Wulffs ganz persönliche Frage der Ehre

Publishing Fast könnte man Mitleid mit dem zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff haben. Fast. Nachdem ihn und seine Frau die Berichterstattung über seine zahlreichen Affärchen “geschmerzt” hat, wie er in seiner Rücktrittsansprache sagte, lassen die Medien einfach nicht locker und fordern unisono einen Verzicht auf den Ehrensold in Höhe von knapp 200.000 Euro pro Jahr. Aber diesmal werden sich die Medien an Wulff die Zähne ausbeißen. Seine persönliche  Frage der Ehre hat er schon beantwortet.

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Bild-Zeitung, FAZ, Tagesspiegel, Hamburger Morgenpost – fast alle sind sie einer Meinung: 199.000 Euro Ehrensold für den Abgreifer Christian Wulff – das geht gar nicht. Die Gewerkschaft Verdi greift das Thema publikumswirksam auf und fordert einen Ehrensold für Müllwerker und Krankenschwestern. Man kann es ihr nicht verdenken.

Das Thema Ehrensold für Wulff hat enormes Wut-Potenzial und schürt Politikverdrossenheit mehr als jedes noch so teure Griechenland-Rettungspaket. Das Gerechtigkeitsempfinden der Bürger ist hier schwer gestört. Anders als bei der Berichterstattung über Wulffs Fehltritte, sind Volk und Medien hier einer Meinung. Während bei der Affären-Berichterstattung viele Bürger noch meinten, es handle sich um eine Kampagne, um einen Jagdtrieb der Medien, hört beim Ehrensold das Verständnis auf. Laut ARD-Deutschlandtrend sind unglaubliche 84 Prozent der Bundesbürger der Auffassung, Wulff solle auf den Ehrensold verzichten.

Und wieder einmal holen den Ex-Präsidenten seine großen Worte von früher ein. Ein ZDF-Interview macht die Runde, in dem Wulff – kurz vor seinem Amtsantritt als Bundespräsident, leutselig forderte, dass es bei den allzu großzügigen Regelungen des Ehrensoldes finanzielle Abstriche geben müsse. Aber das war zu einer einer Zeit. Damals dachte er noch, dass er wahrscheinlich zwei glorreiche Amtszeiten präsidieren wird und nicht, dass er mit Schimpf und Schande aus dem Amt scheidet.

Dass bei der Absegnung des Ehrensoldes durch das Bundespräsdialamt mal wieder ein Buddy von Wulff beteiligt war, ist eigentlich nur noch eine bittere Randnotiz. So wie man Christian Wulff in den vergangenen Wochen kennengelernt hat, wird er auf keinen Fall auf seinen Ehrensold verzichten. Er wird abtauchen und warten bis sich der mediale Sturm gelegt hat und wahrscheinlich sogar der tiefen Überzeugung sein, dass ihm das zusteht. Eine Art Selbstschutz-Mechanismus. Diese Taktik hat zwar schon beim letzten Mal nicht geklappt, aber diesmal stehen die Chancen gut, dass er damit durchkommt.

Er hat halt vor allem Pech, dass die Ruhestandsbezüge für den Bundespräsidenten ausgerechnet Ehrensold heißen. Würde man das ganze Abgreif-Prämie nennen, würde das schon eher passen.

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