Autoren attackieren Kracht-Kritik im Spiegel

Publishing Zwischen dem Spiegel-Autor Georg Diez und Romancier Christian Kracht ist eine ungewöhnliche Debatte entbrannt. Denn die Rezension zu Krachts neuesten Roman „Imperium“ entfachte eine hitzige Debatte. In seiner Kritik wirft Diez dem Literaten eine rassistische Weltsicht vor. Die Folge ist ein hitziger Diskurs innerhalb der Kunstszene, der nun in einem offenen Brief an die Spiegel-Chefredaktion gipfelte.

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In dem offenen Brief heißt es, dass die Diez-Kritik „die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten“ hätte. „Äußerungen von literarischen Erzählern und Figuren werden konsequent dem Autor zugeschrieben und dann als Beweis einer gefährlichen politischen Haltung gewertet.“ Weiter schreiben die Autoren: „Wenn diese Art des Literaturjournalismus Schule machen würde, wäre dies das Ende jeder literarischen Phantasie, von Fiktion, Ironie und damit von freier Kunst.“

Zu den 17 Unterzeichnern des Schreibens gehören neben dem Bestseller-Autoren Daniel Kehlman, Benjamin von Stuckrad-Barre und Feridun Zaimoglu auch die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

In seiner Rezension unterstellt Diez Kracht unter anderem ein „Türsteher der rechten Gedanken“ zu sein. Dazu zieht der Journalist nicht nur Passagen aus „Imperium“ heran, sondern auch einen 2010 publizierten Briefwechsel zwischen dem Schweizer und dem US-Künstler David Woodard.

Auf MEEDIA-Anfrage äußerte sich die Spiegel-Chefredaktion bislang nicht zu dem offenen Brief. Die Diez-Kritik hat den Literaten allerding ganz schön getroffen. So sagte er die für den 22. Februar in Berlin geplante Buchpremiere ab. "Der Spiegel-Angriff bedrückt Christian Kracht so sehr, dass er sich im Moment außerstande sieht, nach Deutschland zu kommen", teilte sein Verlag mit. Als Ausweichtermin gilt nun der 7. März in Zürich.

Neben dem offenen Brief gibt es aber auch aus dem Feuilleton kräftig Zunder für Diez und den Spiegel. In der Welt unterstellt Kulturchef Cornelius Tittel dem Spiegel-Autoren „mutwillige Verdrehungen“, „durch nichts gedeckte Unterstellungen“ und „aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate“. Zudem fragt sich Tittel, was es über den Zustand des Spiegels aussagen würde, „ausgerechnet Georg Diez als Starkritiker zu positionieren“. Leider fehlt dem stellvertretenden Welt-Chef "die Zeit, auch darüber heute nachzudenken“.

Selbst innerhalb des Spiegels gibt es Kritik an der an der Kracht-Kritik ovn Diez. So schreibt Jakob Augstein in seiner Spiegel Online-Kolumne: "Der Faschismus-Vorwurf ist die größte Keule, mit der man im öffentlichen Diskurs hantieren kann. Gegen Christian Kracht geht der Schlag aber ins Leere."

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