MA: Die Top-Radiosender der Bundesländer

Die bundesweiten Radio-MA-Zahlen sind interessant, doch wirklich spannend ist der Blick auf die einzelnen Bundesländer. Im stark fragmentierten und regionalisierten Radiomarkt Deutschlands zeigt sich besonders hier, wer wie erfolgreich ist. MEEDIA blickt daher auf die Tagesreichweiten der Sender in allen 16 Ländern, inklusive der Kanäle, die keine Werbung senden. Führungswechsel gab es diesmal in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern, erstaunliche Ergebnisse u.a. in Niedersachsen und NRW.

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Im Gegensatz zu den Zahlen der werberelevanten Sender, die wir an dieser Stelle bereits analysiert haben, konzentrieren wir uns beim Blick in die 16 Bundesländer nicht auf besonders werberelevante Durchschnittsstunden, sondern auf die Tagesreichweiten von Montag bis Freitag. Wie viele Hörer erreichen die Sender also pro Tag? Und vor allem: Welche Sender – egal, ob sie Werbung ausstrahlen oder nicht – sind wirklich die beliebtesten in den Regionen?

Beginnen wir unsere Deutschlandreise wie immer im Norden. In Schleswig-Holstein haben die vier erfolgreichsten Sender allesamt bei den Tagesreichweiten verloren. Marktführer R.SH büßte verhaltene 10.000 Hörer ein, die Nummer 2 und 3, NDR 1 Welle Nord und NDR 2, verabschiedeten gleich 53.000 bzw. 43.000 Hörer. Neu in der Top 5 ist delta radio, das sich mit einem Plus von 37.000 bzw. 20,6% an Radio Hamburg vorbei schob. Erwähnenswert abseits der Top 5: NDR Kultur legte um 20.000 zu.

Nur Gewinner gibt es hingegen in der Hamburger Top 5. Allen voran gewann NDR 2, Verlierer in Schleswig-Holstein, hier 24.000 Hörer bzw. 10,4% hinzu. Klare Nummer 1 bleibt aber Radio Hamburg mit 407.000 Hörern pro Tag. Der größte Verlierer Hamburgs findet sich nicht innerhalb der Top 5: alster radio büßte 22.000 Hörer bzw. heftige 31% gegenüber der vorigen ma 2011 II ein.

Ähnlich wie in Schleswig-Holstein sieht es in Niedersachsen aus, denn auch hier büßte die Top 5 komplett Hörer ein. Marktführer NDR 1 Niedersachsen verliert mit 216.000 das größte Publikum, bleibt mit 1,555 Mio. aber Erster vor radio ffn, das mit 15.000 vergleichsweise kleine Verluste erleidet. Ebenfalls noch über der Mio.-Marke bleibt NDR 2, unter die Mio. gerutscht ist hingegen Hit-Radio Antenne. Einziger (kleiner) Gewinner innerhalb der Top 5 ist N-Joy, die größten Gewinner aller Sender finden sich weiter hinten. Sie heißen interessanterweise Deutschlandfunk (+81.000) und NDR Info (+78.000). Niedersachsen wollten in der jüngeren Vergangenheit offenbar also Informationen aus ihrem Radio.

In Bremen wiederum gibt es in der Top 5 fast nur Gewinner. Einzig NDR 1 Niedersachsen verlor auch hier mit 10.000 (14,3%) deutlich. Weiter nach oben schossen hingegen die Hörerzahlen der Nummer 1 Bremen Vier: Mit nun 179.000 Hörern pro Tag baute der Sender seinen Vorsprung auf Bremen Eins weiter aus. Energy Bremen überholte NDR 1 und findet sich nun auf der 3, ein massiver Gewinner abseits der Top 5 ist N-Joy mit einem Plus von 9.000 bzw. 112,5%.

In Nordrhein-Westfalen enteilt der Lokalsender-Verbund radio NRW der Konkurrenz weiter nach Belieben. Mit 5,523 Mio. täglichen Hörern hat man nicht nur einen Vorsprung von mehr als 2 Mio. auf 1Live, man ist mit dem Plus von 3,1% auch der einzige Gewinner innerhalb der Top 5. Die vier großen WDR-Sender büßten hingegen allesamt Publikum ein, am deutlichsten WDR 4 und WDR 4 mit jeweils mehr als 100.000. Massiv verloren hat abseits der Top 5 auch der Deutschlandfunk mit 104.000 weniger Hörern, deutlich zugelegt hat bigFM Hot Music Radio aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz (+72.000).

Bevor wir später nach Bayern kommen, müssen wir Antenne Bayern schon jetzt würdigen: Der Sender gehört nämlich in Hessen zu den großen Gewinnern. Mit einem Plus von 49.000 Hörern steigerte er sein Publikum um heftige 75,4%. Für die Top 4 reichte das aber nicht, hier finden sich Hit Radio FFH und planet radio, sowie die drei großen hr-Kanäle. Gewonnen haben dabei Hit Radio FFH und hr3, am deutlichsten Hörer verloren hat planet radio.

In Rheinland-Pfalz gehören zwei der SWR-Sender zu den großen Gewinnern. SWR4 RP legte um 89.000 bzw. 16,45 zu, SWR1 RP um immerhin 53.000 bzw. 13,5%. Ebenfalls noch oben ging es für das in NRW schon erwähnte bigFM Hot Music Radio, verloren haben die beiden großen SWR3 und RPR1. Der größte Absteiger findet sich aber nicht innerhalb der Top 5: die City Kombi Rheinland-Pfalz verlor 60.000 Hörer pro Tag.

Nur rote Zahlen gibt es in der Top 5 Baden-Württembergs. Zwar verloren vier der Sender mit 0,3% bis 1,7% relativ wenig des Publikums doch für SWR1 BW ging es um immerhin 55.000 Hörer bzw. 4,1% nach unten. Klare Nummer 1 bleibt SWR3 mit 2,333 Mio. Hörern pro Tag. Die Gewinner des Landes folgen auf den Rängen 6 und 7: bigFM Der neue Beat legte um 60.000 Hörer zu, Radio 7 um 38.000.

Nun also nach Bayern. Antenne Bayern hat sich hier nach den massiven Verlusten der vorigen mas den ersten Platz zurück erobert. Hatte Bayern 1 den Privatsender bei der ma 2011 II mit 2,976 Mio. zu 2,944 Mio. knapp geschlagen, führt Antenne Bayern dank eines Wachstums von 12,0% nun wieder recht souverän. Näher an Bayern 1 rückt zudem das Bayern-Funkpaket, deutlichster Verlierer ist Bayern 3 mit Einbußen von 81.000 Hörern bzw. 3,2%. Abseits der Top 5 hat noch Energy München deutlich gewonnen: 69.000 Hörer pro Tag.

Im kleinen Saarland bleibt das private Radio Salü die Nummer 1, SR 3 und SR 1 rücken allerdings bedrohlich nahe. Mit 231.000, 224.000 und 220.000 Hörern liegt das Trio nur 11.000 Hörer auseinander. Verantwortlich für die Spannung sind die deutlichen Verluste des Marktführers Radio Salü, sowie die heftigen Gewinne von SR 1 Europawelle. Auf Platz 5 neu in der Top 5 dabei: SWR3, das sich um sage und schreibe 50% steigerte und daher RTL Radio verdrängte.

Einer der umkämpftesten Radiomärkte bleibt Berlin. Zwar führt 104.6 RTL weiterhin recht deutlich, doch dahinter geht es verdammt eng zu. Zwischen dem Berliner Rundfunk 91.4 auf Platz 2 und radioBerlin 88,8 auf Rang 5 besteht nur ein Abstand von 38.000 Hörern. Auch die Sender auf den Rängen 6 bis 9 verfügen noch über mehr als 200.000 Hörer pro Tag. Innerhalb der Top 5 haben fast alle gewonnen, einzig 94,3 rs2 ging Publikum abhanden. Daher fiel der Sender auch hinter den Berliner Rundfunk 91.4 zurück. Auch 105’5 Spreeradio und radioBerlin 88,8 haben die Plätze getauscht. Weitere deutliche Gewinner abseits der Top 5: Jam FM mit einem Plus von 43.000, sowie Klassik Radio mit einem von 42.000. Deutlich verloren haben hingegen Jazz Radio (-35.000) und Energy Berlin (-28.000).

Einen Plätzetausch gab es auch in Brandenburg: Der Berliner Rundfunk 91.4 machte dank eines Zuwachses von 24.000 Hörern auch hier einen Platz gut und verdrängte wie in Berlin den Verlierer 94.3 rs2. Die Nummer 1 aus Berlin, 104.6 RTL belegt hier Rang 3 und verlor im Gegensatz zur Hauptstadt Hörer. Vorn bleiben souverän BB Radio und Antenne Brandenburg. Abseits der Top 5 hat Fritz noch kräftig gewonnen: 39.000 Hörer pro Tag kamen hinzu.

Den zweiten Führungswechsel neben Bayern gab es bei den Tagesreichweiten in Mecklenburg-Vorpommern. Ostseewelle Hit-Radio MV gewann 4,8% hinzu und überholte damit NDR 1 Radio MV, das wiederum 8,1% einbüßte. Dahinter folgen drei Sender, die prozentual gesehen noch deutlicher nach oben schnellten: Antenne MV gewann 9,8%, NDR 2 heftige 10,4% und N-Joy 10,6%.

Souverän an der Spitze bleibt in Sachsen MDR 1 Radio Sachsen: Mit 989.000 Hörern pro Tag rutschte der Sender allerdings unter die Mio.-Marke und büßte im Vergleich zur vorigen ma deutliche 8,1% ein. Ohnehin wurde in Sachsen weniger Radio gehört, Radio PSR, Hitradio RTL Sachsen und das Sachsen-Funkpaket verloren sogar mehr als 10% ihrer täglichen Hörer. Einziger Gewinner innerhalb der Top 5 ist R.SA mit einem Plus von 41.000 bzw. 8,7%. Der Sender überholte damit auch das Sachsen-Funkpaket.

Auch in Sachsen-Anhalt gingen dem Marktführer Hörer abhanden: radio SAW verabschiedete 96.000 tägliche Hörer, bzw. 10,8%. Mit 796.000 Hörern bleibt der Sender dennoch die klare Nummer 1 vor dem größten Gewinner MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt, der dank des Plus von 19,0% Radio Brocken überflügelte. Noch deutlicher nach oben ging es prozentual gesehen für 89.0 RTL, das wiederum MDR Jump von Platz 4 schmiss.

Abschließend der Blick nach Thüringen und damit auf eine Top 5 mit vier Gewinnern: MDR 1 Radio Thüringen begrüßte hier 9.000 neue Hörer, die LandesWelle Thüringen 20.000, MDR Jump 44.000 und 89.0 RTL 34.000. Für 89.0 RTL bedeutet das ein massives Plus von 35,1%. Der einzige Verlierer der Top 5 ist auch hier der Marktführer: Antenne Thüringen gingen 61.000 Hörer abhanden, mit 619.000 zu 488.000 führt man aber noch recht deutlich.

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