SZ: Botenjob für Redakteure „rein freiwillig“

Publishing Die Schwäbische Zeitung erweitert das Berufsbild des Tageszeitungsjournalisten: Geht es nach einem Plan der Verlagsführung, sollen die Mitarbeiter vor ihrem Redaktionsdienst das Blatt auch noch selbst austragen. Eine Idee, die seit Dienstag für Aufsehen in der Branche sorgt. Im MEEDIA-Interview versucht der Chefredakteur Hendrik Groth zu beschwichtigen: "Es gibt überhaupt keine Aufforderung oder Verpflichtung von Redakteuren, Zeitungen auszutragen. Das ist rein freiwillig".

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Der Tageszeitung aus Leutkirch fehlt es zur Zeit an Zustellern. Deshalb ging bei den Redakteuren der Schwäbischen Zeitung laut Journalist.de folgende Mail ein: "Heute wenden wir uns mit einer ungewöhnlichen Bitte an Sie". Weiter heißt es: "Wir bitten Sie, auf freiwilliger Basis und zeitlich befristet im Notfall als Zusteller einzuspringen." Das sollte aber höchstens einmal pro Jahr und dann längstens für zwei Wochen sein. Für den zusätzlichen Job sollen die Mitarbeiter zehn bis 15 Euro für die veranschlagten ein bis eineinhalb Stunden verdienen. Die Redakteure hätten sich zunächst über die Mail belustigt, wären aber auch schockiert gewesen, kolportiert Journalist.de. Eine Reaktion, für die Chefredakteur Hendrik Groth wenig Verständnis aufbringt.
Bekannt wurde die Aktion durch eine Rundmail an die Mitarbeiter. War diese als Aufforderung zu verstehen?
Es gibt überhaupt keine Aufforderung oder Verpflichtung von Redakteuren, Zeitungen auszutragen. Das ist rein freiwillig. Es ist der Versuch, Mitarbeiter für unsere Probleme zu sensibilisieren. Man kann darüber debattieren, ob er richtig ist oder falsch. Fakt ist: Wir haben dramatische Probleme bei der Zusteller-Situation. Es gibt wirklich Bereiche, wo man überlegen muss auf eine Postzustellung umzusteigen, und das ist natürlich für eine Zeitung ziemlich übel.
Hätte man die Probleme nicht anders kommunizieren müssen?
Ich war nicht überrascht über die Mail, weil mir die Probleme bewusst sind. Das war einfach der Versuch, auch einmal für die Probleme anderer Abteilungen des Hauses zu sensibilisieren.
Wie stehen Sie persönlich als Chefredakteur dazu, dass ihre Redakteure jetzt zusätzlich noch die Zeitung austragen sollen?
Noch einmal zur Klarstellung: Es gibt keine (rpt. keine) Aufforderung oder Verpflichtung, dass Redakteure austragen sollen. Es ist, ich wiederhole mich, der Versuch, auf eine schwierige Situation aufmerksam zu machen. Wer mag kann, wer nicht möchte, auch ok.
Werden Sie jetzt auch zum Zeitungsjungen?
Ich wollte es gar nicht an die großen Glocke hängen, aber ich wollte im Sommer mal mitlaufen, um ein Gefühl für die Leute zu bekommen. Aber wenn ich das mache, werde ich es vorher keinem verraten. Das hätte ich ohnehin einmal gemacht, weil es für einen Chefredakteur eine Selbstverständlichkeit sein sollte, zu wissen, wie sein Laden funktioniert.
Wie viele Mitarbeiter werden bei der Aktion mitmachen?
40 Mitarbeiter wollen teilnehmen. Aber ich weiß nicht, ob darunter auch Redakteure sind. Und ich frage auch ganz bewusst nicht nach. Es gibt keine Liste. Es gibt auch weder einen imaginären Pluspunkt für die nächste Beförderung oder ein Malus.

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