Verlage spritzen „digitales Botox“

"Wir brauchen mehr Verlage, die kreative Risiken eingehen", sagt Juan Senor von Innovation Mediaconsulting, einer internationalen Beratungsagentur für Medien. Manche Verlage spritzten bisher nur "digitales Botox" in ihre gedruckten Magazine, ohne guten Journalismus zu fördern. Senor stellt einmal im Jahr bei einem Digitalkongress des VDZ die wichtigsten Innovationen von Zeitschriftenverlagen vor. Vorn dabei in diesem Jahr: Hearst, Sports Illustrated und Top Gear.

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"Wir brauchen mehr Verlage, die kreative Risiken eingehen", sagt Juan Senor von Innovation Mediaconsulting, einer internationalen Beratungsagentur für Medien. Manche Verlage spritzten bisher nur "digitales Botox" in ihre gedruckten Magazine, ohne guten Journalismus zu fördern. Senor stellt einmal im Jahr bei einem Digitalkongress des VDZ die wichtigsten Innovationen von Zeitschriftenverlagen vor. Vorn dabei in diesem Jahr: Hearst, Sports Illustrated und Top Gear.

"Viele Zeitschriften sterben einen langsamen Tod", sagte Senor beim Digital Innovators´ Summit, den der Zeitschriftenverlegerverband VDZ gemeinsam mit dem Magazin-Weltverband FIPP jährlich in Berlin ausrichtet. Erstmals in der Geschichte sei das Problem von Zeitschriften nicht, dass Leser fehlten. Via Internet gebe es so viele Leser wie nie. Das Problem seien fehlende Erlöse. Senor glaubt, dass auch in der digitalen Welt die Story immer noch die höchste Priorität genießen müsste. Er nennt das "Story first, platform second approch". Die Plattform, auf der eine Geschichte erzählt werde, sei "nicht die Botschaft". Bevor man zu "digitalem Botox" greife, um alternde Titel aufzuspritzen, müsse ein Medienunternehmen Innovation und guten Journalismus an erste Stelle setzen.

Ganz wesentlich für alle Verlage sei die Integration von Print und Online. Beispielhaft vorgemacht habe das die US-Zeitschrift Sports Illustrated. Ein Beispiel, wie neue Erlöse generiert werden könnten, sei das Shopping-Konzept, das der US-Verlag Hearst für seine Titel umsetze. Per Mouse-over können Produkte direkt von der Website der Hearst-Titel gekauft werden. Im "Innovations in Magazine Media 2012 World Report" hervorgehoben wird auch die Augmented Reality-Ausgabe des britischen Automagazins Top Gear.

Als deutsche Innovation wird in dem Innovationsreport u.a. das Magazin Landlust porträtiert. Interessanterweise dient die ungemein erfolgreiche Zeitschrift als Beispiel für ein Blatt, das die digitalen Medien bisher eher mied und voll auf "slow media" setzt. Doch freilich gibt es auch zu den internationalen Beispielen, die Senor nannte, deutsche Pendants, etwa das neue G+J-Magazin Season als Magazin mit erweiterter Shopping-Website. Und erst kürzlich verkündete die Axel Springer AG, die Computer Bild-Gruppe werde ihre Print- und Online-Aktivitäten integrieren.

Soziale Medien werden laut Senor, der den Report mit seinem Kollegen John Wilpers vorstellte, immer wichtiger für Medienmacher. Journalisten sollten zehn Prozent ihrer Zeit in sozialen Netzwerken verbringen, empfehlen die Berater. Ein Medium, das nicht sozial denke, sei kein gutes Medium. Nachdem Twitter und Facebook bereits erobert seien, müssten vor allem Lifestyle-Medien nun das Netzwerk Pinterest für sich entdecken. Ein weiterer Rat: Pro fünf redaktionelle Mitarbeiter müssten Verlage einen Digital-Entwickler einstellen. 

In seiner Eröffnungsrede rief Alexander von Reibnitz, Geschäftsführer Digitale Medien und Anzeigen beim VDZ, den Verlegern zu mehr Kooperation, um es mit der "Gang of Five" Apple, Google, Facebook, Amazon und Microsoft aufnehmen zu können. Der Digital Innovators´Summit findet zum fünften Mal statt. 

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