Die große Gottschalk-Verwirrung

Fernsehen Die Diskussion um die Zukunft oder Nicht-Zukunft der kriselnden ARD-Vorabendshow “Gottschalk Live” erreichten in dieser Woche einen neuen Höhepunkt. Die Spekulationen um die Show hatten ihren Ursprung in einer ARD-Schaltkonferenz vom Montag. Anschließend taten die ARD-Bosse, die Medien und auch Moderator Thomas Gottschalk alles in ihrer Macht stehende, damit am Ende der Woche niemand mehr so Recht weiß, wer jetzt für die Show ist oder dagegen.

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Die Medien

Manchmal kann man ja sogar verstehen, dass einem die Medien auf die Nerven gehen mit ihrer Falsch-Versteherei. Soweit bekannt ist, wurde auf der ARD-Schaltkonferenz vom Montag keine Entscheidung in Sachen “Gottschalk Live” getroffen. Es wurde nur über die Sendung geredet. Trotzdem schrieb die Springer-Tageszeitung Die Welt davon, dass sich die Intendanten “entschlossen” hätten, „Gottschalk Live“ bald einzustellen. Das gab der ARD die Gelegenheit für eine ausführliche “Klarstellung”, nach der freilich überhaupt nichts klarer war, außer, dass es eben keinen Beschluss in Sachen “Gottschalk Live” gibt. Das Hamburger Abendblatt berichtete das alles ganz korrekt auf und schrieb darum von einer “Stimmungslage”. Trotzdem wurde in zahlreichen weiteren Medien-Veröffentlichungen so getan, als hätte die ARD den Abendblatt-Bericht dementiert. Hat sie aber gar nicht. Sie hat nur etwas zu dem Welt-Bericht “klargestellt”.

Die ARD

Die ARD spricht als föderale Anstalt mit vielen Zungen. Das ist soweit nichts Neues. Im Fall von “Gottschalk Live” ist die Vielstimmigkeit des Senderverbunds wieder einmal offenkundig. Offen zu Wort melden sich derzeit WDR-Intendantin und ARD-Vorsitzende Monika Piel, NDR-Intendant Lutz Marmor sowie ARD-Programmdirektor Volker Herres. Frau Piel scheint am glaubwürdigsten hinter Thomas Gottschalk und seiner Sendung zu stehen. Kein Wunder – sie hat ihn ja geholt. Ein Scheitern, würde auf ihrem Intendanten-Konto bilanziert werden. Am Montag, nachdem sich Gottschalk erstmals Studiopublikum ins Haus geholt hatte, soll sie ihm sogar nach der Sendung telefonisch gratuliert haben. Die Nerven scheinen also einigermaßen blank zu liegen. Dann haben wir da noch Lutz Marmor, den Intendanten des NDR. Der sagte in der von der ARD verbreiteten Stellungnahme: "Einem Beschluss, ‘Gottschalk live’ zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu beenden, hätte ich widersprochen. Der Relaunch ist notwendig und sinnvoll. Dabei werden wir Thomas Gottschalk unterstützen. Die Ergebnisse gilt es ohne Hektik zu bewerten.” Klingt auf den ersten Blick irgendwie nach Solidaritätsbekundung. Man beachte aber die Formulierung “zum gegenwärtigen Zeitpunkt” und die wohl dosierte Verwendung des Konjunktivs. Marmor will ganz offenbar nicht zu deutlich mit der derzeitigen Pechmarie der ARD in Verbindung gebracht werden. Da wird er nicht der einzige sein. Und Volker Herres? Der wurde von der Bild gefragt und sagte:  “Ich habe ihn (Gottschalk, Anm.d.Red.) erinnert, dass unser Ziel mindestens 10% sind und jetzt rasch ein starker Trend nach oben gehen muss. Ansonsten tue sich die ARD bei einer Entscheidung über die Fortsetzung der Sendung schwer.” Das ist schon eine weit unverhohlenere Drohung mit dem Aus für die Sendung – selbst wenn auch Herres ARD-typisch im Konjunktiv droht. Es findet sich also mal wieder alles in der ARD: Rückhalt, Drohung mit Einstellung und diplomatisches Wischiwaschi. Arm ist jener dran, der sich von diesem Club eine verbindliche Aussage erhofft.

Der Moderator

Thomas Gottschalk trägt allerdings auch selbst eifrig dazu bei, dass die Diskussion über die Fortsetzung seiner Show am Kochen gehalten wird. Kaum eine Sendung vergeht, ohne dass er seine schlechten Quoten, seine miese Presse oder ganz generell seine Befindlichkeiten vor laufender Kamera ausbreitet. Am Donnerstag fabulierte er zu Beginn der Show, es habe kurz vorm Richtfest (er meint die Umbauarbeiten an seiner Sendung) nochmal richtig Aufregung gegeben: “Weil, da gab es so eine Eigentümerkonferenz und da wollten ein paar das Ding gleich wieder einreißen und die Räumlichkeiten dann doch lieber an eine Behörde vermieten. Aber dann haben die Investoren ein Machtwort gesprochen und jetzt ist wieder Ruhe. Ich hab mit all dem nichts zu tun. Ich bin nur der Hausmeister." Mit Eigentümerkonferenz meint er wohl die Schaltkonferenz. Aber wen meint er mit den „Investoren“, die ein “Machtwort” gesprochen hätten. Die gleichen Intendanten, die sich auch bei der Schaltkonferenz geäußert haben? Und warum kommentiert er überhaupt auf derart wirre Weise die Spekulationen um seine Sendung? In der Bild sagte Gottschalk noch: “Volker Herres hat mir heute nochmals versichert, dass er hinter der Sendung steht.” Ja. Mit einem Messer in der Hand.

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