Gottschalk-Vertrag: Hat die ARD getrickst?

Fernsehen Während Thomas Gottschalk mit Konzept-Veränderungen und Studiopublikum versucht, seine schwächelnde Vorabendshow "Gottschalk Live" zu retten, berichtet die Zeit, dass der Vertrag mit dem Star-Moderator an den Kontrollgremien der ARD vorbei mit der ARD-Filmfirma Degeto abgeschlossen worden sei. Der WDR nennt den Bericht "irreführend". Denn bei Vorabendproduktionen sei diese Vorgehensweise die Regel, von einer Umgehung könne daher auch nicht die Rede sein.

Werbeanzeige

Die Degeto ist die Tochterfirma der ARD, die für die Filmproduktionen des Senderverbunds zuständig ist. Im Aufsichtsrat der Degeto sitzen nur die Intendanten der ARD-Sender, nicht aber die Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen, die Kontrollfunktionen ausüben sollen. Im Jahr 2004 wurde der Vertrag von Harald Schmidt bei seiner Rückkehr zur ARD auch über die Degeto abgewickelt. Auf diese Weise sparen sich die ARD-Intendanten eine zermürbende Diskussion über möglicherweise sehr hohe Honorare für die Star-Moderatoren.

Solche langwierigen Diskussionen der Kontrollgremien sind bei den ARD-Oberen gefürchtet. Legendär ist der Ausspruch von den “Gremien-Gremlins”, den Günther Jauch prägte, als sein erster Versuch, zur ARD zurückzukehren, scheiterte.

Laut WDR habe die Recherche der Zeit aber nur ohnehin Selbstverständliches zutage gefördert. Die Finanzierung der Sendung "Gottschalk Live" erfolge "ausschließlich über Werbeeinnahmen". Maßgeblich für die Einbindung der Gremium sei aber die Frage, ob der WDR "sachlich und finanziell verpflichtet" sei. Antwort: "Der WDR ist nicht verpflichtet und zahlt keinen Cent aus Gebührenmitteln."

Laut Zeit erwägt nun trotzdem Michael Kroemer, Mitglied im Verwaltungsrat des WDR und Aufsichtsrat der WDR Mediagroup, Einsicht in den Degeto-Vertrag mit Thomas Gottschalk zu fordern. Es geht vermutlich um die Kosten, die “Gottschalk Live” verursacht und eine Ausstiegsklausel, die im Vertrag stehen soll. Angeblich hat die ARD die Option, den Vertrag zu kündigen, sollte "Gottschalk Live" bis April nicht durchschnittlich mindestens zehn Prozent Marktanteil erreichen. Davon ist die Sendung, trotz einer leichten Tendenz nach oben, noch weit entfernt. Die Sendung vom Dienstag erreichte einen Marktanteil von 4,6 Prozent im Gesamtpublikum.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige