Die German Facebook-Angst

Publishing Es gibt vermutlich tausend gute Gründe, den laxen Umgang von Facebook mit Daten kritisch zu sehen. Es ist auch legitim, wenn jemand vom Social Web generell nichts wissen will. Doch es gibt da eine gar nicht mal kleine Gruppe von Leuten mittleren Alters mit einer von diffuser Furcht getriebenen Facebook-Allergie, die man beim besten Willen nicht verstehen will oder kann: die Facebook-Angsthasen. Eine kleine Polemik gegen die grassierende Netzwerk-Schizophrenie.

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Vermutlich kennt jeder ein paar solcher Typen aus dem eigenen Bekannten- und/oder Verwandtenkreis. “Bist du nicht bei Facebook?” “Nee, ich weiß nicht… das ist mir zu unsicher… wegen der Privatsphäre … und Fotos ….man weiß ja nie…” Gemurmel dieser Art kommt dann zurück. Die Allerwenigsten haben eine klare Position im Sinne von: Ich lehne Facebook ab, weil ich deren Datenschutz-Politik nicht vertreten kann. Oder: Ich lehne Facebook und andere Social-Media-Angebote ab, weil ich dafür keine Zeit habe und mich das ganz generell nervt! Dafür könnte man ja Verständnis haben. Aber dieses reflexhafte Zurückzucken, sobald der Name Facebook fällt, das nervt gewaltig.

Lustigerweise haben die Facebook-Angsthasen gar nicht mal selten ihre Mailadresse bei T-Online. Wie hieß nochmal der ehemalige Staatskonzern, dem die persönlichen Daten von mehreren Millionen Kunden auf komische Weise abhanden gekommen waren und deren Kundschaft dann erstaunlich oft von ungebetenen Werbe-Anrufen behelligt wurde? Ach ja, die Telekom! Oft haben die Facebook-Angsthasen auch ein hübsch ausgefülltes Profil bei Xing. Begründung: Das ist ja rein beruflich! Diagnose: Netzwerk-Schizophrenie.

Schön sind auch die Fragen jener Facebook-Angsthasen, die zwar eigentlich schon ganz gerne an den praktischen Seiten des Social Networks teilhaben würden oder vielleicht eine Facebook-Seite für ihren Verein erstellen würden. Aber dann bitte wie ein U-Boot auf Schleichfahrt in den Tiefen des Social Web, gerne anonym. “Kann man sich da nicht einfach mit einen erfundenen Namen anmelden? Oder das so einstellen, dass einen keiner sieht?” Klar, kann man! Dann kann man es aber auch lassen, weil es so nichts bringt und außerdem hochgradig unseriös ist.

Mit Facebook und Social Media ist es letztlich auch nicht anders (Achtung, Achtung liebe Leser: hinkender Vergleich) als mit Küchen-Werkzeugen. So ein scharfes Messer ist ungemein praktisch zum Zwiebelschneiden. Wenn man damit nicht umzugehen weiß, holt man sich aber vielleicht einen blutigen Finger. Facebook kann auch wahnsinnig praktisch sein, um Freunde oder Verwandte auf unangestrengte Weise über das eigene Leben auf dem Laufenden zu halten. Oder alte Kontakte zu Schulkameraden oder Ex-Kollegen aufzufrischen, Verabredungen zu treffen oder auch nur zur zweckfreien Unterhaltung, um die eine oder andere Neuigkeit zu erfahren usw. Angst ist beim Nutzen von Facebook, wie in allen anderen Lebenslagen übrigens auch, ein denkbar schlechter Ratgeber.

All den Facebook-Angsthasen da draußen sei hier und jetzt ein großes Geheimnis verraten: Facebook weiß nur das über Euch, was ihr selbst da reinschreibt. Überraschung! Wer sich bei Facebook anmeldet, wird nicht urplötzlich von Leuten in Mark-Zuckerberg-Masken überfallen, die eure Wohnung aufbrechen, eure Nachttisch-Schubladen durchwühlen, Tagebücher scannen und gegen euren Willen online stellen. Das müsst ihr schon alles selbst erledigen – oder eben auch nicht.

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