Die Top 20 der Journalisten-Schnäppchen

Publishing Seit etlichen Jahren listet die Website pressekonditionen.de die Unternehmen und Angebote, bei denen Presseausweis-Besitzer besonders günstig wegkommen. Das Angebot und in der Branche längst kein Insidertipp mehr, versteht sich selbst aber als reines Info-Portal mit dem alleinigen Anspruch auf "Transparenz". Laut Eigenauskunft erzielt die Seite monatlich 578.502 Klicks, fast 23.000 Medienleute haben den zweiwöchentlichen Schnäppchen-Newsletter abonniert. MEEDIA dokumentiert die Top 20 der Spar-Tipps.

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Hier die Liste der im vergangenen Jahr meistgesuchten Rabatte auf der Journalisten-Seite pressekonditionen.de – auffällig ist, dass zu den drei beliebtesten Angeboten mit Air Berlin und Bahn zwei gehören, die ihre Vorzugsbehandlung für die Branchenvertreter mit mehr oder weniger deutlichem Hinweise auf die Wulff-Affäre und -Debatte einstellen werden:

Betreiber und Initiator der Seite ist Sebastian Brinkmann, 35. Auf MEEDIA-Anfrage hat sich Brinkmann noch nicht zu der laufenden Debatte geäußert. In seinem Blog schreibt er jedoch über die aktuellen Entwicklungen:
"Nach der Ankündigung der Deutschen Bahn ab 15. April keine Bahncard 50 zum halben Preis mehr an Journalisten zu verkaufen, habe ich mit weiteren Rabatt-Stopps gerechnet. Air Berlin stand dabei auf meiner Liste, denn das Unternehmen steht seit Wochen in der Kritik der Pressekonditionen.de-User: Viele monieren, dass es auf den Wunsch-Flug keine Tickets mit Rabatt mehr gab und die Hotline zeitweise unerreichbar war. Wir haben – wie schon in der Vergangenheit – Air Berlin auf alle negativen Feedbacks hingewiesen – und nur selten eine Antwort bekommen.

Die Begründung von Air Berlin klingt heldenhaft – aber ich zweifle an der Begründung Corporate Governance. Ich glaube vielmehr, dass das Unternehmen – wie schon die Deutsche Bahn – nach einem Grund gesucht hat, aus den Journalistenrabatten auszusteigen und das Herr Wulff eine tolle Gelegenheit bot.

Aber auch Journalisten trifft eine Schuld: Einige – ich betone einige – glauben offenbar, es gäbe ein Grundrecht aus Besserbehandlung. So wurden wir von mehreren Usern aufgefordert, eine Protestaktion gegen die Deutsche Bahn anzuzetteln. Nein, dafür steht Pressekonditionen.de nicht zur Verfügung. Wir informieren über die Rabatte und sorgen damit für Transparenz in diesem durchaus problematischen Thema."
Als pressekonditionen.de im Januar eine Textanzeige im Mediendienst Turi2 schaltete, war diese vor allen Nachrichten der meistgeklickte Link des Tages – ein weiteres Zeichen dafür, wie ambivalent die Einstellungen vieler Medienmacher sind, wenn es um bares Erspartes geht.
"Durchaus problematisch" könnte auch die Sichtweise des Deutschen Journalisten-Verbandes zum Thema umschreiben. Der DJV bemüht sich, im Kollegenkreis mit der verbreiteten Ansicht aufzuräumen, dass der Presseausweis eine bessere Rabattmarke ist. So äußert sich der Verband in einer ersten Stellungnahme zu der freiwilligen Springer-Initiative künftig auf Presserabatte zu verzichten.
In der Springer-Idee sieht der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken einen "überzeugenden Schritt hin zu noch mehr Glaubwürdigkeit der Journalistinnen und Journalisten". Für den Verband sei es wichtig daraufhinzuweisen, dass der Presseausweis „ein Werkzeug für die Recherche ist, das etwa an Einsatzorten von Polizei und Feuerwehr Profi-Journalisten von Schaulustigen unterscheidet."

Trotzdem haftet der Plastikkarte, die von der Berufs- und Verlegerverbänden ausgegeben wird, immer mehr das Image einer Rabattmarke an. Denn mithilfe des Presseausweises haben alle Pressevertreter, ob Reporter, Radiomoderator oder Dokumentar, Zugriff auf unzählige Vergünstigungen. Ob nun für Handy-Verträge, beim Auto-Kauf oder auf Fernreisen.

Die aktuelle Diskussion entbrannte als Nebenprodukt der Causa Wulff und nahm kräftig an Fahrt auf, nachdem erst die Bahn und am Mittwoch auch die Fluglinie Air Berlin ihre Sondertarife aufhob.

In der Erklärung der Springer-Redaktionen heißt es dazu: „Wer zu Recht hohe ethische Maßstäbe an andere stellt, sollte auch sein eigenes Verhalten überprüfen und eine klare Haltung hinsichtlich der Annahme persönlicher Vorteile haben“. Die aktuelle Debatte habe alle noch einmal besonders sensibilisiert und viele Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen im Haus hätten gezeigt, dass im Interesse eines glaubwürdigen und unabhängigen Journalismus ein Verzicht auf Vergünstigungen ein wichtiges Signal sei.

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