Spotify, Simfy und der Datenschutzirrtum

Publishing Parallelen zum Facebook-Start: Der Deutschland-Launch von Spotify sorgte hierzulande für ein bislang einmaliges Medienecho. Doch die negativen Schlagzeilen nehmen zu. So hat das schwedische Start-up Ärger mit der Gema und wird derzeit von den Datenschützern zerpflückt. Vor allen Letzteres erinnert an den Markteintritt von Facebook. Geschadet hat die Datenschutz-Kritik damals nicht. Im Gegenteil: Facebook fegt seitdem die deutsche datenschutzkonforme Konkurrenz hinweg.

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Parallelen zum Facebook-Start: Der Deutschland-Launch von Spotify sorgte hierzulande für ein bislang einmaliges Medienecho. Doch die negativen Schlagzeilen nehmen zu. So hat das schwedische Start-up Ärger mit der Gema und wird derzeit von den Datenschützern zerpflückt. Vor allen Letzteres erinnert an den Markteintritt von Facebook. Geschadet hat die Datenschutz-Kritik damals nicht. Im Gegenteil: Facebook fegt seitdem die deutsche datenschutzkonforme Konkurrenz hinweg.

Den Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar ärgert sich in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) darüber, dass sich die Nutzer nur in Verbindung mit ihren Facebook-Account bei Spotify anmelden können. „Das Telemediengesetz verpflichtet die Internetdiensteanbieter, eine anonyme oder pseudonyme Nutzung des Dienstes anzubieten. Ein solches Recht wird aber nicht gewährt, wenn sich der User vorher bei Facebook registrieren lassen muss“, sagte Schaar. Schließlich fordere Facebook seine User auf, ihren vollständigen Namen anzugeben, und schließe eine pseudonyme Nutzung damit aus.

Sein Berliner Kollege Alexander Dix geht sogar noch einen Schritt weiter. Er warnte gegenüber der NOZ ganz konkret vor einer Nutzung des Streamingdienstes: „Da Facebook sich nicht an deutsches Datenschutzrecht hält, wie das Landgericht Berlin gerade bestätigt hat, kann man von der Nutzung des Dienstes Spotify nur abraten.“ Dix empfahl den Anbietern, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das mit dem deutschen Datenschutz kompatibel sei. Genau in diesem Bereich sind die einheimischen Anbieter wie Simfy schon einen Schritt weiter.

Sie halten sich an Verordnungen und haben einen ordentlichen Deal mit der Gema. Allerdings verscherzte es sich der deutsche Marktführer Simfy gerade erst mit seinen Kunden, weil in der Gratisversion die Dauer, die ein User pro Monate kostenlos den Dienst nutzten darf, von 20 auf fünf Stunden heruntergefahren wurde. Bei Spotify sind 20 Stunden erlaubt. Ein klarer Produkt-Pluspunkt für die Schweden. Nach einer Auswertung von Statista liegen Simfy und Spotify bei der Größe des Songarchives, mit jeweils 16 Millionen Titeln, immerhin gleichauf.

Die Historie zeigt allerdings, dass die Bedenken von Datenschützern die Deutschen kaum davon abhalten dürften, einen Dienst, der nicht hierzulande beheimatet ist, zu nutzen. Konkurrenten wie Simfy müssen aufpassen, nicht in die StudiVZ-Falle zu tappen.

Denn im Konkurrenzkampf mit Facebook machten die Berliner den Fehler, zulange auf die Datenschutzkarte zu setzen. Ihre Argumentation war: Im Gegensatz zu Facebook halten wir uns an alle Bestimmungen, deshalb sind wir für die einheimischen Nutzer letztendlich auch attraktiver. Dies war eine historische Fehleinschätzung.

Da Holtzbrinck sowohl die VZ-Gruppe kontrolliert, als auch ein Investor von Simfy ist, werden die Münchner ihre Erfahrungen in diesem Bereich sicherlich an das Management-Team weitergeben. Im Kampf um die Pole-Position im Markt der Musikstreamingdineste wird es nicht um Datenschutz, sondern ganz schlicht, um das beste Produkt gehen. Vor allem im Gratis-Bereich hat Spotify hier zur Stunde ganz klar die Nase vorn.

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