Welt Kompakt druckt keine Tweets mehr ab

Publishing Twitter-Stopp bei der Welt kompakt. Die Tageszeitung druckt künftig keinen "Tweet des Tages" mehr auf der Titelseite ab. Weil Leser sich über die ungefragte Wiedergabe ihrer Kurzmitteilungen beschwert hatten, hat die Redaktion entschieden, die Rubrik aufzugeben. Doch jetzt reagieren viele Leser mit Unverständnis und fordern auf der Facebook-Fanpage der Tageszeitung und via Twitter, die Tweet weiterhin zu publizieren. Sogar eine Online-Petition wurde gestartet.

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Offenbar gab es nicht nur Beschwerden wegen der ungefragen Veröffentlichung von Tweets, einige Nutzer drohten sogar mit rechtlichen Schritten, berichtet Welt Online. Da es für die Redaktion zu zeitaufwendig sei, jeden einzelnen User um Erlaubnis zu bitten, schaffte das Blatt die Seite-1-Rubrik "Tweet des Tages" ab.
Auf ihrer Homepage beschäftigt sich die Welt mit der Frage, ob "man die maximal 140 Zeichen langen Nachrichten von Twitter zitieren und abdrucken" darf. Medienanwalt Tim Hoesmann, mit dem die Welt Kompakt-Redaktion sprach, erklärte: "Es gibt hierzu keine aktuelle Rechtsprechung. (…) Beim Urheberrecht stellt sich die Frage: Sind Tweets urheberrechtlich geschützt? (…) Aufgrund der Öffentlichkeit der Tweets und der Möglichkeit sie zu retweeten, also weiterzuverbreiten, gibt der Nutzer seine stillschweigende Einwilligung."
Laut Welt Online wurde über die Einstellung der Rubrik eine kontroverse Debatte via Twitter und Facebook geführt. Auf der Facebook-Fanpage von Welt Kompakt ist der Tenor auf die Fragen "Drucken oder nicht Drucken" jedoch eindeutig: "Drucken". Via Twitter meldete sich ein User: "Ist doch eh jeder stolz wie Schnitzel, mit einem Tweet auf der Titelseite zu landen."
"Twitter ist eine offene Plattform, und eigentlich ist es doch eine besondere Auszeichnung, dort erwähnt zu werden", so Blogger und Journalisten Richard Gutjahr, der bei Twitter rund 16.000 Follower hat, gegenüber Welt Online. "Wenn man als Twitter-Nutzer dann konsequent ist, müsste man ja auch sagen: ‚Ich möchte nicht retweetet werden’". Einen Unterschied zwischen Print und Online in diesem Fall sehe er nicht. Sein Rat: "Dann sollen die Leute erst gar nicht twittern."
Es gibt bereits eine Online-Petition zum Erhalt des "Tweet des Tages". Bis jetzt (Stand: 1. März, 11:30 Uhr) haben sich knapp 60 Unterstützer gefunden.

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