Unfall-Opfer: Bild und die Bilderdiskussion

Publishing Bilder-Diskussion: In Belgien und in der Schweiz diskutieren die Medien, ob man Fotos der beim Busunglück in der Schweiz ums Leben gekommenen Kinder zeigen darf oder nicht. In Deutschland hatte die Bild dies am heutigen Freitag getan. Wie ein Springer-Sprecher gegenüber MEEDIA bestätigte, hat das Boulevard-Blatt jedoch zuvor die Genehmigung dazu eingeholt. Zudem habe man "respektvoll und sachlich über das Unglück berichtet". Bislang liegen zumindest dem deutschen Presserat keine Beschwerden vor.

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Das Bild-Cover vom heutigen Freitag
Auf dem Bild-Cover bilden die Fotos der Opfer ein Kreuz. Allerdings nennt das Boulevard-Blatt nicht die Namen der Kinder. Dies für den Presserat oftmals ein wichtiger Faktor bei der Bewertung der Frage, ob es sich um eine identifizierenden Darstellung von Opfern handelt. So heißt es unter anderem im Pressekodex: "Opfer von Unglücksfällen oder von Straftaten haben Anspruch auf besonderen Schutz ihres Namens. Für das Verständnis des Unfallgeschehens bzw. des Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Ausnahmen können bei Personen der Zeitgeschichte oder bei besonderen Begleitumständen gerechtfertigt sein."

Allerdings heißt es dort weiter: "Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren (s. auch Ziffer 13 des Pressekodex) veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden."

Das bedeutet: Sollte sich die Diskussion hierzulande noch weiterentwickeln, kommt auf den Presserat bestimmt noch einige Arbeit zu.

Die flämische Medienministerin Ingrid Lieten hat in einem Radiointerview das Veröffentlichen der Bilder in einigen Medien scharf kritisiert: "Das geht viel zu weit." Dass Fotos in einem Netzwerk im Internet verfügbar seien, heiße noch lange nicht, "dass man sie auch veröffentlichen kann“. Weiter sagt sie: "Wir alle wollen den Schmerz teilen, aber es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen". Denn: "Wo kämen wir hin, wenn die Fotos der Schwestern und Brüder der Opfer publiziert werden?"
Zumindest die Bild hatte sich nicht bei Fotos aus Social Networks bedient. Zur Zeit wird diese Diskussion noch überwiegend in der Schweiz und in Belgien geführt. In der Schweiz entzündet sich die Kritik dabei vor allem an der Berichterstattung des Blick. Das Blatt hatte unter anderem die 11-Jährige Emma auf ihrem Titel und veröffentlichte Fotos von den 21 verstorbenen Kindern sowie von deren trauernden Familien. Fotos, die zum Teil aus Social Networks stammen sollen.

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