500.000 US-Jobs: Apple mit Charme-Offensive

Kein Tag ohne Neuigkeit aus Cupertino: Als die Börse am Wochenende geschlossen hatte, hatte Apple zwar nicht etwas unmittelbar Neues zur jüngstem Geschäftsentwicklung zu verkünden, wohl aber ein paar wohl gesetzte Untertöne. Immer wieder wurde Apple in der Vergangenheit vorgeworfen, seine Milliarden auf Kosten von miserablen Arbeitsbedingungen in China zu scheffeln. Nun hält der wertvollste Konzern der Welt dagegen: Dank Apple seien mehr als eine Million Jobs in den USA entstanden.

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Kein Tag ohne Neuigkeit aus Cupertino: Als die Börse am Wochenende geschlossen hatte, hatte Apple zwar nicht etwas unmittelbar Neues zur jüngstem Geschäftsentwicklung zu verkünden, wohl aber ein paar wohl gesetzte Untertöne. Immer wieder wurde Apple in der Vergangenheit vorgeworfen, seine Milliarden auf Kosten von miserablen Arbeitsbedingungen in China zu scheffeln. Nun hält der wertvollste Konzern der Welt dagegen: Dank Apple seien mehr als eine Million Jobs in den USA entstanden.
Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, dass Tim Cook Steve Jobs als Vorstandschef nachfolgte. Apples Geschäfte laufen besser denn je, doch abseits des Getöses um immer neue Rekordzahlen tut sich etwas in Cupertino: Schneller als erwartet findet der neue  Vorstandschef zu seiner eigenen Sprache.

Erst der selbstbewusste Auftritt von Tim Cook vor Analysten auf der Investorenkonferenz von Goldman Sachs, auf der er noch mal andeutete, möglicherweise anders mit den großen Bargeldreserven umgehen zu wollen als sein langjähriger Mentor Steve Jobs. Auf der Aktionärsversammlung vor einer Woche bestätige Cook die aktive Diskussion über den Cash-Einsatz noch einmal.

Apple, der Jobmacher
Dann ein ebenfalls erkennbar anderer Umgang in der Außendarstellung: Ohne den kleinsten Hinweis im Vorfeld verschickte der wertvollste Konzern der Welt vorvergangene Woche lapidar die Pressemitteilung, dass er eine Entwickler-Vorschau auf sein neues Betriebssystem Lion herausgegeben hatte. Keine Präsentation, keine großen Bemühungen.

Die machte Tim Cook eher schon in den Wochen zuvor, als der Apple-Chef beteuerte, wie ernst man die Situation in den chinesischen Produktionsstätten nehme und daher eigens Kontrolleure ins Reich der Mitte schicken wolle. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere präsentierte Apple am Wochenende: Der wertvollste Konzern der Welt zeigte sich als Jobmacher.

Wie viele Jobs entstanden durch Apple tatsächlich?
514.000 Arbeitsplätze in den USA habe der iPhone-Hersteller in den USA mit seinem Erfolg geschaffen, ließ Apple in einer Studie verbreiten, die von der Analysis Group erstellt wurde und sogar Platz auf der eigenen Webseite fand. Mehr als eine halbe Million Amerikaner profitieren also vom Boom des inzwischen wertvollsten Konzerns des Erdballs: "vom Ingenieur, der das iPad mitentwickelt hat, bis zum Postboten, der es an Ihre Haustüre bringt", teilt Apple mit.
Es gibt nur ein kleines arithmetisches Problem in der Berechnung: Tatsächlich beschäftigt Apple exakt "nur" 47.000 Mitarbeiter in den USA. Der Löwenanteil der 90 Prozent sind indirekt durch Apple zu ihren Jobs gekommen, in dem sie in der App-Ökonomie etwa als Entwickler oder als Zulieferer arbeiten – die Chips für die Apple-Geräte kommen zu einem Gutteil etwas Texas, die Displays werden von Corning-Mitarbeitern in Kentucky oder New York hergestellt.

Und die Jobs der 7700 einheimischen Mitarbeiter in den Call Centern klingen schon fast wie eine Subventionierung in rot-weiß-blau: Wenn man den Geschäftszweig nach Indien auslagern würde, "würde das unsere Kosten um 50 Prozent oder mehr reduzieren", ließ Apple erklären. "Wir belassen diese Arbeitsplätze aber in den USA, um einen besseren Kundenservice zu gewährleisten."
Henry Blodget: "Apple hat keine Verpflichtungen, hier Arbeitsplätze zu schaffen"
Klingt fast nobel – zumindest aber ungewohnt defensiv von Apple. Der langjährige Konzernchef Steve Jobs etwa war bekannt für seinen nonchalanten Umgang mit aufkommender Kritik: "Halten Sie das iPhone halt anders", lautet ein Klassiker der Krisenkommunikation á la Jobs auf dem Höhepunkt des "Antennagates" um schlechten Empfang beim gerade gelaunchten iPhone 4.

Entsprechend groß ist etwa die Verwunderung bei Apple-Kennern wie Henry Blodget. "Apple ist ein globales Unternehmen und hat keine Verpflichtungen, weder moralisch noch rechtlich, hier Arbeitsplätze zu schaffen. Weder ist es Apples Aufgabe, Amerikas Beschäftigungsproblem zu lösen", wundert sich Blodget.

Tatsächlich findet der Betreiber des Portalskonglomerats Business Insider, der Schuss ginge eher nach hinten los: "Apple ist ein großartiges Unternehmen und trägt viel zum amerikanischen Wirtschaftswachstum bei. Apple braucht daher nicht  vorgeben, mehr Jobs zu erschaffen als es tatsächlich tut." Merke: Nicht jede PR-Aktion zündet – auch nicht bei Apple. 

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