Dividende: Apple kauft sich Ruhe

Das Geheimnis ist gelüftet: Apple geht an seinen prallgefüllten Geldspeicher und wird künftig jährlich 10 Milliarden Dollar an Aktionäre ausschütten. Weitere 10 Milliarden Dollar werden für Aktienrückkäufe in den nächsten verwendet. Beschneidet sich der iPhone-Hersteller damit nicht seiner Übernahme-Möglichkeiten? Eher nicht, denn die 45 Milliarden Dollar, die Apple bis 2015 ausgeben will, sind viel schneller wieder eingenommen als viele Marktbeobachter glauben. Ein Risiko geht Tim Cook nicht ein.

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Das Geheimnis ist gelüftet: Apple geht an seinen prallgefüllten Geldspeicher und wird künftig jährlich 10 Milliarden Dollar an Aktionäre ausschütten. Weitere 10 Milliarden Dollar werden für Aktienrückkäufe in den nächsten drei Jahren verwendet. Beschneidet sich der iPhone-Hersteller damit nicht seiner Handlungsfähigkeit? Eher nicht, denn die 45 Milliarden Dollar, die Apple bis 2015 ausgeben will, sind viel schneller wieder eingenommen als viele Marktbeobachter glauben. Ein Risiko geht Tim Cook nicht ein.

Willkommen in einem neuen Zeitalter: Apple, für mehr als ein Jahrzehnt Wachstumswert Nummer eins, ist angekommen in der Anlageklasse der Dividendentitel. Wie Old Economy-Unternehmen wie Exxon Mobil, Walmart oder Coca Cola schüttet nun auch künftig der iPhone- und iPad-Hersteller einen Teil seiner Gewinne an Aktionäre aus. Das war zuletzt 1995 der Fall.

Warum macht Apple das? Seit Jahrzehnten ist es an der Wall Street eigentlich Standard, dass Unternehmen ihre Anteilseigner am Unternehmenserfolg partizipieren lassen und  einen Teil der Gewinne weitereichen. Der Grundgedanke ist klar: Die Aktiengesellschaft sammelt auf diese Weise zusätzliche Argumente für den Kauf der Papiere. Wie schön, wenn das Investment zusätzlich jährlich höher verzinst wird als etwa das Geld auf dem Fest- oder Tagesgeldkonto.

Dividendenrendite bei 1,8 Prozent im Mittelfeld
Apple gelingt das knapp. Bei nunmehr 600 Dollar entspricht die sogenannte Dividendenrendite des iPhone-Herstellers genau 1,83 Prozent. Das ist für den Anfang nach 17 langen Jahren gar nicht mal gering  – nämlich mehr, als etwa Cisco (1,1 Prozent) und IBM (1,5 Prozent) ausschütten, andererseits weniger als andere Tech-Schwergewichte wie Microsoft (2,4 Prozent) oder Intel (3 Prozent).  

Vor allem Großaktionäre wie Investmentfonds und Pensionsgesellschaften hatten in der Vergangenheit immer wieder auf die Ausschüttung einer Dividende gepocht, während Apple-Gründer Steve Jobs, geprägt durch die drohende Pleite 1997, nie Geschmack an Dividendenzahlungen gefunden hatte, zumal die Börsenreaktion darauf auch umstritten ist.

Übernahme-Möglichkeiten begrenzt
So ist denn die Einführung einer Dividende das erste ganz große Ausrufezeichen der Ära Tim Cook, die sich in der Geldpolitik von den 14 Jahren unter Steve Jobs deutlich abhebt. Doch die Sorge vor Extravaganzen ist unbegründet: Cook bricht nicht mit Jobs, er schlägt nur seinen eigenen Weg ein, zu dem ihn der schwerkranke Apple-Gründer in seinen letzten Monaten ermuntert hat.  

Und tatsächlich geht Cook weitaus weniger Risiko, als man beim Veräußern von fast der Hälfte der Barmittel erahnen könnte. Eine Mega-Übernahme, von der Jobs einst mittels Scheckausstellung gesprochen hatte, liegt weder in Apples DNA noch dürfte sie kartellrechtlich durchgehen.
Facebook, das nicht zuletzt wg. der Bewertung in Höhe von Apples Barmitteln immer wieder gerne genannt wird, erscheint als Übernahmeziel vollkommen utopisch. Wirklich viele andere Übernahmekandidaten in fast dreistelliger Milliardenhöhe gibt es nun auch nicht – allenfalls Unternehmen aus der Zuliefererkette ergäben Sinn.  Für die braucht Apple aber keine 100 Milliarden Dollar.

"Haben mehr Geld, als wir für unser Tagesgeschäft brauchen"
Daher schlägt Tim Cook nun jenen Weg ein, den er bereits auf der jüngsten Aktionärsversammlung skizzierte, als der Apple-Chef zugab, "dass wir mehr Geld haben, als wir für unser Tagesgeschäft brauchen"  – es ist der Weg des geringsten Widerstands.

Mit der Ausschüttung befriedigt Apple die drängelnde Analystenzunft, die sich nach Jahren der Spekulationen, was Apple denn nun endlich mit dem dicken Cash-Polster anfangen könne, ein neues Hobby suchen kann. Gleichfalls lockt der Apple-Chef neue potenzielle Investoren an – jene Investmentfonds, die ausschließlich in Unternehmen investieren, die Dividenden ausschütten.

Apples Geldberg wächst trotzdem weiter
Und das bei sehr überschaubarem Risiko: Denn die 45 Milliarden Dollar klingen gewaltiger, als sie sind. Verteilt auf drei Jahre sind es lediglich 15 Milliarden Dollar pro Jahr – eine Summe, die Apple fast allein im Weihnachtsquartal einfuhr. Nach Steuereffekten und Zinsen konnte Apple im vergangenen Geschäftsjahr immerhin 33 Milliarden Dollar einfahren. 

Selbst bei einer konservativer Lesart könnten Apples Gewinne in den nächsten drei Jahren auf 150 Milliarden Dollar explodieren, glaubt etwa der frühere Internetaktien-Staranalyst Henry Blodget: "Die Barmittel könnten dieses Geschäftsjahr um 40 Milliarden Dollar wachsen, im nächsten um 50 Milliarden , 2014 auf 60 Milliarden". Macht summa summarum 150 Milliarden Dollar, von denen gerade mal 45 Milliarden abzuziehen sind.

Das heißt nichts anderes als: Anstatt seine Barreserven signifikant abzuschmelzen, könnte der Geldberg bis 2014 tatsächlich auf 200 Milliarden Dollar anwachsen! Tim Cooks Schachzug erscheint daher wohl kalkuliert: Apple druckt von Quartal zu Quartal Milliarden, verwendet aber nur einen kleinen Teil davon, um die Wall Street zu bedienen. Tim Cook kauft sich für 45 Milliarden Dollar daher vor allem eines: Ruhe. 

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