ROG: „ESC ist kein unpolitisches Event“

Fernsehen Am Donnerstag kürt die ARD den Gewinner von “Unser Star für Baku”. Der Gewinner wird Deutschland beim “Eurovision Song Contest” in Baku vertreten. Einen Tag vor dem Vorentscheid ruft Reporter ohne Grenzen alle Beteiligten auf, sich intensiv mit dem Gastgeberland Aserbaidschan auseinanderzusetzen. Der Vorwurf: Die die Eurovisions-Show findet in einem Land statt, das keine freie Berichterstattung zulässt. Im vergangenen Jahr wurden über 50 Medienvertreter überfallen oder von der Polizei angegriffen.

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„Der Eurovision Song Contest ist nicht einfach eine unpolitische Musikveranstaltung, wie die Organisatoren uns weismachen wollen“, sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. „Er findet in einem Land statt, in dem es keine freie Berichterstattung gibt und kritische Journalisten bedroht werden.” Jury, Journalisten und Sänger könnten nicht dazu beitragen, die Menschenrechtsverletzungen zu ignorieren.

Zum Hintergrund: ROG zählt Aserbaidschans Präsidenten Ilcham Alijew zu den Feinden der Pressefreiheit. Denn Journalisten würden in dem südkaukasischen Land unter ständiger Bedrohung arbeiten. Allein 2011 seien nach Angaben von NGOs über 50 Medienvertreter überfallen oder von der Polizei angegriffen und verhaftet worden.

Prominentestes Beispiel: Awas Sejnalli, Chefredakteur der Zeitung Chural. Er sitzt nach Angaben von ROG seit Ende Oktober 2011 im Gefängnis, nachdem er in Artikeln Alijew kritisiert hatte. Ferner seien gegen mehrere Blogger, die im Frühjahr zu Protesten aufgerufen hatten, Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, berichtet ROG. Und seien etliche Morde an Journalisten bis heute nicht aufgeklärt.

Der Vorwurf der Reporter: Das Land nutze das Event “ESC”, um sein Image international aufzupolieren. Doch allein für den Bau des Veranstaltungsortes seien Mitbewohner aus ihren Häusern vertrieben worden, die Berichterstattung darüber sei behindert worden. Medien dürften sich nicht zum Trittbrettfahrer dieser PR-Masche machen. “Die Diskrepanz zwischen der glitzernden PR-Fassade und der bitteren Wirklichkeit Aserbaidschans kann nur eine unabhängige Presse sichtbar machen“, fordert Rediske. Deswegen müssen eine freie und kritische Berichterstattung auch nach dem ESC in Aserbaidschan möglich sein.

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