Verlage und Sender: Wie die Königskinder

Publishing Eigentlich hätte sich am Mittwoch wieder eine Combo aus Verlagsvertretern und Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender treffen sollen, um endlich ein Dokument zu unterschreiben, das als "Gemeinsame Erklärung" bekannt wurde. Doch damit wird es nichts. Denn das ZDF sagte den Termin mit Intendant Markus Schächter ab. Denn der wird heute verabschiedet. Verständlich, einerseits. Andererseits: Kurz vor der Einigung scheinen die Öffentlich-Rechtlichen zu zögern.

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Kurz zum Hintergrund: Latent schwelte der Konflikt zwischen Tageszeitungsverlagen und ARD/ZDF schon länger. Kern der Auseinandersetzung ist die Frage, was gebührenfinanzierte Sender im Internet sollen und dürfen. Wo TV und Print vor dem Internet zwei getrennte und oft sogar sich ergänzende Medienkanäle waren, prallen im Netz Angebote der Öffentlich-Rechtlichen mit denen der privatwirtschaftlich organisierten Verleger zusammen. Die Verleger sagen darum, dass "presseähnliche" Angebote der Sender den Markt verzerren – denn textbasierte Online-Angebote seien nun mal die Domäne der Verlage.

Der Streit eskalierte mit dem Start der Tagesschau-App für Smartphones und Tablets. Die Inhalte, die in der App abrufbar sind, stammen aus dem Web-Angebot von "tagesschau.de". Die Seite bietet nicht nur Video und Audio, sondern auch eine Menge Text zu den Nachrichtenthemen des Tages. Denn: In den Online-Redaktionen der Sender arbeiten eben auch Text-Journalisten. Gestört hatte die Verleger diese Tatsache bisher nicht sonderlich, denn da die Öffentlich-Rechtlichen ihre Webseiten nicht vermarkten dürfen, gab es keinen Stress.

Die App änderte die Sachlage aus Sicht der Verleger: Denn die gehen dazu über, für ihre Nachrichtenapps Geld von den Nutzern zu nehmen. Weil die Tagesschau-App aber kostenlos zu haben ist, heißt es nun: Die Öffis machen den kleinen App-Markt kaputt! Acht Verlage klagten gegen das Angebot, das Landgericht Köln riet den Beteiligten, sich untereinander zu verständigen. Das vorläufige Ergebnis: Der Entwurf eben jener "Gemeinsamen Erklärung". In der es heißen soll, dass sich die Sender "zurücknehmen" sollen, was die Verbreitung von Text über Apps angeht. Gleichzeitig sollen sich die Verlage ebenso "zurücknehmen", was die Verbreitung von Videos angeht.

"Was das wert ist, wissen wir alle nicht", heißt es bei den Beteiligten. Nicht ganz überraschend regte sich Widerstand der Online-Redaktionen der Sender. Denn die pochen darauf, auch Text verbreiten zu dürfen. Gleichzeitig ist es auch Sicht der Verlage auch höchst unglücklich, sich beim Video-Angebot zurückzunehmen. Das Konsenspapier will eine künstliche Aufteilung der Formate in einem Medienkanal, in dem Text, Bild, Ton und Bewegtbild zusammenfließen. Mithin wäre die Erklärung, würde sie denn unterschrieben, ohnehin nicht mehr als eine Absichtserklärung für einen Burgfrieden, der voraussichtlich nach einem Jahr wieder beendet wäre. Denn solange soll die Erklärung dem Vernehmen nach nur gelten.

Nun ist aber unklar, ob die Öffentlich-Rechtlichen nicht doch noch einen Rückzieher machen. Denn das Treffen, in dem ZDF-Chef Schächter, die ARD-Granden Monika Piel (WDR), Lutz Marmor (NDR) und Ulrich Wilhelm (BR), sowie die Verlagsvertreter Helmut Heinen (BDZV), Christian Nienhaus (WAZ-Gruppe) und Roland Gerschermann (FAZ) den Pakt unterzeichnen sollten, wurde nun bereits zum zweiten Mal verschoben. Ob Schächter die Unterzeichnung der ungeliebten Erklärung seinem Nachfolger Thomas Bellut überlassen will? Oder haben die Öffentlich-Rechtlichen nun prinzipielle Bedenken gegen den Deal? Die Beteiligten schweigen. Beim WDR hieß es auf Nachfrage nur knapp, ein neuer, "zeitnaher" Termin werde gesucht.   

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