Online-Last: Spiegel mit neuer Web-Strategie

Publishing Die Print-Online-Mauer wird in Hamburg wieder hochgezogen: Wie der Tagesspiegel berichtet, will der Spiegel seine Web-Strategie ändern und künftig nicht mehr drei seiner Print-Texte auch bei SpOn veröffentlichen. So soll die gedruckte Ausgabe geschützt und die E-Paper-Verkäufe gestärkt werden. Die Erfolgschancen der Aktion? Unklar. Dagegen wäre einzuwenden, dass von einer Online-Stärkung der Print-Autoren letztendlich die Web- und Print-Redaktion profitieren würden.

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Die Print-Online-Mauer wird in Hamburg wieder hochgezogen: Wie der Tagesspiegel berichtet, will der Spiegel seine Web-Strategie ändern und künftig nicht mehr drei seiner Print-Texte auch bei SpOn veröffentlichen. So soll die gedruckte Ausgabe geschützt und die E-Paper-Verkäufe gestärkt werden. Die Erfolgschancen der Aktion? Unklar. Dagegen wäre einzuwenden, dass von einer Online-Stärkung der Print-Autoren letztendlich die Web- und Print-Redaktion profitieren würden.
Gegenüber dem Tagesspiegel begründet Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron die neue Strategie nicht mit verhärteten Fronten zwischen Print und Online, sondern mit der digitalen Ausgabe des Spiegel. Sie wird zur Zeit rund 33.000 Mal pro Woche verkauft. "Dieses Produkt wollen wir weiter fördern und werden deshalb eher noch zurückhaltender mit der freien Verbreitung von Print-Artikeln sein", sagt Blumencron gegenüber der Zeitung.
De facto stehen sich in Hamburg somit aber mittlerweile zwei sehr große und sehr gute Redaktionen gegenüber, die beide beste Qualität abliefern, dasselbe Markendach haben und doch nicht miteinander vernetzt sind. Auch wenn Müller von Blumencron dementiert: Die Strategieänderung wirkt wie der nächste Trennungsschritt von ihm und seinem Mit-Chefredakteur Georg Mascolo, der sich ausschließlich um die gedruckte Ausgabe kümmert.
Der Plan, auf die drei Texte ganz oder in Teilen zu verzichten, wirkt wie eine innenpolitische Aktion. Denn dem Spiegel-Online-Leser wird es im Grunde egal sein, ob unter den vielen Stücken, die er auf SpOn liest, auch ein oder drei Artikel dabei sind, die es seit Montag schon am Kiosk zu kaufen gibt. Die Qualität der Web-Redaktion ist längst so gut, dass sie die Text-Subventionen der Kollegen nicht mehr braucht. Andererseits wird es auch den Kioskkäufer am Montag nicht ernsthaft davon abhalten das Nachrichten-Magazin zu erwerben, nur weil im Laufe der Woche ein paar Text auch im Web gratis zu lesen sind.
Wie stark der Einfluss von Online-First oder eines Web-Verzichtes auf den Erfolg einer gedruckten Ausgabe sind, ist noch immer völlig unklar. So fahren Zeit und Welt bestens damit, viele Texte an ihre Web-Portale weiterzureichen, FAS und FAZ kommen andererseits gut damit klar, dass viele Stücke nicht im Netz zu lesen sind.
Beim Blick auf die Strategie von Süddeutsche und Süddeutsche.de wird erst richtig klar, welche Chance die Hamburger mit der Aufstockung der Print/Online-Mauer vertun. Die Münchener stellen auf ihrem Nachrichtenportal ganz bewusst ihre bekannten Köpfe wie Heribert Prantl oder Hans Leyendecker in den Vordergrund.
Eine noch viel größere Bühne als Süddeutsche.de würde SpOn abgeben, um die tollen Autoren, Rechercheure und Reporter des Spiegel noch stärker in den Vordergrund zu schieben und zu eigenen Marken aufzubauen. Davon würden alle profitieren: Spiegel Online, weil die guten Journalisten und ihre tollen Geschichten die Attraktivität der Seite steigern, der Autor, weil er so seine Bekanntheit und seinen Ruf steigert und der gedruckte Spiegel, weil die großartigen und jetzt auch noch bekannteren Autoren ein weiterer Grund wären das Heft zu kaufen. Die hausinternen Zweifler beim Spiegel sollen einmal bei Matthias Mattussek, Stefan Niggemeier oder Jan Fleischhauer nachfragen, wie sehr ihnen bei ihrer Arbeit und ihren jeweiligen Arbeitgebern ihre große Web-Präsenz geholfen hat.

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