„Neues Rekordjahr bei Umsatz und Gewinn“

Publishing Print lebt: Im MEEDIA-Interview erklärt der Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser die "sehr auskömmliche" Zeit-Bilanz für 2011. "Wir konnten den Umsatz auf 151,4 Millionen steigern." Das bedeutet ein Plus von 13 Prozent. Seit 2003 wurde der Umsatz verdoppelt. So wurde 2011 zu einem "neuen Rekordjahr bei Umsatz und Gewinn". Wichtigster Einnahme-Posten ist noch immer die gedruckte Zeit. Aber Online holt auf. Auch die Apps entwickeln sich prächtig: "Die Einkünfte übersteigen die Investitionen".

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Herzlichen Glückwunsch zur Jakob Fugger Medaille.
Vielen Dank. Über diesen Preis freuen wir uns wirklich.

Den bekommt nicht jeder.
Das ist richtig. Er wird ja nur verliehen, wenn der Verband der Zeitschriftenverlage in Bayern der Meinung ist, dass er eine ganz besondere Leistung würdigen sollte.

Das letzte Mal wurde die Medaille vor sechs Jahren verliehen.
Ja. 2007 bekam ihn Hubert Burda und sieben Jahre davor Reinhard Mohn. Mit der Zeit bekommt nun zum ersten Mal ein Medien-Titel und nicht nur eine Person diese Auszeichnung.

Warum verleihen die bayerischen Zeitschriftenverlage gerade der Zeit die Medaille?
In der offiziellen Begründung heißt es, dass mit der "Jakob Fugger Medaille beispielhafte publizistische Leistungen" geehrt werden.

Was macht denn die besondere Qualität der Zeit aus, dass ihr eine solche Ehre zuteil wird?

Ein ganz wesentlicher Faktor ist, dass es viele starke unabhängige Autoren gibt, die die Zeitung prägen. Der Chefredakteur ist der Dirigent. Wir haben viele kluge Redakteure, die eine eigene Meinung haben und gut recherchieren. Zum anderen hat sich das Blatt thematisch sehr stark weiter entwickelt. Mit "Glauben und Zweifel", unseren zwei Kinderseiten oder der Seite "Zeit für die Leser". Auch das Zeit Magazin ist ein ganz wichtiger Faktor. In der großen Zeit stehen viele Dinge, die das Leben der Leser nicht unmittelbar berühren, die sie nicht direkt beeinflussen können, wie beispielsweise die Rettung des Euro. Das Zeit Magazin hingegen bringt viele Geschichten, die unser Leben direkt und emotional berühren. Daneben eine wunderbare Optik.

Sie haben Glauben und Zweifel angesprochen. Die christlichen Themen spielen tatsächlich eine recht große Rolle in der Zeit. Hat es sich denn dann gelohnt, dass sie damit begonnen haben den Mantelteil für die alten Merkur-Leser zu liefern?
Erst einmal: Bisher werden die alten Merkur-Abonnenten nicht von der IVW erfasst. Aber wie Sie wissen, würden wir die Merkur-Marke gerne kaufen. Der Kauf muss aber noch vom Kartellamt genehmigt werden. Durch den Mantellieferungsvertrag haben wir uns sicherlich keine goldene Nase verdient. Die Redaktion von Christ & Welt macht jedoch einen großartigen Job. Ihre Geschichten werden sehr häufig zitiert. Es lohnt daher sehr, ihre Arbeit weiter zu unterstützen.

Wenn es denn gelingt, die Merkur-Marke zu übernehmen. Rechnet sich das Investment dann eher?
Rein publizistisch ganz bestimmt. Rein ökonomisch wird es ein Nullsummenspiel bleiben. Es ist ein weiteres thematisches Angebot. Wir machen ja schon Schweiz-Seiten, Österreich-Seiten, Sachsen-Seiten. Wir bedienen heute schon eine Vielzahl von besonderen Interessen unserer Leser. Gerade durch diese Verbreiterung einiger Segmente erreichen wie einige Leser, die sich sonst nicht für das Blatt interessieren würden. Das gilt natürlich besonders für das Zeit Magazin.

Die Auflage hat sich im vergangenen Jahr ja prächtig entwickelt. Gilt das auch für die Bilanz?
Ja.

Wie war sie denn?
Sehr auskömmlich. Wir konnten den Umsatz auf 151,4 Millionen steigern. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 13 Prozent. Seit 2003 konnten wir unseren Umsatz verdoppeln (+104 Prozent).

Wie haben sich dabei die Kosten entwickelt?
Auch gut.

Also auch verdoppelt?
Gott sei dank nicht. Aber wir haben trotzdem ordentlich investiert. Wir hatten 2003 rund 300 Mann an Board. Heute sind es 450. Vor allem online haben wir kräftig aufgebaut. Bei Zeit Online arbeiten mittlerweile 70 Kollegen.

Wie hat sich der Gewinn entwickelt?
Mit dieser Zahl gehen wir traditionell  zurückhaltend um. Aber ich kann Ihnen sagen: Es ist ein gutes Ergebnis und ein Besseres als im Jahr davor. Für uns war 2011 ein neues Rekordjahr bei Umsatz und Gewinn.

Wie hoch ist der Print-Anteil an dem Rekord-Ergebnis?
Die gedruckte Zeit trug 115 Millionen Euro für das Gesamtergebnis bei. Heißt: 36 Millionen machen wir mit weiteren Geschäften. Ein Drittel davon entfällt auf online. Der Rest sind die Magazine, die Konferenzen, Shop und Editionen, die Zeit Akademie, Tempus Corporate und die Zeit Reisen.

Verdienen Sie denn mit Mobil-Angeboten und den Apps bereits Geld?
Inzwischen erreichen wir jede Woche ca. 15.000 Käufer unserer digitalen Angebote. Die Einkünfte übersteigen die Investitionen.

Wie entwickelt sich denn das Geschäft mit dem Corporate Publishing?
Hier schreiben wir im zweiten Jahr eine schwarze Null und haben allen Grund für die Annahme, dass sich das Geschäft im nächsten Jahr weiterhin so erfreulich entwickeln wird.

Ist das Corporate Publishing-Geschäft eigentlich klar von der normalen Print-Redaktion getrennt?
Oh ja. Wir haben da ganz klare Regeln. Wer für Tempus Corporate arbeitet, darf erst nach zwei Jahren wieder für die Zeit schreiben.

Bei den Zusatzgeschäften: Wo sehen Sie mittelfristig die größten Wachstumschancen?
Alle werden wachsen. Die größte Dynamik mit Nutzen für das ganze Haus ist online. Wir haben hier im vergangenen Jahr bei den Umsätzen um fast 50 Prozent zugelegt. Das entspricht allerdings auch dem dynamischen Nutzer-Wachstum von Zeit Online. Bei den Visits sind wir 2011 im Mittelwert jeweils um 38 Prozent zum Vorjahresmonat gewachsen.

Mit was für einem Wachstum rechnen Sie in diesem Jahr?
Wir haben mit einem Wachstum von 30 Prozent bei Reichweite und Umsatz geplant.

Ist das defensiv oder optimistisch?
Das ist eine zuversichtliche Prognose, die sich nach den ersten anderthalb Monaten des neuen Jahres bestätigt.

Wann arbeitet Zeit Online profitabel? 
Zeit Online und unser Stellenmarkt Academics werden im nächsten Jahr saldiert Geld verdienen.

Die Online-Werbung boomt. Merken Sie denn bei der gedruckten Zeit schon eine Werbe-Delle? So meldete Nielsen gerade für den Januar ein Minus bei den Brutto-Werbeumsätzen.
Das haben wir nicht gemerkt. Wir liegen zur Zeit gut fünf Prozent über Vorjahr.

Wie entwickelten sich denn im vergangenen Jahr die Anzeigenerlöse?
Sie stiegen in der Zeit und dem Zeit Magazin um 10 Prozent. In diesem Bereich konnten wir 52,1 Millionen Euro einnehmen. Im Vergleich zu 2003 ist dies ein Plus von 80 Prozent.

Und die Vertriebserlöse?
Auch die sind ordentlich gestiegen, auf 64,7 Millionen Euro.

Wie wird sich das Vertriebs/Anzeigen-Verhältnis in den kommenden Monaten und Jahren noch verändern?
Bei uns hat es sich gegen den Trend eher zugunsten der Anzeigen verändert. Das Zeit Magazin ist auch hier ein ganz wichtiger Treiber. Das sehen Sie auch daran, dass unser wichtigstes Anzeigen-Segment mittlerweile die Mode-Branche ist.

Sehen Sie für 2012 eine Umkehr des positiven Trends?
Nein. Mit einem Wachstum von 13 Prozent haben wir allerdings ein außergewöhnlich gutes Jahr hingelegt. Das lässt sich nicht jedes Jahr wiederholen. Schließlich ist es ein rein organisches Wachstum. Aber auch in diesem Jahr planen wir mit einem guten Zuwachs des Geschäftes.

Sind denn besondere Investitionen vorgesehen?
Nein. Wir wachsen in allen Bereichen weiterhin maßvoll. Zu unserem Erfolg gehört, dass wir unsere Sparten und Angebote immer besser vernetzten.

Gibt es einen Masterplan für das kommende Jahr?
Wir wollen in den Feldern, in denen die Zeit mit ihren Themen und Autoren kompetent ist, also vor allem bei Wirtschaft, Politik, Wissenschaft/Stellen, Kultur und Lebensstil unseren Lesern und Kunden alles anbieten, was sie gebrauchen können. Das sind nicht nur Publikationen, sondern auch zusätzliche Dienstleistungen. Aber keine Sorge: wir machen keine Wurstbude auf.

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