Wulff-TV in der ARD-Endlosschleife

Fernsehen Da saßen sie beisammen in Günther Jauchs Gasometer und verbreiteten heiße, dünne Luft: Der Wulff-Kritiker Bodo Ramelow, der Wulff-Verteidiger Peter Altmeier, der Wulff-Freund Heinz-Rudolf Kunze und die Medienvertreterin Ines Pohl sowie als Bonus Henning Scherf als Gegenentwurf zu Wulff. Und alles, alles, was in den vergangenen Tagen schon zigfach gesagt und gesendet wurde, wurde zur besten Sendezeit einfach noch einmal durchgekaut. Die Themen-Not muss gewaltig gewesen sein.

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Dabei dürfte Günther Jauch für seine Quote noch Glück gehabt haben, dass vor ihm der Klamauk-Krimi des Münster-”Tatorts” lief, von dem gewiss einige Zuschauer hängen geblieben sind. 5,63 Mio. Zuschauer sind aber keinesfalls ein Indiz für die Qualität der ARD-Sendung. Nach einem Münster-“Tatort“ könnte die ARD wahrscheinlich auch einen Besenstiel und ein paar Schaufensterpuppen ins Studio stellen und würde noch einige Millionen Zuschauer holen.

Wenn es irgendeine Art von TV-Gott geben würde, dann hätte sich an diesem Sonntagabend die Erde auftun müssen und Günther Jauch samt seiner Wulff-Runde und dem Gasometer wären hinabgefahren ins Fegefeuer der Laberei. Dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit über Christian Wulff zu debattieren. Obwohl: beim Ansehen der Sendung konnte der Verdacht aufkommen, dass sie sich genau da bereits befinden.

Da wurde allen Ernstes zum X-ten Mal vorgerechnet, wie viel der Ex-Bundespräsident da jetzt an Ehrensold im Vergleich zum kleinen Mann bekommt. Zum hundertfuffzigsten Mal wurde der ZDF-Ausschnitt gezeigt, in dem Wulff vor seinem Amtsantritt gesagt hat, dass die Ruhebezüge des Bundespräsidenten gekürzt werden sollten. Ja, der Anruf auf der Diekmann-Mailbox und das Fernsehinterview in der ARD wurden auch wieder thematisiert. Und der Zapfenstreich und die Würde undsoweiter bis in alle Ewigkeit.

Neben Wulff-Fan Heinz-Rudolf Kunze, CDU-Allround-Laberbacke Peter Altmeier und Ines Pohl (von Bild, Spiegel und Süddeutsche hatte vermutlich keiner mehr Lust zu kommen) saßen da noch Henning Scherf als eine Art glorioser Anti-Wulff und der Linken-Politiker Bodo Ramelow, der mal dies mal das sagte und sich zwischendurch recht künstlich aufregte – womöglich weil ihm jemand gesagt hat, dass man das so macht beim Jauch.

Der Moderator selbst blieb blass und stellte dieselben Fragen, die er schon bei seiner ersten Wulff-Sendung gestellt hatte. Nur einmal war Jauch nicht blass, sondern wurde direkt ein bisschen rot. Als nämlich mal wieder verglichen wurde, wie viele Fantastilliarden der Ex-Bundespräsident nun im Vergleich zu kleinen Beamten oder zur Schlecker-Kassiererin einstreicht. Da wies Henning Scherf den Günther Jauch recht trocken darauf hin, dass er, der Jauch, ja auch sehr viel mehr verdiene als zum Beispiel die Bundeskanzlerin und dass das dann vielleicht auch nicht unbedingt "gerecht" sei. Und Ines Pohl erklärte, man dürfe in der Diskussion um Politiker-Gehälter und Ruhebezüge die Hinterbänkler nicht ständig mit den Ackermanns dieser Welt vergleichen. Da wäre vielleicht ein Thema drin gewesen.

Nicht für Jauch. Ehe da noch eine allgemeine Gehalts-Gerechtigkeitsdebatte am besonderen Beispiel von ihm angezettelt wurde. Dann doch lieber die vermeintlich sichere und ganz und gar offensichtliche Wulff-Nummer. Tausendmal gehört, tausendmal bewährt. Ganz egal, wie ausgelutscht. Sinngemäß sagte Günther Jauch nach seiner Talk-Premiere im Ersten, es werde bessere und schlechtere Sendungen geben. Die Wulff-Show vom gestrigen Sonntag war eine der ganz schlechten.

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