Verzweiflungstat: Yahoo verklagt Facebook

Es klingt nach einem schweren Vorwurf: In gleich zehn Fällen hat der Internet-Pionier Yahoo das weltgrößte Social Network Facebook auf Patentrechtsverletzung verklagt. Der Zeitpunkt der Klage könnte für Facebook wenige Wochen vor dem Börsengang zu einer Belastungsprobe werden. Allerdings rechnen Branchenexperten eher nicht mit schwerwiegenden Konsequenzen. Blogger verurteilen den Schritt des strauchelnden Internet-Pioniers unterdessen als Verzweiflungstat.

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Es klingt nach einem schweren Vorwurf: In gleich zehn Fällen hat der Internet-Pionier Yahoo das weltgrößte Social Network Facebook auf Patentrechtsverletzung verklagt. Der Zeitpunkt der Klage könnte für Facebook wenige Wochen vor dem Börsengang zu einer Belastungsprobe werden. Allerdings rechnen Branchenexperten eher nicht mit schwerwiegenden Konsequenzen. Blogger verurteilen den Schritt des strauchelnden Internet-Pioniers unterdessen als Verzweiflungstat.

Yahoo klagt – und das Web lacht. "Yahoo hat endlich ein Geschäftmodell gefunden: Sei wie die Winklevoss-Brüder", frotzelt der Internet-Experte Jeff Jarvis in Anspielung auf die jahrelange rechtliche Fehde der Harvard-Absolventen gegen den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Der inzwischen 27-jährige CEO sieht sich nunmehr mit einer Patenklage in gleich zehn Fällen konfrontiert. Yahoo ist der Meinung, dass "Facebooks komplettes Modell des sozialen Netzwerks" auf  Technologien und Ideen basiere, die Yahoo zuerst entwickelt habe. Facebook habe sich diese jahrelang unerlaubterweise zunutze gemacht, teilte Yahoo mit.

Es sind dies: Der News Feed, das Versenden von Nachrichten (inklusive beim Chatten), die Kommentarfunktion und sogar die Darstellung von Werbeanzeigen. Yahoo verfügt über 1000 Patente, Facebook über gerade mal 20.

Yahoo: Klage-Trick bereits vorm Google-IPO 2004
Für Facebook ist der Zeitpunkt der rechtlichen Auseinandersetzung alles anderes als günstig. Das Social Network hatte erst Anfang Februar seinen Antrag auf Börsenzulassung eingereicht – das IPO dürfte demnach Anfang Mai über die Bühne gehen. Eine gerichtliche Auseinandersetzung mit Yahoo kann Facebook da gerade nicht brauchen, könnte sich doch Anleger vergraulen.  

Doch genau darauf zielt das schlingernde Internetportal wohl ab und dürfte auf einen lukrativen Vergleich setzen. Die Karte hatte Yahoo bereits einmal gespielt: 2004 verklagte Yahoo Google vor dem Börsengang – und wurde mit einem Aktienpaket in Höhe von mehr als 200 Millionen Dollar entschädigt.

"Yahoo verhält sich wie ein Teenager"
Internet-Experten reagierten mit Kopfschütteln auf Yahoos Klage. "Das ist schwach. Das Unternehmen zerstört auf diese Weise das Bisschen Reputation, das noch vorhanden ist", kanzelt der Business Insider das Vorhaben des Internetpioniers ab.

Sarah Lacy von PandoDaily wird noch deutlicher: "Yahoo verhält sich wie ein aufgescheuchter Teenager, der seine Eltern damit beruhigen will, das Zimmer aufzuräumen, statt seinen Eltern eine schlechte Note zu beichten.  Statt die eigentlichen Probleme zu lösen, versucht Yahoo durch solche Maßnahmen kurz die Wall Street zu versöhnen."

Der Erfolg fiel allerdings sehr überschaubar aus: Die Yahoo-Aktie stieg nachbörslich um nicht mal ein halbes Prozent an.  

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