Bild-Mann Blome: Gewinner der Wulff-Affäre

Fernsehen Das Scheitern von Christian Wulff ist nicht zuletzt Ergebnis einer Berichterstattung, bei der etliche Medien - allen voran Bild - immer wieder neue Enthüllungen brachten. Während sich viele Journalisten dem Kampagnenvorwurf ausgesetzt sahen, blieb einer davon verschont: Nikolaus Blome, 48, Hauptstadtbüro-Leiter von Bild und seit Beginn der Affäre das Fernsehgesicht des Boulevardblatts. Blome erläuterte, analysierte und verteidigte sein Blatt - so gut, dass er zu den wenigen Gewinnern im Fall Wulff zählt.

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Seinen vorläufig wohl letzten und auch besten Auftritt lieferte der ehemalige Ressortleiter der Welt am vergangenen Freitag in der spontan angesetzten Sonderausgabe von "Günther Jauch". Schon mehrmals saß Blome im Berliner Gasometer und präsentierte sich als Stimme der Vernunft, die stets darauf bedacht ist, den Ausgangspunkt der ganzen Wulff-Affären nicht aus den Augen zu verlieren, die Kreditfinanzierung des Hauses in Großburgwedel.
 
Die Angriffe auf die Bild-Redaktion und ihre Kampagne konterte der Politik-Experte mit einer extremen Versachlichung der Diskussion. Seine wichtigste Botschaft: Wulff ist nicht über Bild, sondern über sich selbst gestolpert. Zupass kam dem ehemaligen Zeitsoldaten dabei allerdings immer der Umstand, dass es innerhalb der Boulevard-Redaktion in der Causa Wulff eine Art Bad-Cop/Good-Cop-Aufteilung zu geben schien: Blome war der sympathische Außenminister des Springer-Blattes, der jeden Fakt und Vorwurf rational und ruhig erklärte. Das konnte er mit der nötigen Distanz, weil er die Enthüllungsgeschichten nie selbst geschrieben hatte. Und mit seinem zurückhaltend-seriösem Auftritt hätte er jederzeit als Entsandter von SZ oder FAZ durchgehen können. Für die Recherchen und die emotionale Verkaufe kümmerte sich Martin Heidemanns (O-Ton: "Ich bin der Bild-Reporter, der dem Bundespräsidenten vor 65 Tagen die entscheidenden Fragen stellte, die die Kreditaffäre auslösten").

Zudem kam Blome wohl auch seine Rolle zugute. Denn der Job des sachlichen Erklärers liegt dem gebürtigen Bonner allemal besser als die des Verteidigers von Politgrößen. Während der Debatte um die abgekupferte Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg zog der Bild-Mann schon einmal von "Hart aber Fair" über "Maybrit Illner" zu "Anne Will" und Co., um den damaligen Bild-Darling zu Guttenberg in Schutz zu nehmen. Das funktionierte beim CSU-Politiker nicht, weil der Ex-Verteidigungsminister in der öffentlichen Wahrnehmung längst als schuldig galt. Diesmal waren die Vorzeichen vertauscht: Wulff war der Gejagte, und Blome verstand sich ausgezeichnet darauf, nicht den Eindruck zu erwecken vom Jagdfieber angesteckt zu sein.

Neben seinen Bild-Einsätzen auf der großen öffentlich-rechtlichen Talkbühne unterhält sich Blome auch einmal wöchentlich mit Jakob Augstein auf Phoenix zur aktuellen politischen Lage. Spiegel Online bezeichnete den Mann, der stellvertretender Chefredakteur ist, das Hauptstadt-Büro und das Wirtschaftsressort leitet und auch noch als TV-Sprecher der Zeitung fungiert, als den „Bild-Multitasker“.

Seinen ersten beachtlichen Wulff-Auftritt hatte Blome in der ersten Jauch-Sendung nach der Weihnachtspause hingelegt. Zusammen mit Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo lieferte die beiden Journalisten fast schon eine seriöse Version der alten Sketch-Reihe "zwei Stühle, eine Meinung". Schienen sich Spiegel (das Magazin hatte März 2011 eine Coverstory über den Boulevardriesen mit der Headline "Die Brandstifter" gebracht) und Bild bis kurz zuvor noch spinnefeind, herrschte im Berliner Gasometer eine fast schon eine unheimliche Allianz zwischen der Boulevardzeitung und dem Nachrichtenmagazin.

Auch nach dem TV-Interview von Wulff mit Bettina Schausten und Ulrich Deppendorf war es wiederum der Vize-Chef und nicht etwa Diekmann, der dem Bundespräsidenten öffentlich widersprach. Auf die Karriere Blomes kann sich die enorme TV-Präsenz der vergangenen Wochen nur positiv auswirken. Schon heute ist er das Fernsehgesicht des Boulevard-Blattes. Schließlich verkörpert er im Fernsehen genau die Eigenschaften, mit denen die politische Berichterstattung des Boulevard-Blattes gerne wahrgenommen werden will: verbindlich im Ton, rational in der Sache und stets das Allgemeinwohl im Blick.

Bei seinem medialen Aufstieg profitiert Blome allerdings auch enorm von einer besonderen Aversion seines Vorgesetzten. Denn Bild-Chef Diekmann hält die Teilnahme an TV-Gesprächsrunden für "verschwendete Lebenszeit" und sieht darin "ritualisierte Auseinandersetzungen, in denen wieder und wieder dieselben Protagonisten ihre erwarteten Rollen spielen". Mit seinem Stellvertreter hat er nun einen der Hauptdarsteller in den eigenen Reihen.

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