„Gottschalk Live“ – neue Show, alte Probleme

Fernsehen Thomas Gottschalks neue ARD-Vorabend-Show „Gottschalk Live“ wurde als völlig neues Format angekündigt und kämpft seit dem Start mit vielen Problemen. Dabei ist das Ganze gar nicht neu - weder die Sendung, noch die Probleme. Thomas Gottschalks Late-Night-Show bei RTL  litt Anfang der 90er Jahre an den gleichen Defiziten wie „Gottschalk Live“. Konzept und Gästelisten zeigen erstaunliche Parallelen. „Gottschalk Live“ ist „Gottschalk Late Night“ mit neuer Verpackung.

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Anno 1990. Damals verabschiedete sich Thomas Gottschalk von der von ihm erfolgreich moderierten ZDF-Samstagabendshow „Wetten dass..?“ um etwas ganz Neues im deutschen TV zu wagen: Eine Show, die ganz auf seine Person zugeschnitten ist. Zuerst gab es ab 1990 eine wöchentliche Show namens "Gottschalk", die mittwochs um 20.15 Uhr lief und später auf 21.15 Uhr verlegt wurde.  Thomas Gottschalk begrüße sein Publikum in der ersten Ausgabe mit den Worten: „Fernsehen zu gucken kann man sich und den Kindern langsam nicht mehr zumuten. Es gibt da ja nur noch Schweinerein. Jetzt wird es sogar der Bild-Zeitung zuviel. ‘TV Pfui’ hat die geschrieben. (…) Bei mir haben sie diese Probleme nicht, bei mir ist alles anständig, bei mir haben sie keinen Ärger. Bei mir ist es noch sauber, das verspreche ich ihnen.“ Ab 1992 wurde das Konzept verändert zu "Gottschalk Late Night" – die Show lief zunächst von Montags bis Freitags um 23.15 Uhr, ab 1993 nur noch von Dienstag bis Freitag. 
Über 20 Jahre später – Thomas Gottschalk hat die Moderation von „Wetten dass..?“ erneut niedergelegt um etwas ganz Neues im deutschen TV zu wagen: eine fast tägliche Vorabendshow bei der ARD, die ganz auf seine Person zugeschnitten ist. Die Sendung heißt „Gottschalk Live“ und er begrüßte sein Publikum in der ersten Ausgabe mit den Worten: „Ich verspreche, dass sie hier bei mir sicher sind, eine halbe Stunde Happy Hour. Also halbe Happy Hour. Und sie kriegen gewisse Garantien bei mir. Zum Beispiel kommt das Wort Rettungsschirm garantiert nicht vor. Es ist auch eine Wulff-freie halbe stunde. Auch wird bei mir garantiert nicht gekocht.“ “Sicher” statt “sauber”, sonst änderte sich fast nix. Der Duktus der beiden Ansprachen ist frappierend ähnlich.

Gäste bei „Gottschalk Late Night“ waren u.a. Nina Hagen, Helge Schneider, Franz Beckenbauer und sowie unzählige prominente Schauspieler. Gäste der ersten beiden „Gottschalk Live“ Wochen waren u.a. Franz Beckenbauer, Helge Schneider, Nina Hagen sowie zahlreiche Schauspieler. Bei „Gottschalk Late Night“ gab es (später) einen Schreibtisch, an dem Thomas Gottschalk „Post“ bearbeitete und seine Sprüche machte. Gäste wurden in einer Sofaecke empfangen. Bei „Gottschalk Live“ gibt es einen Schreibtisch, an dem Thomas Gottschalk seine Sprüche macht, Gäste werden in einer Sofa-Ecke empfangen. Ein Unterschied: Die Ledersessel sind diesmal braun, in den 90ern waren sie noch knallrot.

Ein fester Bestandteil von „Gottschalk Late Night" war eine Live-Schalte zu einem Bürger, der etwas Besonderes zu erzählen hatte. In einer seiner ersten „Gottschalk Live“-Sendungen ließ Gottschalk zu einem jungen Mann schalten, dessen Katze jemanden gerettet hatte. Für „Gottschalk Late Night” gab es vernichtende Kritiken und das nicht erst als Gottschalk mit dem missglückten Gespräch mit dem Republikaner-Chef Franz Schönhuber sein persönliches TV-Waterloo erlebte. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb zu „Gottschalk Late Night“: „Es ist schon seltsam: Obwohl er alles wie immer macht, macht er doch – mit einem Mal – alles falsch. Der Witz ist schal geworden, der Charme zotig, das Tempo nur oberflächliche Dynamik.“ (zitiert nach Wikipedia). Den Satz könnte man auch in eine x-beliebige TV-Kritik zu „Gottschalk Live“ hineinkopieren.

Da RTL mit den Quoten von „Gottschalk Late Night“ (im Durchschnitt aus heutiger Sicht gar nicht mal schlechte zwei Millionen Zuschauer) unzufrieden war, wurde mehrfach am Konzept der Show gefeilt. U.a. wurde die Schlagzahl bei den Gästen erhöht – am Ende begrüßte Gottschalk in seiner Late-Night-Sendung bis zu fünf Gäste pro Folge. Auch „Gottschalk Live“ wirkt bereits kurz nach dem Start wie eine einzige Gäste-Parade. Und die Quoten sind schlecht und erste Rufe aus der ARD werden laut, am Konzept zu feilen.

Sie merken schon, worauf wir hinauswollen: „Gottschalk Live“ ist eigentlich gar keine neue Sendung, sondern „Gottschalk Late Night“ mit neuer Deko, ein bisschen kürzer und ohne Publikum an einem anderen Sendeplatz. Damit wäre der Beweis erbracht: TV-Geschichte wiederholt sich.
Update: In einer früheren Version wurde nicht klar gemacht, dass es bei RTL zunächst die Personality-Show "Gotschalk" gab, die später zu "Gottschalk Late Night" verändert wurde. Dies wurde korrigiert.

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