Beate Wedekind: Wanderin zwischen Welten

Publishing Beate Wedekind war Chefredakteurin von Bunte und Elle, sie hat die Goldene Kamera von Springer organisiert, für viele große Verlage entwickelt und produziert. Was die Journalistin besonders macht: Vor vielen Jahren hat sie den Absprung aus dem Hamsterrad des Medien-Business geschafft. Sie arbeitet heute in erster Linie an Projekten, die ihr am Herzen liegen. Am Donnerstag stellte sie ihr Magazin 365_oneworld vor. Es soll einmal jährlich erscheinen, die erste Ausgabe widmet sich Äthiopien.

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Gerade habe sie auf ihrer Facebook-Seite geschrieben, dass sie im Café der taz sitze, erzählt Beate Wedekind, die im Café der taz sitzt. Kurze Zeit später gefällt dieses kleine Posting 63 Personen, ein Dutzend Kommentare sind eingegangen. Bei 4.419 Freunden in dem Social Network ist das ein eher alltägliches Erlebnis für Wedekind. "Für mich gibt es kein besseres Kommunikationsmittel als Facebook", sagt sie. "Das funktioniert, jedenfalls so wie ich es benutze, wie meine eigene Tageszeitung." Sie hat in dem Netzwerk eine ganz eigene Sprache gefunden, die Reaktionen geradezu einlädt, weil sie direkt und unverstellt ist.

Eine Aussteigerin, die immer online ist

Beate Wedekind ist eine Medien-Aussteigerin, die gleichzeitig ihre Liebe zu den Medien und den Kontakt zu den Medienmachern nie abgelegt hat. Die sich früh morgens an den Computer setzt, um die Presse zu scannen und zu kommentieren. Die mehrmals täglich Erlebnisse und Eindrücke postet, ob sie nun in Berlin-Neukölln ist, in ihrem kleinen Haus auf Ibiza oder auf Reisen. Darum verwundert es auch kaum, dass es zu Beginn des Gesprächs erstmal ein schnelles Update gibt. Was ist mit Gottschalk, warum funktioniert das mit seiner Sendung noch nicht? Den neuen Redaktionsleiter Markus Peichl kennt Wedekind natürlich genauso wie Thomas Gottschalk selber, der viele Preisverleihungen moderierte, die sie organisiert hat. Warum waren die klassischen Medien eigentlich so langsam heute morgen, als die Tochter der schwedischen Kronprinzessin Victoria auf die Welt kam? Die offizielle Meldung des Königshauses war doch schon längst online. Und was ist von dem neuen Interview-Magazin zu halten, was von Bauers Zeitschrift Cover, die sie sich noch kaufen muss? Fest angestellte Journalistin wolle sie schon seit vielen Jahren nicht mehr sein, sagt Wedekind. 1993 gab sie die Bunte-Chefredaktion ab. Manchmal sagt sie, sie sei damals "erlöst" worden. "Ich entdeckte schnell die Vorzüge des freien Arbeiten."

Ziemlich genau 19 Jahre nach ihrem Abschied bei Bunte geht es aber um Wedekinds eigene Zeitschrift. Die, auch wenn es vermutlich etwas pathetisch klingt, so etwas wie ein gedrucktes Credo der heute 60-jährigen Wedekind ist. Der Wedekind, die sagt: "Ich liebe die Freiheit. Und darum will ich auch veröffentlichen, wie und wann ich will." Das Ergebnis ihrer Arbeit von zwei Jahren ist nun (fast) fertig und heißt 365_oneworld. Zur Internationalen Tourismus Börse (ITB) stellte die Journalistin ein Preview des Magazins vor, das am 19. April erscheint. Auf 364 Seiten gibt es nur ein Thema: Äthiopien. Seit Wedekind Mitte der 70er Jahre für den Deutschen Entwicklungsdienst in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gearbeitet hat, lässt sie das Land in Afrika nicht los. Zwei bis drei Monate im Jahr verbringt sie dort. Sie verbindet eine enge Freundschaft mit Karlheinz Böhm und seiner Frau Almaz – der ehemalige Schauspieler ist Gründer der Stiftung Menschen für Menschen.

Gedruckte Liebeserklärung an ein Land

Und warum ein ganzes Magazin über Äthiopien? "Ich bin es leid, immer nur Negatives über Äthiopien zu lesen", sagt Wedekind. Auf ihrem Macbook pappt nicht nur zufällig ein Aufkleber, "I love Ethiopia". Die erste Ausgabe von 365_oneworld ist nun so etwas wie eine umfassende Liebeserklärung an das Land. In der Presse werde nur berichtet, was in das Weltbild der Menschen passe, kritisiert Wedekind. "Und dieses Weltbild sagt, dass Äthiopien das ärmste Land der Welt ist. Ich will aber auch zeigen, wo das Land aufblüht, wo die Zukunft schon angekommen ist, will die Potenziale und Perspektiven zeigen, die Talente, vor allem der jungen Generation." Solche Entwicklungen sehe man aber nur, wenn man sie auch sehen wolle. Wedekind: "Viele werden sich über diesen positiven Ansatz das Maul zerreißen, dem sehe ich gelassen entgegen."

Was erwartet nun die Leser der Zeitschrift, die Wedekind zusammen mit dem jungen äthiopischen Film- und Medienmacher Khalid Abdullahi entwickelt und produziert hat? Eindrucksvolle Fotos, u.a. von Starfotograf Michael Poliza. Hintergründe über die Zukunft der Wirtschaft Äthiopiens. Ein Gespräch unter Frauen, die ihr Heimatland verließen und später wieder zurückkehrten. Erfolgsgeschichten, vom Läufer Haile Gebrselassie bis zu Popstar Teddy Afro. Ein Essay von Außenminister Guido Westerwelle. Ein Streifzug durch die Szene von Addis. Auf Starautoren habe sie weitgehend verzichtet, sagt Wedekind. Die Hälfte der Ausgabe habe sie ohnehin selber geschrieben. Mit Carola Frentzen, der Ostafrika-Korrespondentin von dpa, und dem freien Journalisten Philipp Hedemann habe sie zwei versierte Äthiopien-Kenner für das Projekt gewonnen. Und der bekannte Art Director Walter Schönauer (u.a. Vanity Fair, Rolling Stone) hat das Erscheinungsbild von 365_oneworld entwickelt. 

Hier zur MEEDIA-Bildergalerie von 365_oneworld.

Die Anzeigenvermarktung hat der nicht minder bekannte Media-Mann Thomas Koch übernommen, der mit Klaas Glenewinkel die Agentur Plural gegründet hat, die auf Kampagnen in Schwellenländern spezialisiert ist. Gedruckt werden 20.000 Exemplare, die zum Preis von 20 Euro verkauft werden. "Die Abnehmer sind vor allem Institutionen, Firmen und Privatpersonen, die ein Interesse daran haben, dass Äthiopien in einem anderen Licht erscheint als bisher." Schon jetzt sei das Projekt "so gut wie finanziert". Allein über Facebook – wen wundert´s – gingen bisher knapp tausend Bestellungen ein.

Print als Ergänzung zu Online

Selbst als Facebook-Aficionada glaubt Wedekind nicht, dass die Zeit für gedruckte Innovationen vorbei sei. "Aber während Webseiten früher eher Ergänzungen zu Printmedien waren, ist Print heute auch eine Ergänzung zu Online." Welches das Thema für die nächste Ausgabe von 365_oneworld sein wird, weiß Wedekind auch schon: das Altern. Wie beim Thema Äthiopien würden die Menschen hier mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Altern sei schrecklich? Eine Legende, findet Wedekind. 365_oneworld ist ihre Antwort auf Vorurteile dieser Art. Das Gespräch im taz-Café ist beendet, Beate Wedekind macht sich nun auf den Weg in die Mittelbar, das Café im Springerschen Verlagshaus. Man muss sich die Journalistin als eine glückliche Pendlerin zwischen den Welten vorstellen.  
 
Bestellungen des Magazins per Mail an: wwwedekind@googlemail.com

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