Presserat rügt Bild.de, Bunte und B.Z.

Publishing In den vergangenen zwei Tagen tagte der Deutsche Presserat und beschäftigte sich vor allem mit einem bestimmenden Thema: der identifizierenden Darstellung von Opfern. Entsprechende Rügen gab es für die B.Z., Bild.de, sowie gleich doppelt für die Dresdner Morgenpost. Die Bunte wurde gerügt, weil sie in "diversen" Berichten gegen die Schleichwerbe-Regeln verstoßen hatte. Beim Deutschen Waffenjournal erkannten die Berliner einen Fall von Diskriminierung. Insgesamt sprach der Presserat neun Rügen aus.

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Die B.Z. erhielt eine nicht-öffentliche Rüge für ihrer Berichterstattung im Fall eines schweren Autounfalls. Dabei hatte die Redaktion ohne Einwilligung der Angehörigen ein Foto des 32-jährigen Opfers gezeigt. "Über Unfallopfer muss im Hinblick auf den Schmerz der Hinterbliebenen besonders zurückhaltend berichtet werden", meinte der Presserat dazu.
Ebenfalls nicht-öffentliche Rügen kassierten Bild.de und die Dresdner Morgenpost für ihre Artikel, die sich mit einem 23-jährigen Mann beschäftigten, dessen zerstückelte Leiche aus einem Fluss gezogen worden war. Unter den Headlines "Die bizarre Welt des Jonathan H." bzw. "Toter im Fluss identifiziert: War es ein Manga-Mord?" beschrieben beide Titel nach Meinung der Medienwächter detailliert das Leben des Getöteten inklusive Spekulationen von Nachbarn über seine Intimsphäre. Bebildert waren die Stücke mit mehreren, privaten Fotos, die den 23-Jährigen in Manga-Kostümen zeigten.
Eine zweit Rüge, diesmal eine öffentliche, sprach der Presserat der Dresdner Morgenpost aus, weil sie bei der Berichterstattung über die Selbsttötung eines 17-Jährigen die gebotene Zurückhaltung bei Suizid-Artikeln vermissen ließ.
Das PC Magazin erhielt eine öffentliche Rüge für einen Beitrag unter der Überschrift. "Quellen der Raubkopierer". Der Artikel erklärt anhand von konkreten Websites die verschiedenen Möglichkeiten zum illegalen Download von Musik, Filmen und Software. Dazu bewertete die Redaktion in einer Extra-Tabelle die Risiken des jeweiligen Download-Dienstes. Für die Berliner verletzt das PC Magazin damit das Ansehen der Presse.
Wegen Diskriminierung wurde das Deutsche Waffenjournal öffentlich gerügt. In einem Kommentar über einen Vater, der seine Tochter erschossen hatte, erkannte der Presserat zynische und menschenverachtende Äußerungen eines Dritten. Die Redaktion hätte eine kritische Distanz innerhalb des Textes einnehmen müssen.
Gegen das Trennungsgesetz von Redaktion und Werbung soll die Bunte gleich mehrfach verstoßen haben. In den entsprechenden Beiträgen wurden Produkte hervorgehoben, im Bild gezeigt und teilweise mit Preisangaben genannt. "Dies geht über ein begründetes öffentliches Interesse hinaus, stellte der Ausschuss fest. Bei einem Beitrag über Trends auf Society-Partys wurde zum Beispiel eine Sektmarke besonders hervorgehoben. Der Ausschuss sah auch hier die Grenze zur Schleichwerbung überschritten", heißt es in der Begründung. Auch der Weser Kurier wurden für Schleichwerbung gerügt.
Insgesamt behandelten die drei Ausschüsse 106 Beschwerden. Neben den sechs öffentlichen und den drei nicht-öffentlichen Rügen gab es 15 Missbilligungen und 27 Hinweise.
Ein gewisses Kunststück gelang der Lünepost. Das Wochenblatt aus Lüneburg und Umgebung wurde bereits zum zweiten Mal für dasselbe Vergehen, einen Verstoß gegen den Datenschutz, gerügt. 
Trotz einer vorangegangenen Rüge stoppte die Lünepost ihre "Glückskreis"-Aktion nicht. Dabei ist ein Foto aus der Innenstadt zu sehen, auf dem eine Person eingekreist ist. Meldet sich der oder die Markierte dann bei der Redaktion erhält er oder sie einen Einkaufsgutschein über 25 Euro. Die Lüneburger verstoßen damit nach Meinung des Presserates auf das verbriefte Recht auf informationelle Selbstbestimmung. "Der Beschwerdeausschuss hält es für ethisch nicht vertretbar, dass die betreffenden Personen ohne ihr Wissen in der Zeitung veröffentlicht werden", heißt es in der Erklärung. "Durch die Einkreisung werden die Personen derart individualisiert, dass die Bilder nicht mehr den Charakter einer Übersichtsszene haben. Durch die Bildunterschrift wird außerdem der Aufenthaltsort der Person bekannt gegeben."

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