Schuh: Focus Online rückt SpOn näher

Publishing Die Tomorrow Focus AG hat für das Geschäftsjahr 2011 hervorragende Zahlen vorgelegt. Vorstand Christoph Schuh freut sich besonders über die Gewinne beim Advertisinggeschäft und bei Focus Online. Das Online-Angebot des Focus sieht er bei der Reichweite sogar auf den Spuren von Spiegel Online. Ansonsten erzählt Christoph Schuh im Interview mit MEEDIA, wie er zum Abmahn-Wahn bei Datingportalern steht und wie die Tomorrow Focus AG unabhängiger vom Zugpferd HolidayCheck werden will

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Focus Online und die Online-Vermarktung habe maßgeblich zum guten Geschäftsergebnis beigetragen heißt es in der Mitteilung zu den Zahlen für 2011. Können Sie das präzisieren?

Die Jahreszahlen der Tomorrow-Focus-Gruppe sind überaus erfreulich: Ein operatives Umsatzwachstum von 20% und ein EBIT-Wachstum von sogar 33% zeigen uns, dass der eingeschlagene Wachstumspfad genau richtig ist. Besonders hervorzuheben sind für uns in der Tat die Ergebnisse unseres Advertisinggeschäfts: Während wir hier im Vorjahr noch einen Verlust von 1 Mio. Euro zu verzeichnen hatten, liegt in diesem Jahr das EBIT bei positiven 3 Mio. Euro. Focus Online war 2011 profitabel und wuchs auf ein Nettoumsatzniveau von über 10 Mio. Euro. Aber auch das Vermarktungsgeschäft von Tomorrow Focus Media boomt: Mit einem Umsatzwachstum von über 20% in 2011 haben wir weiter Marktanteile im Displaysegment gewonnen und setzen diesen Kurs auch in 2012 fort. Die beiden Geschäftsführer Oliver Eckert und Martin Lütgenau machen wirklich einen sehr guten Job!

Spiegel Online und Bild.de haben den Rest der Online-News Portale abgehängt. Wie sehen sie die Positionierung von Focus Online in dem schwierigen Segment?

Aus unserer Sicht zeigt sich ein anderes Bild: Focus Online liegt mit aktuell 8,8 Mio. Unique Usern (AGOF) auf einem starken dritten Platz, gemessen an der Reichweite nur noch 1,4 Mio. User hinter Spiegel Online und 3,5 Mio. User hinter dem nicht unmittelbar vergleichbaren Angebot von Bild.de. Nach Visits wächst Focus im Januar im Jahresvergleich um über 50%, Spiegel und Bild um jeweils unter 30%. Die Abstände verringern sich langsam und unser Chefredakteur Daniel Steil hat für 2012 noch einige Ideen, wie wir den Abstand weiter verringern können.

Zugpferd der Bilanz ist nach wie vor HolidayCheck – wann ist da ein Ende des Wachstums erreicht?

Wir sehen bei HolidayCheck für die nächsten Jahre weiterhin jährlich zweistellige Wachstumspotenziale. Einerseits ist die Transformation der Reisebuchungen aus den Reisebüros in den Onlinekanal noch lange nicht abgeschlossen. Deshalb wächst der Online-Reisemarkt auch die nächsten Jahre stetig. Ferner haben wir in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich unsere Internationalisierungsaktivitäten verstärkt: In Polen und Frankreich sind wir bereits mit eigenen Landesteams vor Ort. Mit Erfolg – in zählt HolidayCheck.pl nach Reichweite bereits zu den größten Reiseportalen des Landes und auch HolidayCheck.pl wächst kräftig. Parallel prüfen wir in mehreren Ländern den Markteintritt über Zukäufe.

Wie kann Tomorrow Focus unabhängiger von HolidayCheck werden?

Unser Tomorrow Focus-Geschäft fußt auf den drei Säulen Transactions, Advertising und Technologie. Das Transactions-Geschäft mit HolidayCheck, ElitePartner und Jameda vereinnahmte in 2011 genau zwei Drittel des Umsatzes, das Advertising-Geschäft ein Viertel und das Transactionsgeschäft mit TFT und Cellular 10%. HoldidayCheck ist sicherlich der wichtigste Umsatz- und Ergebnistreiber. In einer vergleichbaren Situation sind jedoch viele Unternehmen: Denken Sie z.B. an die Dominanz der RTL Group innerhalb der Bertelsmann-Gruppe oder in sehr extremer Form die Dominanz der Suchumsätze bei Google. Momentan sind wir intensiv auf der Suche nach weiteren Akquisitionszielen insbesondere in den drei Bereichen Travel, Advertising und Dating. Gut möglich, dass sich das Bild je nach Akquisition deutlich verändert.

Wie beurteilen Sie den Konsolidierungskrieg mit juristischen Auseinandersetzungen im Markt der Partnervermittlungen, an dem Sie mit ElitePartner aktiv teilnehmen?

Als Marktführer in Deutschland haben wir ein besonderes Interesse, dass der Markt nicht durch unnötige PR-Schlachten über gegenseitige Abmahnungen in Mitleidenschaft gezogen wird. Wenn dies andere Spieler anders sehen, bleiben wir dennoch bei unserem Kurs und reagieren auf unsere Weise in der direkten Auseinandersetzung mit dem Wettbewerber. Inzwischen ist glücklicherweise wieder etwas mehr Vernunft eingekehrt und die Marktteilnehmer konzentrieren sich stärker auf das operative Geschäft. Wir hatten im Übrigen mit ElitePartner einen sehr guten Start in das Jahr 2012, wachsen weiter in Umsatz und gerade auch in der Profitabilität.

Welche Rolle spielt Mobile Advertising für Tomorrow Focus? Wurden die hohen Erwartungen in dieses Geschäft bisher erfüllt?

Wir haben bis Ende vergangenen Jahres beim Mobile Advertising bewusst die Rolle des second movers gespielt und nur wenig dedizierte Ressourcen in die mobile Vermarktung investiert. Nun, wo der Markt eine kritische Größe erreicht hat, haben wir aktiv in zusätzliches Personal investiert und auch die Zweitvermarktung wieder in eigene Regie zurückgeholt. Wir erwarten für dieses Jahr mehr als 100% Wachstum und die ersten Zahlen für 2012 geben uns Recht.

Was hat die Einführung der Burda Digital für Tomorrow Focus gebracht?

Burda Digital erwartet in diesem Jahr ca. 1,2 Mrd. Euro Digitalumsätze und ist damit einer der größten Digitalspieler in Europa. Wir als Tomorrow Focus sind sehr stolz, ein Teil dieses Verbundes zu sein. Wir pflegen einen intensiven Austausch, treffen uns regelmäßig und ziehen für uns einen echten Mehrwert aus diesem Flottenverband.

Spätestens Ende des Jahres wechselt CEO Stefan Winners in den Burda Vorstand. Was wird sich – außer einem neuen Chef – dann für Tomorrow Focus ändern?

Zunächst einmal sind wir natürlich traurig, dass wir Stefan Winners als sehr geschätzten Teamplayer aus der Tomorrow-Focus-Gruppe verlieren und er in die Rolle des Burda-Vorstandes wechselt. Ansonsten existiert bzgl. des weiteren Geschäftsverlaufes eine mit dem Aufsichtsrat verabschiedete Langfristplanung, die wir gemeinsam mit dem neuen CEO diskutieren werden. Aus unserer Sicht besteht kein besonderer Handlungsbedarf, diesen erfolgreichen Strategiepfad zu verlassen.

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