Ex-VDZ-Chef Fürstner berät Deutsche Post

Publishing Bei seinem Abschied Anfang November vergangenen Jahres wurde Wolfgang Fürstners neue Tätigkeit tief gehängt. Der langjährige Chef des Zeitschriftenverlegerverbands VDZ werde künftig Berater sein, keine große Sache. Nun hat das Manager Magazin berichtet, dass Fürstner nicht nur die Axel Springer AG berät, sondern auch die Deutsche Post AG. Beide Unternehmen haben sich nicht nur einmal gegenseitig Konkurrenz gemacht. Ein Interessenkonflikt für Fürstner? Der widerspricht gegenüber MEEDIA.

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Fürstners Firma, die PMP Medien- und Politikberatung GmbH, wurde Anfang 2012 im Handelsregister eingetragen. Der Manager hat sein Büro gleich in der Nähe seines alten Arbeitsplatzes im Berliner Haus der Presse, wo die Verbände VDZ und BDZV ihren Sitz haben. Seine Arbeitsstelle hat Fürstner jetzt im selben Haus wie die Deutschlandstiftung Integration des VDZ, die Fürstner mit ins Leben rief und heute leitet. Fürstner begann seine Karriere im VDZ 1978, im Jahr 1997 wurde er Hauptgeschäftsführer des Verbands.  

Das Manager Magazin verspürt nun "Unbehagen" angesichts der Tatsache, dass Fürstner sowohl die Axel Springer AG als auch die Post AG berät. Fürstner bestätigt gegenüber MEEDIA beide Engagements. "Bei dem Springer-Mandat geht es darum, meine Expertise bei der Entwicklung neuer Rahmenbedingungen und Regeln im Zeitalter von Google und Facebook einzubringen", sagt er. Als Berater ist er Christoph Keese zugeordnet, dem Cheflobbyisten von Springer, der den Titel Konzerngeschäftsführer Public Affairs trägt.

Post-Mandat: Briefvorstand Jürgen Gerdes vermittelte

Das Post-Mandat sei auf Anfrage von Brief-Vorstand Jürgen Gerdes zustandegekommen. Fürstner: "Ich habe in meiner Tätigkeit für den VDZ bei gelegentlich auftretenden Interessengegensätzen zwischen Verlagen und Deutscher Post vermitteln können. Das war vermutlich der Anlass für die Deutsche Post, mir einen Beratungsauftrag anzubieten. Wenn diese Zusammenarbeit gefördert werden und ich einen Beitrag dazu leisten kann, dann dient das Verlagen und der Deutschen Post. Ich kann darin keinen Interessenkonflikt sehen." Die vom Manager Magazin genannte Honorarsumme von 10.000 Euro im Monat sei zudem "unzutreffend".

Fürstner erklärt gegenüber MEEDIA: "Meine Verbundenheit mit dem VDZ verbietet es, einen Interessenkonflikt zu provozieren. Ich habe von Anfang an volle Transparenz walten lassen und kein Geheimnis daraus gemacht, wer meine Mandanten sind. Keiner der Verlage, mit denen ich im Gespräch bin, hat Bedenken gegen mein Engagement bei der Deutschen Post oder bei Springer gehabt, im Gegenteil. Das gilt auch für meinen ehemaligen Arbeitgeber, den VDZ, der von Anfang an eingebunden war. Der Artikel im MM geht deshalb an der Sache vorbei und konstruiert eine Grauzone, die es nicht gibt und nie gegeben hat."

Die Post ist ein analoger Frenemy der Verlage

Das Verhältnis zwischen Verlagen beziehungsweise VDZ auf der einen und Deutscher Post auf der anderen Seite ist so fragil wie interessant. Wie Fürstner zu Recht bemerkt, "ist die Deutsche Post einfach einer der größten Dienstleister der Verlage." Die Betonung der Wettbewerbssituation zwischen Verlagen und Post, die MM-Autor Klaus Boldt in den Vordergrund stellt, trifft es nur zur Hälfte. Es ist richtig, dass zwischen Verlagen und Post ein erbitterter Streit um die Postwurfsendung Einkauf Aktuell geführt wurde. Verlage sehen in der Werbesendung eine Marktverzerrung durch die Post, die via Kreditanstalt für Wiederaufbau noch zu knapp einem Drittel im Staatsbesitz ist. Ende vergangenen Jahres entschied der Bundesgerichtshof, dass Einkauf Aktuell nicht wettbewerbswidrig sei. Ebenso gab und gibt es Konkurrenz, wo Verlage mit eigenen Briefpostunternehmen auf den Markt gegangen sind. Auch die Axel Springer AG hatte mit der PIN Group versucht, der Post massiv Kunden abspenstig zu machen, wobei das Vorhaben scheiterte.

Die Post ist für die Verlage so etwas wie ein analoger Frenemy und damit gewissermaßen ein Vorläufer von Google – Freund und Feind zugleich. Denn natürlich lassen die Verlage ihre gedruckten Titel auch über die Post ausliefern und sind darum eng miteinander verbunden. Erst im Herbst vergangenen Jahres wurde ein neues Preismodell für den Versand von Pressepost zwischen Post und VDZ abgeschlossen. Im vergangenen Jahr ließ die Post ein Unternehmen aufbauen, dass die Produktion von Tablet-Publikationen erheblich vereinfachen soll. Mit einem weiteren Serviceportal für freie Journalisten wollen die Bonner Redaktionen eine Quelle für neue Inhalte anbieten. Und so weiter.

Post-Chef Appel als "Unternehmer des Jahres" ausgezeichnet

Der Zeitschriftenverlegerverband und dessen ehemaliger Chef Fürstner hatten über die vergangenen Jahre ein sehr enges Verhältnis zur Post AG aufgebaut. Im vergangenen November verlieh der Verband dem Post-Chef Frank Appel die "Goldene Victoria" als "Unternehmer des Jahres". In der Begründung hieß es: "Im Vergleich zu den hochdefizitären Post-Unternehmen anderer Industrienationen gehört das deutsche Post-System zu den verlässlichsten der Welt." Die Post gehörte zu den Unternehmen, die in die VDZ-Kampagne "Print wirkt!" eingebunden wurden. Auf den Webseiten des VDZ platziert die Post zudem Werbung als Dienstleister für Verlage. Bereits 2008 prüften der Verband und das Weltunternehmen eine "verstärkte Zusammenarbeit zur Bewältigung der Herausforderungen – insbesondere im Bereich der Online-Kommunikation". Ein entsprechendes Service-Portal verschwand indes wieder aus dem Netz.

Bereits 2007 hatte die Post Lutz Glandt, den ehemaligen Vorstand der WAZ-Gruppe, als Bereichsvorstand Brief rekrutiert. Damals hieß es in einer Mitteilung: "Zu seinen künftigen Aufgaben gehören der Ausbau des Geschäfts der Deutschen Post mit Medienunternehmen." Der Beraterjob für Fürstner, so will MM-Autor Boldt erfahren haben, sorge nun "bei Gerdes´ Truppe für Unverständnis". Schließlich verfüge die bereits über "Intensivkontakte" in die Medienbranche. Die eigentliche Frage, die Fürstners Tätigkeit also aufwirft, lautet: Wie viele gute Drähte in die Verlagswelt braucht die Deutsche Post eigentlich?

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