Bellut: ZDF will besser sein als ARD

Fernsehen Der neue ZDF-Intendant Thomas Bellut hat seine Antrittserklärung abgegeben. Seine wichtigsten Ziele: Im Qualitätswettbewerb mit der ARD will das ZDF "dynamischer und besser" sein. In drei Jahren soll der derzeitige Altersdurchschnitt der Zuschauer von 61 Jahren "vorsichtig abgesenkt" werden. Einige Eigenproduktionen müssten eingestellt werden, weil die Gebührenkommission KEF Personaleinsparungen vom ZDF fordert. Bellut spricht von einem Stellenabbau in dreistelliger Höhe.

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Nach der Sitzung des Fernsehrates in Mainz, an der Bellut teilnahm, stellte sich der neue Intendant der Presse. Das ZDF sei "gut aufgestellt" und habe "den Sprung in die digitale Welt geschafft". Die Rahmenbedingungen, unter denen der Sender operiere, würden "nicht schlechter, aber auch nicht besser". Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Sender (kurz: KEF) habe moniert, dass es zu viele Stellen im ZDF gebe. Bellut kündigte nun an, es werde "ganz schnell" ein Personalplan entwickelt. Der müsse auch berücksichtigen, dass nicht über Gebühr "junge und aktive" Mitarbeiter von den Kürzungen betroffen seien. Insgesamt bewege sich der Stellenabbau in dreistelliger Höhe, so der Nachfolger von Markus Schächter. Darum sei auch klar, dass nicht alle Eigenproduktionen des Senders fortgeführt werden könnten.

"Wir stehen im Wettbewerb mit der ARD"
Bellut hob hervor, ein öffentlich-rechtlicher Sender werde vor allem an der Qualität des Programms gemessen, nicht an der Quote oder dem Marktanteil. Aber: "Wir wollen auch eine dominante Position haben und wollen in der Fläche erfolgreich sein." Damit hob er vor allem auf die ARD ab. Bellut: "Wir stehen im Wettbewerb mit der ARD. Das Ziel muss sein, dynamischer und besser zu sein." Diesem Wettbewerb stelle sich das ZDF "fröhlich und selbstbewusst". Der "Innovationsrhythmus" müsse sich deutlich erhöhen.

Trotzdem dürfe sich der Sender "nicht unnötig Konkurrenz" machen mit der ARD. Eine doppelte Berichterstattung dürfe es nur bei "massiven journalistischen Ereignissen" geben. Royale Hochzeiten fielen nicht in diese Kategorie. Hintergrund: Sowohl ARD und ZDF übertrugen die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton. Auch beim Silvesterkonzert in Dresden solle nicht mehr parallel gesendet werden. Der Vorschlag: ARD und ZDF könnten sich abwechseln. Diese Vorschläge lägen nun bei der ARD.

Ziel: Durchschnittsalter der Zuschauer auf unter 61 Jahre senken
Eine Verjüngung der Zuschauer solle nicht "krampfhaft" angegangen werden, sagte Bellut. Aber eine Trendwende müsse gelingen. Das Durchschnittsalter von 61 Jahren dürfe nicht überschritten und solle innerhalb von drei Jahren "vorsichtig abgesenkt" werden. Die ZDF-Digitalkanäle Neo, Info und Kultur hätten die Verluste bei jungen Zuschauern aufgefangen, sagte Ruprecht Polenz, der Chef des Fernsehrates. Belluts Ziel ist es, mit jedem Digitalkanal pro Jahr 10 Prozent mehr Zuschauer zu erreichen.

Zur Debatte um die mögliche Einstellung von Digitalkanälen, die u.a. der SPD-Politiker Kurt Beck befürwortet hatte, gab sich Bellut moderat: "Wir werden uns der Diskussion stellen müssen. Ich bin aber nicht bereit, die Einstellung eines Digitalkanals anzubieten." Die Frage nach der Zukunft der jungen Sender müsse "in aller Ruhe" besprochen werden. Ergebnisse solle es bis zum Herbst geben.

Als seinen Nachfolger als Programmdirektor hat Thomas Bellut den bisherigen Chef von ZDF.Neo, Norbert Himmler vorgeschlagen. Dies bestätigte Bellut. Insgesamt dauerte die Antrittsrede zur Presse eine knappe Viertelstunde. Bellut fasste sich kurz und arbeitete die wichtigen Punkte schnell und strukturiert durch. Er wirkte, als sei er in der neuen Rolle schon angekommen.

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