David Groenewold in: Verzettelt

Fernsehen Die Verbindung zu dem Filmproduzenten David Groenewold hat Christian Wulff vermutlich den Rest gegeben. Seit ein "Anfangsverdacht wegen Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung" gegen Wulff besteht - Groenewold hat mit Wulff auf Sylt geurlaubt; das Land Niedersachsen hat eine Bürgschaft für eine von Groenewolds Firmen gewährt - tauchte der Name des Produzenten in jedem Bericht über die Affäre auf. Bis dahin hatte es der Enddreißiger verstanden, seinen Namen wohldosiert in der Öffentlichkeit zu platzieren.

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Die FAS-Feuilletonisten Peter Körte und Claudius Seidl haben am vergangenen Sonntag mit ihrem Stück "Ein Freund, ein guter Freund" einen umfassenden Bericht abgeliefert, was Groenewold in den vergangenen Jahren getrieben hat. Und das war eine ganze Menge: 2001 Gründung des Filmfonds German Film Productions GmbH (GFP), 2006 Kauf der Odeon Film (u.a. "Ein Fall für Zwei", "Der Landarzt") und der Produktionsfirma Hofmann & Voges (u.a. "Türkisch für Anfänger"), ebenfalls 2006 Gründung der Majestic Film mit dem Geschäftspartner Benjamin Herrmann, der Majestic 2009 alleine weiterführte. An der Odeon Film hält Groenewold keine Stimmrechte mehr, wie er Ende 2011 mitteilte.

2007 dann Gründung der Waterfall Production GmbH. Für diese Firma, die Kinofilme produzieren sollte, erhielt Groenewold die nun ins Scheinwerferlicht gerückte Landesbürgschaft. Die allerdings nicht in Anspruch genommen wurde, weil gar keine Filme produziert wurden. An der Firma Promedium Asset Management GmbH, die auf Geldanlagen für Schauspieler spezialisiert war, beteiligte sich der Produzent mit 50 Prozent, war aber nicht in der Geschäftsführung aktiv. Eine Schauspielerin verklagte Groenewold, weil er ihr versprochen haben soll, für ihre Einlagen in Höhe von 1,5 Millionen Euro gerade zu stehen. 2010 gestand ein Gericht der Klägerin 250.000 Euro Schadenersatz zu.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sammelte Groenewold für drei aufgelegte GFP-Fonds von 2900 Anlegern etwa 100 Millionen Euro ein. Die beiden letzten Fonds hätten allerdings bisher kein Geld ausgeschüttet. Laut SZ klagten Anleger – sie fühlten sich "geneppt". Am 29. Februar solle der erste Fall vor dem Landgericht Berlin verhandelt werden. Ein Anwalt Groenewolds weist die Vorwürfe laut dem Zeitungsbericht zurück. Das Steuersparmodell Filmfonds hat bereits seit einer Gesetzesänderung 2005 ausgedient.

Bereits 2005 veranstaltete Groenewold in Berlin ein Abendessen "zu Ehren von Christian Wulff". 2006 sorgte er mit finanzieller Hilfe dafür, dass das Wulff-Buch "Deutschland kommt voran" erscheinen konnte. Regelmäßig lud der Produzent während der Berlinale zu einem "Abend unter Freunden" ein, u.a. in den Journalistenclub der Axel Springer AG. Über dieses "super-exklusive" Event berichteten auch Springer-Medien. Den Springer-Club habe Groenewold, der z.B. 2009 gemeinsam mit dem Schauspieler Thomas Heinze einlud, "gegen Bezahlung und mit Vertrag" gebucht, berichtete die taz. In einem Porträt der Zeit ließ sich der Produzent mit den Worten zitieren, ins Rampenlicht gehörten die Schauspieler, nicht er selber.

Unterm Strich dominiert in der Presse, vor allem seit die Wulff-Connection in all ihren Dimensionen offenkundig wurde, das Bild von Groenewold als "Spieler" oder "Trickser". Doch zuvor fanden viele Beobachter lobende Worte für den gewinnend auftretenden Unternehmer, der sich laut Zeit immer wieder auch um kleine Filmprojekte gekümmert habe, die nicht total auf Kommerz gebürstet waren. Die Wochenzeitung hatte ihr Porträt "Ein romantischer Kaufmann" betitelt. In der International Movie Database (IMDb) taucht unter Groenewolds Eintrag als letzte Cofinanzierung der Film "Zettl" von Helmut Dietl auf. Der Film wird vermutlich ein Flop, und Groenewold selber hat sich nun "verzettelt". Was vermutlich wiederum Stoff für einen Dietl-Film hergäbe.

Nachtrag: 

Der Spiegel berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, der Medienunternehmer Groenewold habe seit 2005 mehrfach in der Staatskanzlei des damaligen Ministerpräsidenten Wulff sondiert, "ob seine Medienfonds in Niedersachsen steuerlich günstiger gestellt werden könnten". An einem Treffen Ende 2006 habe Wulff persönlich teilgenommen.

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