China-Gerüchte beenden Apple-Höhenflug

Jede Party kommt einmal zu ihrem Ende: Für Apple-Aktionäre war das am gestrigen Mittwoch der Fall. Nach einem schier parabolischen Anstieg von der Spitze 120 Dollar oder 30 Prozent seit Jahresbeginn ging der Apple-Aktie nun die Luft aus – die Anteilsscheine brachen im Handelsverlauf um 30 Dollar ein. Auslöser waren mehrere Gerüchte: Vor allem die Spekulationen, dass Apple gezwungen sein könnte, die iPad-Verkäufe in China wegen Namensrechtsverletzungen zu stoppen, verunsichern Anleger.

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Jede Party kommt einmal zu ihrem Ende: Für Apple-Aktionäre war das am gestrigen Mittwoch Fall. Nach einem schier parabolischen Anstieg von der Spitze 120 Dollar  oder 30 Prozent seit Jahresbeginn ging der Apple-Aktie nun die Luft aus – die Anteilsscheine brachen im Handelsverlauf um 30 Dollar ein. Auslöser waren mehrere Gerüchte: Vor allem die Spekulationen, dass Apple gezwungen sein könnte, die iPad-Verkäufe in China wegen Namensrechtsverletzungen zu stoppen, verunsichern Anleger.

Der Himmel schien die Grenze zu sein: 526,29 Dollar – das ist die neue Bestmarke, die es für die Apple-Aktie zu überbieten gilt. Zehn Handelstage in Folge legte das Papier zu und legte dabei eine Rallye von mehr als 70 Dollar hin – seit der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse Ende Januar sind es gar mehr als 100 Dollar gewesen. Das Plus seit Jahresbeginn summierte sich auf enorme 30 Prozent.

Ein Rücksetzer erschien das überfällig. "Parabolisch" nannte der Vermögensverwalter Doug Kass die Aufwärtsbewegung der Aktie und entschloss sich heute bei Kursen um 519 Dollar zu Leerverkäufen. Eine weise Entscheidung: Gegen Ende des Handels an der Wall Street musste die Aktie sogar die 500-Dollarmarke wieder hergeben, die der wertvollste Konzern der Welt erst vor zwei Tagen erklommen hatte.

Vom neuen Allzeithoch bei 526 Dollar, das noch am Mittag New Yorker Zeit aufgestellt wurde, brach das Papier bis zum Handelsende um krachende 30 Dollar ein. 5,5 Prozent bzw. 25 Milliarden Dollar Börsenwert wurden somit innerhalb von nur vier Stunden vernichtet.
 
Fehlen Apple die iPad-Namensrechte in China?

Waren es nur Gewinnmitnahmen? Gleich zwei Gerüchte verschreckten Anleger: Zunächst zirkulierte die Meldung, dass Apple wegen möglicher Namensrechtsverletzungen gezwungen sein könnte, den Verkauf und Vertrieb  des iPads in China vorläufig einzustellen.

Hintergrund ist ein Rechtsstreit mit dem chinesischen Technologieunternehmen Proview, das die Namensrechte an "iPad" für sich beansprucht. "Apple benutzt einen chinesischen Markennamen ohne Erlaubnis", erklärte ein Proview-Anwalt. Vor zehn Jahren hatte Proview kurz selbst ein Tablet gleichen Namens auf den Markt gebracht, es dann aber wieder schnell aufgegeben. Apple hatte sich die Namensrechte 2009 von Proview gesichert. Der Display-Hersteller behauptet allerdings, das gelte nur für die taiwanesische Tochter und nicht für Festland-China.
Apple-Worstcase: iPad-Produktionskette kommt zum Erliegen

Nachdem Apple mit Proview bislang keine Einigung erzielen konnte, versucht der chinesische Technologiekonzern nun den Verkauf von iPads im Heimatmarkt zu unterbinden. So hat Proview Apple auf 1,6 Milliarden Dollar verklagt und beim Zoll beantragt, die Ein- und Ausfuhr von iPads in und aus dem Riesenreich zu stoppen. iPads wurden daraufhin bereits zu Wochenbeginn von der Polizei beschlagnahmt.

Die Folgen eines Verkaufs- und Produktionsstopps wären für Apple ein schwer abschätzbares Desaster: Schlimmstenfalls könnte die weltweite Auslieferungskette der Mac-Tablets zum Erliegen kommen, da iPads vom chinesischen Zulieferer Foxconn hergestellt wird.
Schlechtes Timing vor dem iPad 3-Launch

Diese Meldungen einer Proview-Bedrohung kursierten bereits zu Wochenbeginn. Auslöser des scharfen Einbruchs an der Wall Street war heute nun die Meldung, dass Apple Amazon und andere Online-Händler in China bereits angewiesen habe, den Verkauf von iPads vorläufig einzustellen. Und das keine 24 Stunden, nachdem Tim Cook auf einer Investorenkonferenz betont hatte, wie wichtig der chinesische Markt für Apple sei.

Vor dem Anfang März anstehenden Launch des iPad 3 kann sich Apple eine längere Rechtsangelegenheit kaum leisten – ein verschobener Start der schon zweitwichtigsten Produktkategorie des wertvollsten Unternehmens der Welt besäße das Potenzial, zu einem PR-Debakel zu werden wie das "Antenna-Gate" beim iPhone 4-Start im Sommer 2010. Mit dem Unterschied, dass die iPhones weiter verkauft wurden.

Index-Anpassung: Wird Apples Gewicht im Nasdaq-100 schon wieder reduziert?

Doch damit war noch nicht Schluss mit dem schlechten Nachrichten für Apple-Aktionäre: Fast zeitgleich kursierte via Bloomberg die Meldung, dass Apples Gewicht im Nasdaq 100-Index abermals reduziert werden könnte. Fondsmanager, die den Index abbilden, wären dann gezwungen, das Papier anteilsmäßig zu verkaufen.
Das war bereits im vergangenen Jahr der Fall, nachdem Apples Anteil im Nasdaq 100 auf 20 Prozent angeschwollen war. Damals wurde er auf 12 Prozent reduziert, um die Kursbewegungen im US-Index nicht zu stark zu verzerren. Nach der starken Rallye der vergangenen zwei Monate war Apples Gewicht im Eliteindex der US-Technologiebörse unterdessen wieder auf 17,1 Prozent angewachsen. Fast scheint es, als drohe Apple ein wenig Opfer seines eigenen Erfolgs zu werden.

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