Springer öffnet die digitale Musiktruhe

Publishing Die Springer Musikzeitschriften Rolling Stone, Musikexpress und Metal Hammer öffnen ihre Archive. Ab sofort lassen sich alle bisher erschienenen Ausgaben digital nachlesen und –blättern. Springer wäre nicht Springer, wenn es das kostenlos gäbe: Die digitale Musiktruhe zu öffnen, kostet 24,99 Euro im Jahr. Print-Abonnenten bezahlen 9,99 Euro im Jahr zusätzlich. Für Musikfans ist "Rewind", so der Name des Archivs, das reine Vergnügen.

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Das Musikarchiv "Rewind" habe ein "absolutes Alleinstellungsmerkmal" lobt Petra Kalb, die Verlagsgeschäftsführerin des Axel Springer Mediahouse Berlin, das neue Angebot. Das schon lange in der Planung war und etwa neun Monate Entwicklungszeit benötigte. Kein kleiner Aufwand, aber ein Projekt mit Berechtigung. Musikfans, die womöglich eine gedruckte Musikzeitschrift abonniert haben, werden sich mit Wonne durch das gut als E-Magazin aufbereitete Archiv blättern, von Jahr zu Jahr oder zwischen den Zeitschriften springen, oder in YouTube-Manier nach längst vergessenen Bands oder alten Helden suchen.

Der springende Punkt: Zwar ist der Anteil an Menschen, die Musik nur noch digital und möglichst kostenlos hören wollen, in den vergangenen Jahren gestiegen. Doch die zugegeben kleine Gruppe von Fans, die sich noch CDs oder gar Vinyl kaufen, dürften gegenüber diesem Angebot durchaus aufgeschlossen sein. "Unsere Kernzielgruppe sind Musik- und Kulturliebhaber, die gerne bereit sind, für exklusive Inhalte zu zahlen", sagt Kalb. Zusammengezählt kommen die drei Titel auf gut 30.000 Abonnenten. Die dürfte es bei der Verlängerung ihres Abos vermutlich weniger Überwindung kosten, noch zusätzliche zehn Euro für den Zugang zum Archiv zu bezahlen. Anders formuliert: Menschen, die ohnehin schon der Gemeinde angehören, legen sicher schneller einen zusätzlichen Schein in den Klingelbeutel als Menschen, die erst noch konvertiert werden müssen.

Madonna, Trio, Metal-Monster: Schätze aus dem Archiv

Den Musikexpress gibt es bereits seit 1969, entsprechend ist die Entwicklung der Zeitschrift, die damals eher wie ein Fanzine aussah, besonders augenfällig. Aber auch Metal Hammer (seit 1984) und die deutsche Ausgabe des Rolling Stone (seit 1994) lassen beim Blättern Nostalgie aufkommen. Alle drei Titel gehörten nicht von Beginn an zu Springer, der Verlag hatte sie zu verschiedenen Zeitpunkten von anderen Verlagen übernommen.

Da das E-Magazin mit einer Flash-Anwendung vom Anbieter 3D-Zeitschriften läuft, ist das Angebot über Apples iPad noch nicht nutzbar. Dies soll in einem weiteren Entwicklungsschritt funktionieren. Die Artikel lassen sich aber auch in einem reinen Textmodus lesen. Diese Texte sind aber auch über eine "first click free"-Funktion einmalig etwa über Google und Facebook les- und mit Freunden teilbar. Das jeweils aktuelle E-Paper, das der Verlag ebenfalls anbietet, soll das Archiv indes nicht ersetzen – die jeweils letzten drei Ausgaben sind im Archiv nicht zugänglich.

Fazit: Ein kleines, aber feines Projekt für Liebhaber. Das für den Verlag keine sprudelnde Geldquelle öffnet, aber vor allem Abonnenten noch stärker an die Titel bindet und ihre Zahlungsbereitschaft auf charmante Weise noch etwas stärker strapaziert. Neue Leser über den üblichen Austausch zwischen Kündigern und Neubestellern hinaus zu gewinnen, dürfte ohnehin vergebliche Liebesmüh´ sein. In den vergangenen zehn Jahren stieg zwar die Zahl der Abonnenten aller Titel (vor allem wegen der guten Entwicklung des Metal Hammer), aber die Zahl der Kiosk-Käufer sank pro Ausgabe von knapp 114.000 Exemplaren (2001) auf knapp 65.000 (2011). Trotz üblicher Beilagen wie CDs. Darum heißt die Formel heute: digitale Mehrwerte schaffen.  

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