Die taz besinnt sich auf ihre Wurzeln

Publishing Die taz, das sagen einige ihrer Macher inzwischen selber, ist zu einer bürgerlichen Zeitung geworden. Links-bürgerlich, wenn man so will. Die bestimmenden Themen der Anfangsjahre, vor allem Umweltthemen, haben sich gleichzeitig viele Medien und alle Parteien zu eigen gemacht. Mit dem Kauf des Umweltmagazins Zeo2 will die taz nun zwei Dinge erreichen: Ihre Vorreiterrolle bei Umweltthemen verteidigen - und sich zumindest ein klein wenig von der Abhängigkeit von der Tageszeitung emanzipieren.

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Der Verlag der taz habe sich bereits seit einiger Zeit nach Möglichkeiten zur Diversifizierung umgeschaut, sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch im Gespräch mit MEEDIA. Mit der Beilage Le Monde Diplomatique (die auch separat erhältlich ist) gab es vor einigen Jahren einen ersten gelungenen Versuch, einen weiteren Titel im Haus zu etablieren.

Nun kommt also ein Umweltmagazin namens Zeo2 dazu. Das weniger mit schönen Bildern von grünen Hügeln und tiefen Meeren aufwartet, als mit von Experten geschriebenen umweltpolitischen Beiträgen zu Klima, Energie und Verkehr. Gründer und Chefredakteure des Magazins sind die Journalisten Marcus Franken und Manfred Kriener, letzterer war lange Jahre Redakteur bei der taz. Franken und Kriener konnten ihre vierteljährlich erscheinende Zeitschrift unter das Dach der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bringen, wo ein anderer ehemaliger taz-Mann, Gerd Rosenkranz, die Abteilung Politik und Presse leitet.

Doch die DUH ist eben kein Verlag, auch wenn in den knapp vier Jahren seit Gründung einiges auf die Beinge gestellt wurde, sogar eine DUH-App fürs iPad mit Zugang zu Zeo2. Die Möglichkeiten waren aber letztlich begrenzt, die verkauften Abos liegen heute bei unter 2.000 Exemplaren. Die DUH bleibt als Herausgeberin an der Entwicklung von Zeo2 beteiligt.

Der Verlag der taz habe die Zeitschrift "für einen symbolischen Preis" übernommen und sich verpflichtet, mindestens zwei Jahre als Verleger von Zeo2 für die Weiterentwicklung des Magazins zu sorgen, sagt Ruch. Bei mindestens 8.000 verkauften Abos, die zum Preis von 22 Euro im Jahr angeboten werden, rechne sich die Unternehmung. Ruch ist zuversichtlich, diese Marke zu knacken, schließlich erreiche der Verlag über verschiedene Kanäle "einige hunderttausend Leute". 

Doch natürlich ist die Übernahme nicht nur ein Akt der Freundlichkeit. Sie soll der taz nützen, denn sie kann sich nun über Zeo2 wieder stärker auf eines ihrer Kernthemen konzentrieren. Umweltjournalismus steht generell nicht besonders hoch im Kurs bei den deutschen Medien, ist heute aber so dringend nötig wie nie. Während Umweltkatastrophen in allen Medien nicht ohne gehörige Portionen von Anteilnahme und Alarmismus behandelt werden, mangelt es an kontinuierlich kompetenter Berichterstattung über Umweltpolitik. Nicht erst seit Fukushima.

Die Zeitschrift natur+kosmos (Natur wurde Anfang der 80er von Horst Stern gegründet) kommt heute auf eine Auflage von etwa 57.000 Exemplaren bei ca. 35.000 Abonnenten – es waren in den 80ern schon einmal deutlich mehr. Das Greenpeace Magazin kommt auf gut 90.000 Verkaufte. Für Zeo2 dürfte darum noch etwas Luft nach oben sein. Zumal Unterstützung von der Medienagentur KircherBurkhardt kommt, die Zeo2 einem Relaunch unterzogen hat, der mit der Ausgabe vom 17. April erstmals zu sehen ist. Agenturchef Kircher erklärt Zeo2 gleich mal zum "Referenzmagazin zur ökologischen Debatte". 

"Wir wollen unseren Lesern neue Angebote machen", sagt Ruch. Auch wenn Zeo2 der taz nicht beiliegen wird, sind die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit enorm. Das Magazin mag nur ein kleiner Fisch sein, aber Projekte dieser Art sind es, die heute den Ruf von Marken aufwerten, neue Leser- und Nutzerschaften erschließen und von denen Impulse ausgehen können, die weit über deren "Papierwert" liegen. DUH-Mann Rosenkranz lässt sich mit dem schönen Satz zitieren: "Ein Land, in dem es inzwischen mehr Solaranlagenbetreiber als FDP-Wähler gibt, hat sich ein modernes Umweltmagazin verdient."

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