Die Macho-Medien-Men und die Quote

Publishing Angst geht um in Deutschlands Medien-Chefetagen. Angst vor Quotenweibern. Eine Gruppe von 350 Medien-Frauen fordert seit dieser Woche eine Frauenquote im Medienbetrieb. Die Reaktion der Alpha-Männchen ist die bewährte Umarmungsstrategie. Und sonst in diesem Rückblick: Aus der Schweiz erreicht uns Kunde von rüden Führungsmethoden in einem großen Newsroom. Die ARD knickt vor dem Sudoku-Fan Schäuble ein und der Radiosender hr3 verschreibt sich freitags der Anarchie.

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Ganz schön dreist, was die Damen da verlangen: Redaktionelle Führungspositionen sollen binnen der kommenden fünf Jahre zu mindestens 30 Prozent in weiblicher Hand sein. So fordert es die Initiative Pro-Quote. Die Alpha-Männchen der Medienwelt reagieren mit einer erprobten Umarmungsstrategie. Fragt man die Big-Heads der Meinungsmedien, dann sind sie sich in Sachen Frauen in Führungspositionen so einig, wie sonst nur bei der Verurteilung der Wulff-Abgreifereien: Frauen, in Führungsetagen? Ja aber klar doch! Meistens dauert es dann nur einen Halbsatz bis hinterhergeschoben wird: Aber doch bitte ohne Quote. Spiegel-Chef Georg Mascolo exerzierte diese Verteidigungshaltung ein bisschen ungeschickt bei einer Diskussion mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen am vergangenen Sonntag vor. Ein bisschen cleverer argumentiert Stern-Alpha-Männchen Thomas Osterkorn im aktuellen Editorial. Der Stern hat das Frauen-Thema sogar zum Titel gemacht und Osterkorn rechnet stolz vor: Von 33 Chefposten beim Stern sind elf mit Frauen besetzt. Juhu! Quote schon erfüllt, alle weitermachen wie bisher. Nicht ganz. Osterkorn schreibt: “Die Chancen stehen also gut, dass in Zukunft eine Frau in die stern-Chefredaktion einzieht. Mich würde das sehr freuen.” Er hat vermutlich vergessen hinzuzufügen: So lange sie nicht an meinen Job will.

Vielleicht würde sich ja auch der Umgangston in mancher Redaktionsstuben ändern, wenn Frauen dort das Zepter schwängen. Wie eine Redaktion unter Testosteron-geschwängerter Luft bisweilen ächzt, das berichtet uns die Schweizer Gewerkschaftszeitung Work (nach eigenen Angaben die “kämpferischste Zeitung der Schweiz"). Die Kollegen haben einen Stimmungsbericht aus dem Newsroom des Schweizer Boulevard-Dampfers Blick veröffentlicht, der einem den kalten Schauer auf den Buckel treibt. Der deutsche Redaktionschef Ralph Große-Bley führe dort ein Regiment mit Kasernenhofton, heißt es.

Ein bisschen peinlich war es schon für den bärbeißigen Finanzminister Wolfgang Schäuble, dass er in dieser Woche beim Sudoku-Spielen auf dem iPad erwischt wurde, während gerade mal wieder eine mörderwichtige Griechenland-Rettungs-Debatte lief. Die skandalösen Aufnahmen zeigte am Montag in der ARD-”Tagesschau”. Aber anstatt dass “Tagesschau”-Chef Dr. Kai Gniffke sich in einem Blog-Beitrag für diesen Scoop brüstete, löschte die ARD in vorauseilendem Gehorsam sogleich die Szene aus der Mediathek. Angeblich, weil die Hausordnung des Bundestages „die unautorisierte Ablichtung persönlicher Unterlagen in der Weise, dass diese lesbar sind", untersagt. Ganz schön staatstragend, liebe ARD.

Die allermeisten populären Radioprogramme sind wegen des Fluchs des Formatradios entsetzlich öde und austauschbar geworden. Alle Radioprogramme? Nein! Es gibt eine kleine Insel des Hörfunk-Wahnsinns, und zwar jeden Freitagmorgen auf der Popwelle des Hessischen Rundfunk, hr3. Dann übernimmt Wellenchef Jörg Bombach mit Matthias Münch und/oder Mirko Förster das Programm und es ist endlich wieder Dampf im Radio. Da gibt es Gaga-Witze (“Rhythmische Sportgymnastik”, die “Glocke des Schweigens”) gepflegten Old-School-Hardrock (ACDC), der Horst-Frank-Fanclub Kassel darf sich zu Wort melden und eine hessische Provinzkombo macht Live-Musik im Studio. Das alles ist komplett gegen jedes Format gebürstet und darum großartig.

Schönes Wochenende!

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