Verlage wollen keine Buhmänner sein

Publishing Die Zeitschriftenverleger wollen an ihrem Ruf als Digital-Unternehmer arbeiten. Themen wie zuletzt die Debatte um das Leistungsschutzrecht haben dazu geführt, dass Verlage sich zunehmend in der Rolle des Bremsers und Verteidigers des Status Quo wiederfanden, internationale Giganten wie Google, Amazon und Co. sich dagegen als Innovatoren darstellten. Diesem Eindruck will der VDZ nun entgegentreten. Christoph Schuh, ToFo-Vorstand, sagt über die Verlage: "Wir agieren aus einer Position der Stärke heraus."

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Der VDZ hatte am Rande der Konferenz Digital Innovators´ Summit zu einem Pressefrühstück geladen. Thema: "Wo stehen die Verlage heute digital und welche modernen politischen Rahmenbedingungen benötigen sie dafür?" Mit dabei: Christoph Schuh, Vorstand der Burda-Tochter Tomorrow Focus und Sprecher des VDZ-Arbeitskreises Digitale Medien, und Christoph Fiedler, Geschäftsführer beim VDZ für Europa- und Medienpolitik.

Die Geschäftsmodelle der "Big Four" Google, Amazon, Apple und Facebook beeinflusse das Geschäft der Verlage stark, sagte Schuh. Die weltweite Skalierung der Geschäftsmodelle bedeute ein "schwieriges Szenario für das weitere Wachstum der Medienunternehmen und der Start-up-Kultur in Europa". Aber, so Schuh: "Wir wollen nicht die Buhmänner der Nation sein. Wir wollen nur mit fairen Spielregeln gegen sie kämpfen."

Heißt mit anderen Worten: Nach Ansicht der Verleger sind die Spielregeln des Wettbewerbs auf dem digitalen Markt nicht fair. Beispiele, wo Schuh einen fairen Wettbewerb vermisst:

* Angebote wie Google Places konkurrierten mit verlagseigenen Angeboten wie Holidaycheck. Die Hotelbewertungen stammten originär vom Verlags-Anbieter, der Google-Service aggregiere diese Bewertungen nur und grabe an den Transaktionerlösen.

* Wegen unterschiedlicher Datenschutzbestimmungen in den USA könnten die Internet-Campanies "riesige Datenschätze" aufbauen, die Targetingmöglichkeiten für Werbemodelle deutlich verbesserten. Das Stichwort heißt hier: Big Data. "Auch wir könnten unsere Daten in Irland hosten", sagte Schuh. Aber das sei nicht die Absicht.

* Die Nutzer-Registrierung für "Infrastruktursysteme" wie etwa Google+ oder Facebook müsse zu fairen Bedingungen erfolgen. Diese seien derzeit nicht gegeben. Auch hier zielt der Einwand auf unterschiedliche Datenschutzbestimmungen in den USA und Europa ab.

Viviane Reding, die zuständige EU-Kommissarin, hatte unlängst Pläne für eine neue EU-Datenschutz-Verordnung vorgestellt. Der Clou soll dabei sein, dass die nationalen Regelungen allesamt (allein in Deutschland sind es etwa 30 unterschiedliche Gesetze) zugunsten einer einzigen EU-weiten Regelung verschwinden sollen. Gegen ein solches "level playing field" sei zunächst nichts einzuwenden, sagte Christoph Fiedler vom VDZ. Aber die Gefahr sei, dass "detaillierte nationale Regeln" durch "abstrakte Generalklauseln im europäischen Recht" ersetzt würden. Die Reding-Pläne seien zudem "schwer miteinander zu vereinbaren": Die Verordnung soll nämlich zugleich Innovation und Wettbewerb fördern wie bestehende Datenschutzregeln im Sinne der Nutzer verstärken.

Fiedler nannte weitere Knackpunkte für Verlage:

* Die Cookie-Regulierung dürfe sich nicht zuungunsten der Verlage verschlechtern. Die derzeitige Rechtslage sei unsicher. Die Förderung von Information und Kontrolle durch die Nutzer sei wichtig, ein "hartes Opt-in", bei dem Nutzer der Verwendung von Cookies explizit zustimmen müssten, wäre dagegen "eine Katastrophe" für die Zukunft der Online-Werbevermarktung.

* Login-Geschäftsmodelle (wie die von Facebook oder Google) dürften nicht gegenüber Geschäftsmodellen ohne Login (etwa mit Targeting-Methoden werbevermarktete News-Websites) bevorzugt werden.

* Es müssten die Datenschutzbestimmungen des Landes gelten, in dem Nutzer von Internet-Unternehmen adressiert werden.

* Die Durchsetzung des Leistungsschutzrechts sei "unverzichtbar". Urheberrechtsschutz und Pressefreiheit seien miteinander vereinbar, so Fiedler.

Das Fazit des VDZ-Manns: "Durch falsche Entscheidungen bei rechtlichen Rahmenbedingungen" könne die "aktuelle Situation der Stärke von Medienunternehmen" schnell in das Gegenteil umgekehrt werden. Es drohe sogar das Ausscheiden europäischer Player. "Aufklärungsarbeit" sei nun zwingend erforderlich.

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