WAZ: Was Nienhaus und Braun planen

Publishing Nach der Übernahme der Mehrheit der WAZ-Gruppe durch Petra Grotkamp steht der Medienkonzern vor großen Veränderungen. Zum einen muss rasch die Frage geklärt werden, wie die operative Führung der Gruppe neben Christian Nienhaus besetzt werden soll. Eine komplexe gesellschaftsrechtliche Neuordnung steht ebenfalls an. Was die erste Aufgabe betrifft, scheint alles auf einen Aufstieg von Manfred Braun hinauszulaufen. Nach MEEDIA-Infos haben Nienhaus und Braun den Gesellschaftern einen Plan unterbreitet.

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Nienhaus und Braun haben demnach einen Vorstoß in eigener Sache bei den Gesellschaftern der Mediengruppe unternommen. Die Ausgangslage: Christian Nienhaus ist seit 2008 Geschäftsführer auf Seiten des Familienstamms Funke. Bis vor kurzem war Bodo Hombach sein Kollege auf der Seite des Familienstamms Brost. Nach dem Verkauf der Anteile durch die Brost-Erben an Petra Grotkamp, die zum Funke-Stamm gehört, hat Hombach inzwischen das Haus verlassen. Der zweite Posten in der Geschäftsführung ist damit vakant. Eigentlich muss der Konzern nach seinen eigenen Bestimmungen aber mindestens zwei Geschäftsführer haben.   

Manfred Braun soll zweiter Geschäftsführer werden
Als weiterer starker Manager im Unternehmen sticht Manfred Braun heraus. Es wird allgemein erwartet, dass Braun als zweiter Geschäftsführer an die Seite von Nienhaus berufen wird. Braun stand lange Jahre als Top-Manager in den Diensten von Bauer in Hamburg. Bei der WAZ-Gruppe ist er seit 2007 für die Zeitschriften des Hauses (u.a. Gong, Frau im Spiegel) verantwortlich. Zusätzlich übernahm Braun im vergangenen Jahr den Posten des Verlagsgeschäftsführers NRW. Der eminent wichtig ist, denn die vier NRW-Zeitungen WAZ, NRZ, Westfalenpost und Westfälische Rundschau sind die Keimzelle des Konzerns. Nachdem bis auf die WAZ alle Zeitungen vor drei Jahren in die roten Zahlen gerutscht waren, mussten hier radikale Umbauten vorgenommen werden. Unter anderem wurde ein zentraler Newsdesk in Essen für alle Titel eingeführt, inklusive eines Personalabbaus.

Zwischen Nienhaus und Hombach habe die Chemie nicht gestimmt, hieß es in Essen. Ähnliche Einschätzungen gibt es nun zum Verhältnis von Nienhaus und Braun. Aber: Die beiden Manager scheinen sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise verständigt zu haben. Demnach haben sie konkrete Vorstellungen, wie ihre künftige Aufgabenteilung aussehen könnte. Zu hören ist, dass die bisher bei der WAZ systemisch angelegte "Simultaneität" bei Entscheidungen nach Möglichkeit wegfallen soll. Bedeutet: Es müssen sich nicht immer beide Chefs mit jeder notwendigen Entscheidung im Detail befassen. Denn: Wo es keine zwei "echten" getrennten Familienstämme mehr gibt, braucht es auch eigentlich keine auf Checks und Balances angelegte Entscheidungsmechanik mehr. Während Braun sich künftig weiter um die Zeitschriften kümmern würde, hätte Nienhaus weiter die Mütze bei den Zeitungen in Thüringen und Braunschweig auf. Vertrieb und Anzeigen blieben ebenfalls vor allem Nienhaus-Themen. So zumindest sollen die Manager es den WAZ-Gesellschaftern vorgeschlagen haben.

Um die NRW-Zeitungen wollen sich beide Manager kümmern
Eine wichtige Sphäre gibt es dann aber doch, in denen sowohl Nienhaus wie Braun dem Vernehmen nach operativ tätig sein wollen – die Zeitungsgruppe in Nordrhein-Westfalen. Dieser Teil des Vorschlags trägt offenbar einerseits dem bereits erwähnten Stellenwert der Zeitungen Rechnung, könnte andererseits aber auch ein Signal sein, dass Nienhaus dieses Feld seinem Kollegen nicht ganz überlassen möchte. Wie es beim Flaggschiff WAZ weitergeht, ist für die Zukunft der Gruppe entscheidend – sie ist so etwas wie die Bild-Zeitung des Essener Konzerns. Nur vermutlich nicht mehr ganz so profitabel. Ein Relaunch des Blatts liegt bereits in der Schublade, ist aber noch nicht beschlossen.

Dass Nienhaus und Braun nun von sich aus auf Entscheidungen drängen, hat handfeste Gründe. Denn warten sie mit der Verteilung der operativen Aufgaben, bis die WAZ-Gruppe sich eine neue Struktur verpasst hat, drohte in der Zwischenzeit ein strategischer Stillstand. Die WAZ-Gruppe, das muss dazu gesagt werden, ist eigentlich gar kein richtiger Konzern, sondern eine verschachtelte Ansammlung verschiedenster GmbHs. Dies zu ändern, haben sich die Minderheitsgesellschafter Schubries und Holthoff schon länger auf die Fahnen geschrieben. Bisher scheiterten diese Bemühungen im Wesentlichen am Widerstand der Gesellschafter Grotkamp. Da Petra und Günther Grotkamp aber nun die Oberhand in Essen haben, müssen sie auch ihre Taktik ändern – und damit auf Reformen drängen, um ihrem Unternehmen eine längst überfällige Struktur angedeihen zu lassen. Im Gespräch war beispielsweise immer wieder mal, aus der WAZ eine Kommanditgesellschaft auf Aktien zu machen. Wie die derzeitigen Pläne aussehen, die sich dieses Jahr konkretisieren müssen, ist noch unklar.    

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