer mehr das Image einer Rabattmarke an. Denn mithilfe des Presseausweises haben alle Pressevertreter, ob Reporter, Radiomoderator oder Dokumentar, Zugriff auf unzählige Vergünstigungen. Ob nun für Handy-Verträge, beim Auto-Kauf oder auf Fernreisen.
Pressekonditionen.de veröffentlicht auch eine Liste der beliebtesten Journalisten-Rabatte. Auf den ersten drei Plätzen liegen Air Berlin, Telekom und die Bahn – noch.

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